Wir waren außer uns vor Glück

Wir waren außer uns vor GlückZeit zum Schmökern hatte ich in den vergangenen Monaten leider nur sehr wenig. Und wenn das so ist, dann greif ich lieber zu Kurzgeschichten oder Novellen und lass die dicken Roman-Wälzer liegen. So hab ich zuletzt eine außergewöhnlich interessante und gute SF-Storysammlung von David Marusek gelesen: Wir waren außer uns vor Glück. Marusek wohnt in Alaska und braucht für eine Novelle schon mal ein Jahr – vielleicht färbt die Umgebung mit ihrer Weite und Ruhe auf seinen Schreibprozess ab. Das Ergebnis kann sich dann aber mehr als nur sehen lassen, wie die Nominierungen für einschlägige SF-Preise zeigen. Alle fünf im Buch enthaltenen Geschichten spielen vor einem einheitlichen Hintergrund, in dem lebensverlängernde Genmanipulationen, Klone und Kopien des eigenen Selbst zum Alltag gehören. Die Detailfülle, mit der Marusek seinem Zukunftsentwurf Leben einhaucht, ist verblüffend. Er pflanzt seine Protagonisten mitten in diese Welt des 22. Jahrhunderts hinein und lässt uns zuschauen, wie sie sich darin zurechtfinden. Wie sie neu entstandene Probleme lösen, die diese hochentwickelte (Bio)Technologie mit sich bringt – oder wie sie scheitern. Dabei wirft er Fragen auf wie: Was macht das Menschsein und die Menschlichkeit aus, wenn vieles, was bisher natürlicherweise dazugehörte, in dieser Form nicht mehr existiert? Und löst immer wieder nervöses Kribbeln aus, daneben auch Ehrfurcht vor seinem Können als Autor, der es schafft, mit seinen Storys ähnlich zu beeindrucken (jedenfalls trifft das auf mich zu) wie etwa Daniel Keyes mit seiner Jahrhunderterzählung Blumen für Algernon.

Erschienen ist die Storysammlung im rührigen Golkonda Verlag. Alle Bücher aus diesem Haus, die ich im Bücherschrank stehen habe, sind wahre Kleinode für Büchernarren und –sammler; keine Bleiwüsten, sondern wunderschöne Paperbacks mit Klappenbroschur und fantasievoll gestaltetem Layout, zu dem verzierte Seitenzahlen, Vignetten und Illustrationen gehören, die jedes Buch zu einem kleinen Kunstwerk machen. Übersetzt wurden Maruseks Erzählungen von Jasper Nicolaisen und Jakob Schmidt, die dafür mit dem Kurd Laßwitz Preis ausgezeichnet wurden. Letzterer ist übrigens auch mit Storys in den beiden ZWIELICHT-Bänden vertreten, in denen Geschichten von mir zu finden sind.

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