Meine Maschinenmusik

Meinen ersten Plattenspieler bekam ich Ende der Siebziger (des letzten Jahrhunderts – Mann-o-mann, ist das lange her …) zu Weihnachten, dazu zwei LPs von Boney M. und eine von ABBA. Das waren meine ersten eigenen Schallplatten. Zu dieser Zeit wurde DISCO mit Ilja Richter sozusagen zum Pflichttermin im mit drei Sendern noch recht überschaubaren TV-Programm. Damals hat das natürlich meinen Musikgeschmack mitbestimmt, neben diversen Alben von Alan Parsons Project, Barclay James Harvest, Meat Loaf, Queen oder Pink Floyd, die ich zuerst von Bekannten oder Schulkollegen ausgeliehen und später zum Teil gekauft habe. Beeindruckt hat mich aber vor allem Kraftwerk, beginnend mit der Computerwelt-LP 1981, die mich dazu brachte, mir die älteren Platten der Herren Hütter, Schneider & Co. ebenfalls zu besorgen. Elektronische Sounds fand ich irgendwie interessanter als Gitarrenriffs, krächzenden Gesang oder wilde Schlagzeugsoli, auch wenn ich mein Taschengeld eine Zeit lang weiterhin in Alben und Livekonzerte von Manfred Mann, Saga oder Yes investiert habe.

Alte Vinylplatten

Doch der Einfluss von Kraftwerk auf meinen Musikgeschmack war absolut prägend. Die Band diente als Inspirationsquelle für so viele Elektroniksoundtüftler und Musikstile, dass man darüber wohl eine Doktorarbeit schreiben könnte (was vermutlich auch schon jemand getan hat). Ihre Maschinenmusik war Ursprung für vieles, was sich später Electronic Body Music, Elektro-Funk, Elektro-Pop oder Techno nannte. Computerwelt, Nummern oder It’s More Fun To Compute zum Beispiel waren längst Techno- und Elektro-Hymnen, bevor Techno Anfang der Neunziger massenkompatibel wurde.

Als Schüler hatte ich nie genug Geld, um mir all die Platten kaufen zu können, die ich gerne haben wollte (und ich meine Vinylplatten – für diese blechern klingenden Silberscheiben mit den viel zu kleinen Covers hatte ich anfangs wenig übrig). Also blieb nur, sich das Zeugs, das nicht im eigenen Plattenschrank stand, irgendwo auszuleihen und auf Kassette aufzunehmen (haben damals viele so gemacht, die Jungspunde heutzutage haben im Zeitalter von MP3 davon ja keine Ahnung mehr …). Nach dem Schulabschluss hab ich dann viel Geld und Zeit dafür verwendet, mir die Sachen nachzukaufen, die ich unbedingt selbst haben wollte, wobei manches schon zu der Zeit eine Rarität war.

Kassetten hab ich weiterhin aufgenommen – hauptsächlich Mixtapes fürs Auto. Davon besitze ich noch einige Dutzend, die man zum Großteil auch noch anhören kann. Die Klangqualität ist allerdings leider nicht so, dass sich beim Digitalisieren der alten Bänder ein befriedigendes Ergebnis erzielen lässt (manche Kassetten eiern, zwischendurch gibt es immer wieder dumpfe Stellen, einige Bänder wurden nach Bandsalat geklebt – wer über 25 ist, kennt all das sicherlich). Um diese Mixe wieder halbwegs zu rekonstruieren hab ich vor einiger Zeit begonnen, die alten Schallplatten, die es mir wert erscheinen, zu digitalisieren. Nebeneffekt dieser Aktion ist, dass ich endlich mal meine Plattensammlung durchsehe und neu sortiere, von der die meisten Exemplare jahrelang auf dem Dachboden in verschiedenen Regalen und Kisten untergebracht waren. Ist eine Heidenarbeit, die wegen Zeitmangel nur sehr langsam voranschreitet. Macht aber im Grunde nichts – Vinyl kann ja nicht davonlaufen, und das Ganze lässt sich gut nebenher machen (neben so spannenden Arbeiten wie Wäsche bügeln oder Versicherungsunterlagen in Ordner einsortieren …).

Was gerade im Hintergrund läuft, ist ziemlich kraftwerk- und kraftwerksoundslastig, überwiegend aus den Achtzigern, garniert mit ein paar Tracks aus den Neunzigern. Mal sehen, vielleicht veröffentliche ich hier gelegentlich die Playlists, die ich mir für die Mixe zusammenstelle. Wenn ich keine Probleme mit der GEMA fürchten müsste, würde ich das Ganze glatt als Soundkulisse zu meinem Blog zur Verfügung stellen …

The Art Of Noise – Moments In Love
Richard Strange And The Engine Room – Damascus
Kraftwerk – Boing Boom Tschak
Kraftwerk – Techno Pop
The Human League – Being Boiled
Anne Clark – Sleeper In Metropolis
Kraftwerk – Trans Europa Express
Afrika Bambaataa & The Soul Sonic Force – Planet Rock
Herbie Hancock – Rockit
T-Coy – Regret
Paul Hardcastle – 19
Man Parrish – Hip Hop, Be Bop (Don’t Stop)
Man Parrish – Boogie Down (Bronx)
Hashim – Al-Naafiysh (The Soul)
Ellison Chase – Welcome To Tomorrow (Body-Sex-Remix)
Moskwa TV – Generator 7/8
Beat-A-MaX – Gladiator
Kraftwerk – Die Roboter
Giorgio Moroder – Chase
Yello – Bostich
Anne Clark – Our Darkness
Yazoo – Don’t Go
Grauzone – Film 2
Vicious Pink – 8:15 To Nowhere
MCL 2 – Satellite
Ministry – The Nature Of Love
Eberhard Schoener – Why Don’t You Answer
Kraftwerk – Der Telefonanruf
Kraftwerk – It’s More Fun To Compute
DAF – Brothers
New Order – Blue Monday
Telex – Moskow Diskow
The Art Of Noise – Beat Box
Kraftwerk – Nummern
Kraftwerk – Computerwelt 2
I-f – Space Invaders Are Smoking Grass
Anthony Rother – Sex With The Machines
Daft Punk – Da Funk
Air – Kelly Watch The Stars

6 Antworten zu “Meine Maschinenmusik

  1. Paul Hardcastle und „19“ kenne ich noch sehr gut. Der Video-Clip war für mich als damals noch kleinen Steppke recht faszinierend. Und mit leiernden Kassetten kenne ich mich noch sehr gut aus. Allerdings wusste ich nie so ganz, ob es an der Kassette oder meinem 10-Mark-Walkman-Imitat von irgendeinem Wühltisch bei Woolworth’s in Würzburg stammte… Lustigerweise war ich nie ein Fan oder Bastler von Mixtapes. Ich habe mir immer die Alben so angehört, wie die Künstler sie zusammengestellt haben. Von vorne bis hinten.

    Gefällt 1 Person

    • Bei mir war in der Regel das Autoradio am Bandsalat schuld … vielleicht lagen die Kassetten auch immer zu lange im Handschuhfach, die Hitze im Sommer war da vermutlich nicht förderlich.

      Den Woolworth in Würzburg kenne ich übrigens auch. :-)

      Gefällt 1 Person

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