Dhormenghruul

DhormenghruulIm deutschsprachigen Raum haben Horrorgeschichten (oder solche, die sich allgemein mit dunkler Phantastik und außergewöhnlichen Phänomenen beschäftigen) eine lange Tradition, auch wenn das vielfach nicht bekannt ist (oder ignoriert wird) – man denke nur an Autoren wie Heinrich von Kleist, E. T. A. Hoffmann, Gustav Meyrink, Willy Seidel oder auch Franz Kafka. Trotzdem fallen in erster Linie Namen wie Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft, Robert Louis Stevenson, Bram Stoker oder Mary Shelley, wenn nach Genreklassikern gefragt wird. Und heute? Stephen King, Clive Barker, Dan Simmons, Peter Straub, Dean Koontz, Ramsey Campbell … aber Autoren deutscher Zunge? In der Regel kommt da erst mal nix. Dabei gibt es – auch über die Heftromanszene hinaus – durchaus Autoren, deren Erzählungen eine Erwähnung verdient haben. Zu diesen Autoren gehört Malte S. Sembten, der es vielleicht versäumt hat, durch Romane auf sich aufmerksam zu machen, denn die Kurzgeschichte erfreut sich leider nun mal keiner allzu großen Beliebtheit (nicht nur hierzulande, auch die genannten angloamerikanischen Autoren verkaufen deutlich mehr Romane als Shortstories).

Sembtens Geschichten erschienen über die Jahre in mehreren Storysammlungen; zuletzt in Dhormenghruul bei Eloy Edictions in einer schön aufgemachten, auf 111 Exemplare limitierten Taschenbuchausgabe. Cover und Innenillustrationen stammen von Björn Ian Craig, das Frontispiz hat Malte S. Sembten selbst gestaltet (immerhin ist er nicht nur ein guter Autor, sondern auch ein begabter Illustrator).

Bei der Titelgeschichte handelt es sich um eine Novelle, in der Lovecraftelemente auf erfrischende Art und Weise in ein modernes Gewand verpackt wurden. Starker Plot, spannend erzählt, schöne Atmo – diese Merkmale ziehen sich durch die gesamte Storysammlung hindurch. Die meisten Erzählungen sind über einen Zeitraum von etwa fünfzehn Jahren in verschiedenen Anthologien und Magazinen erschienen. Die einzig neue ist wiederum eine Novelle: In Brandopfer wird zu DDR-Zeiten ein übersinnlich Begabter nicht ganz freiwillig auf einen Fall angesetzt, in dem Menschen einen mysteriösen Feuertod erleiden – ohne erkennbare Brandspuren um das Opfer herum. Der Protagonist wird in das Haus einquartiert, das eine dunkle Vorgeschichte hat. Was er dort erlebt, brennt sich dem Leser im wahrsten Sinn des Wortes ins Gedächtnis ein. Wer gern Horrorstorys liest (die gelegentlich mit Science-Fiction-Elementen angereichert sind), kommt an denen von Malte S. Sembten eigentlich nicht vorbei.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s