Wolfen

WolfenAls ich entdeckte, dass Whitley Striebers Roman Wolfen im Festa Verlag neu aufgelegt wird, wollte ich zunächst die Finger davon lassen. Immerhin hatte ich die Verfilmung aus dem Jahr 1981 in der Flimmerkiste gesehen und war im Zweifel, ob das Buch dann noch lesenswert sein würde. Mittlerweile hab ich den Roman regelrecht verschlungen. Meine Zweifel waren sehr schnell beseitigt, zumal der Film nur die Grundidee aufgreift. Strieber hat die Story wie einen Wissenschaftsthriller angelegt, und ich fand es absolut faszinierend, den beiden Polizisten über die Schulter zu schauen, wenn sie einige Morde in New York aufzuklären versuchen, bei denen die Opfer grausam zugerichtet und teilweise aufgefressen wurden. Als Leser gewinnt man recht schnell eine Vorstellung davon, wer hinter diesen Taten steckt, auch wenn die Täter nicht näher beschrieben werden – zumal man im Grunde eh weiß, wie der Romantitel zu deuten ist. So ist nicht die Aufklärung an sich das Spannende, sondern die Tatsache, dass die beiden Ermittler am eigenen Leib erkennen müssen, was es bedeutet, wenn sich bei einem Menschenfresser hohe Intelligenz mit dem Instinkt und den aufs Jagen ausgerichteten Sinnen eines Raubtiers paart. Daneben gibt es ein kleines Hund-und-Katz-Spiel zwischen den beiden Polizisten, durch das man mit dem Mittfünfziger und der Mittdreißigerin recht schnell warm wird.

Strieber hat aus alldem einen packenden Horrorthriller gestrickt, der sich auch mehr als 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt. Dass es weder Handys für eine schnelle Verständigung noch das Internet für schnelle Recherche gibt, hat man im Handumdrehen vergessen – und wenn ein Autor das schafft, dann hat er seine Arbeit gut gemacht. Hier gibt es keine romantisch verklärten, vielleicht gar überedlen Gestaltwandler, keine adeligen Untoten, keinen fantasymaßigen Krieg zwischen verfeindeten Spezies – hier geht es nur um das Wechselspiel zwischen Mensch und Tier: Jäger und Gejagter. Wobei sich die Frage stellt, wem welche Rolle zufällt. Sie lässt sich letztlich nicht eindeutig beantworten, und genau das macht die Stärke dieses Thrillers aus. Wenn beim Finale eine kleine Schar Polizisten auf eigene Faust das Ungeheuerliche nicht länger ignorieren will wie der große, mächtige und letztlich doch völlig hilflose Polizeiapparat und den Kampf aufnimmt, sind plötzlich alle auf beiden Seiten Jäger und Gejagte zugleich. Was Strieber dabei auffährt, ist an Spannung nur schwer zu überbieten. Ein weiteres dickes Plus: Wolfen ist kein aufgeblähtes 800-Seiten-Epos – nach 300 Seiten ist Schluss. Gut so.

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