ZWIELICHT CLASSIC

Zwielicht Classic 1Während ZWIELICHT 3 noch auf sich warten lässt, startet Herausgeber Michael Schmidt ein neues Projekt, bei dem es nicht um Erstveröffentlichungen geht. ZWIELICHT CLASSIC wird vielmehr ältere Storys aus dem Bereich Horror und dunkle Phantastik zum Wiederlesen oder Neuentdecken bieten – Storys also, die in Anthologien oder Magazinen abgedruckt wurden, die zum Teil längst vergriffen sind. Das Ganze zunächst als Kindle-eBook über Amazon zu einem erschwinglichen Preis, die Erscheinungsweise ist zweimonatlich. Neben Kurzgeschichten und Novellen werden auch Artikel zum und rund ums Genre enthalten sein.

Die Storys in der ersten Ausgabe stammen von Tobias Bachmann, Christian Endres, Andreas Gruber, Nina Horvath, Torsten Scheib, Andreas Schumacher und Malte S. Sembten. Ich hab auch eine beigesteuert: Der erste Tag der Ewigkeit, zuerst erschienen in Der wahre Schatz. Darin begibt sich ein Privatdetektiv auf die weite Reise nach Sardinien, um die Ehefrau eines Unternehmers zu beschatten, die von ihrem Mann verdächtigt wird, ihn zu betrügen. Der Auftrag steht unter keinem guten Stern: Die Observation beginnt zu überhastet, und schon bald scheint die Frau Katz und Maus mit dem Detektiv zu spielen. Sein Ehrgeiz führt ihn auf Wege, die er besser nicht beschritten hätte …

Als Leseprobe diesmal keinen Auszug aus der Story, sondern das, was ich zum Hintergrund und zur Entstehung für die Anthologie geschrieben habe:

Meine ersten Detektivgeschichten zwischen zwei Buchdeckeln stammten von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle (und aus der Leihbücherei, soweit ich mich erinnere). Die Art und Weise, wie Hercule Poirot und Sherlock Holmes ihre Fälle lösten, hat wohl mit dafür gesorgt, dass ich im Lauf der Zeit ein Faible für diese Art von Geschichten entwickelt habe. Dabei faszinierte mich einerseits, wie scharfsinnig und clever die Gentlemanschnüffler vorgingen, andererseits gefielen mir jene Fälle am besten, die phantastische oder unheimliche Elemente beinhalteten (oder zu beinhalten schienen).

Später begegneten mir Sam Spade, Philip Marlowe und einige andere, die mein Bild vom smarten Detektiv ein wenig verschoben. Auch wenn Poirot und Holmes durch ihre Genialität brillierten und am Ende die Lösung aus dem Hut zauberten – einen Underdogschnüffler bei seiner Arbeit zu beobachten, der schon mal was auf die Schnauze kriegt und sich in eine falsche Spur verrennt, war mindestens genauso spannend und unterhaltsam.

Was sich nicht veränderte, war meine Vorliebe für außergewöhnliche Settings und Plots. Harry Angel auf der Suche nach Johnny Favorite zu begleiten und mitzuerleben, wie er stattdessen die Abgründe der eigenen Seele aufspürt, hatte seinen speziellen Reiz. Ebenso Rick Deckard über die Schulter zu schauen, wenn er seine Haujobs erledigt. Zuletzt habe ich Handyman Jack und Harry Dresden für mich entdeckt und sehe die Romane von Wilson und Butcher als willkommene Abwechslung zu dem ganzen SF- und Horrorkram, den ich sonst lese.

All diese Detektive oder »Männer für besondere Fälle« haben ihre Spuren bei mir hinterlassen, und dieses oder jenes von ihrer Arbeit, ihren Erfolgen und Misserfolgen ist in meine Geschichten um den eurasischen Ermittler Kozak eingeflossen (der zwei Jahrhunderte in der Zukunft seinen Spürsinn auf elektronischem Weg aufmotzt). Und natürlich auch in die vorliegende Story, in der ein nicht unbedingt perfekter, namenloser Normaloschnüffler einem 08/15-Fall nachgeht, der sich dann doch als nicht so ganz 08/15 herausstellt.

Zum Schreiben haben mich Chandler, Christie, Doyle oder Hammett allerdings nicht gebracht (na ja, Doyle vielleicht doch ein bisschen, aber nicht mit seinen Holmes-Geschichten, sondern eher mit seinem Abenteuerroman »The Lost World«), da waren andere Autoren sicher prägender – wobei die Vorbilder im zarten Kindesalter ziemlich rasch wechselten, wenn mich die Erinnerung nicht trügt. Längerfristigen Einfluss hatte wohl nur Stephen King, der mich vor allem durch seine Short Stories noch während der Schulzeit dazu animiert hat, Geschichten nicht einfach nur niederzuschreiben und wieder zu vergessen, sondern auch zu überarbeiten und ein wenig daran herumzufeilen (nicht allzu viel, denn auf der mechanischen Schreibmaschine haben das Tastenhämmern und der exzessive Gebrauch von Tipp-Ex nur so lange Spaß gemacht, bis die Geschichte auf Papier verewigt war – ändern und neu abtippen gestaltete sich eher mühsam und artete fast schon in richtige »Arbeit« aus).

Als ich nach längerer Pause (mit bestandenem Schulabschluss hat man so viele andere Dinge im Kopf oder im Sinn) zum Jahrtausendwechsel mit der Anschaffung des ersten eigenen PCs wieder mit dem Schreiben anfing, fanden Detektiv- und Kriminalplots gelegentlich ein Schlupfloch und schlichen sich in meine Kurzgeschichten ein. Anfangs unbewusst und durch die Hintertür, später dann gezielter. Aber fast immer waren und sind es Ausflüge in Bereiche, in die Poirot oder Marlowe letztlich nicht vorgestoßen sind – ich halte es da lieber mit Harry Angel oder Rick Deckard. Wobei – wer weiß … vielleicht irgendwann …

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