Worldshaker & Liberator

WorldshakerIm angloamerikanischen Sprachraum ist Steampunk dabei, seine Nische als Subgenre der Phantastik zu verbreitern. Hierzulande scheint es so, als würden die Kessel nur sparsam beheizt, so richtig dampfen will der Zug nicht, der eher über die Gleise schleicht als dahinzurasen. Und das, was den Weg in die Regale der Läden findet, ist eher dem Jugendbuchbereich zuzuordnen. Deutschsprachiger Vertreter ist etwa Thomas Thiemeyer mit seinen Chroniken der Weltensucher, deren dritter Band gerade bei Loewe erschienen ist. Der in Australien lebende Engländer Richard Harland hat mit Jacoby & Stuart ebenfalls einen deutschen Verlag gefunden, der es dampfen lässt. Nach Worldshaker 2010 folgte dieses Jahr mit Liberator der zweite Teil der Buchreihe um die gewaltigen Juggernauts – wolkenkratzergroße gepanzerte Amphibienfahrzeuge, auf denen die Menschen in drei Klassen eingeteilt sind: Die Herrschenden, ihre durch Gehirnoperationen gefügig gemachte Dienerschaft und die Dreckigen, die in den unteren Stockwerken dafür sorgen müssen, dass die Feuer in den Kesseln nicht verlöschen.

Im ersten Buch wird die viktorianische Klassengesellschaft auf dem britischen Juggernaut Worldshaker durch eine Revolution kräftig durcheinandergewürfelt. In der Fortsetzung schildert Harland, wie die Besatzung aus Dreckigen, Gesindlingen und freiwillig verbliebenen ehemaligen Elitefamilien auf dem in Liberator umgetauften Riesengefährt mit der neuen Situation fertig wird. Sie müssen nicht nur gegen die anderen Juggernauts kämpfen, die Jagd auf den Liberator machen, sondern auch gegen fanatische Revolutionäre, die alle ehemaligen Oberklässler am liebsten exekutieren würden. Dabei werden die Fronten immer wieder aufgeweicht, und mitunter ist nicht klar, wer denn nun Freund und wer Feind ist.

LiberatorSo muss Steampunk sein, dachte ich mir, als ich ein paar Kapitel des ersten Romans gelesen hatte. Im zweiten Band setzt sich der Lesespaß nahtlos fort. Natürlich handelt es sich hier um ein Jugendbuch, was immer wieder durchscheint. Die Akteure sind teilweise etwas holzschnittartig charakterisiert, manches wird schwarz-weiß gemalt, und es geht natürlich auch um verbotene Liebe zwischen den Angehörigen der unterschiedlichen Klassen, um Eifersucht und widerstrebende Gefühle. Doch das Ganze steht als turbulente Abenteuergeschichte in bester Tradition zu Jules Verne und seinen literarischen Erben. Bei Harland geht es für ein Jugendbuch erstaunlich deftig und blutig zu, denn die Kämpfe werden mit tödlichen Waffen ausgetragen. Zum Finale lässt der Autor es dann so richtig krachen. Wie die große Schlacht, in der aberwitzige Kampfmaschinen zum Einsatz kommen, am Ende ausgeht, soll hier nicht verraten werden – nur so viel: Harland hält sich die Option für einen dritten Band offen.

Wer sich informieren will, was es mit diesem eigenartigen Begriff Steampunk überhaupt auf sich hat, ist übrigens beim schön gestalteten und informativen Clockworker gut aufgehoben.

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