Rammbock

Das kleine Fernsehspiel – irgendwie klingt das nach nett und harmlos. Dass ein Kleines Fernsehspiel im ZDF alles andere als das sein kann, zeigt der Film Rammbock aus dem Jahr 2010. War eigentlich reiner Zufall, dass ich den Titel im Fernsehprogramm gelesen habe, als er kürzlich im Nachtprogramm wiederholt wurde. Neugierig geworden, was sich wohl dahinter verbirgt, hab ich dann im Videotext nachgesehen und den Film aufgezeichnet. Seinen Titel verdankt der 60-Minuten-Streifen einem Rammbock, den die beiden Protagonisten bauen, um eine Wand in einem Berliner Mietshaus zu durchbrechen. Warum? Weil sie in die Nachbarwohnung gelangen wollen, ohne das Treppenhaus zu benutzen. Warum das? Weil im Treppenhaus Zombies auf Opfer warten. Richtig gelesen – Kleines Fernsehspiel und Zombies. Passt irgendwie nicht zusammen? Mitnichten!

Wikipedia verrät, dass der Film auf einigen Festivals Preise eingeheimst hat, was ich jetzt, nachdem ich ihn gesehen habe, durchaus nachvollziehen kann. Fast der gesamte Film spielt in diesem Berliner Mietshaus, in dem sich einige Bewohner verschanzt haben. Nach der Infektion bricht die Virusseuche durch verstärkten Adrenalinausstoß aus, deshalb sind die Bewohner vor allem auf der Suche nach Beruhigungsmitteln. Einige wurden von Zombies verletzt und erhoffen sich von den Medikamenten, dass sie den Ausbruch der Krankheit verhindern. Aber jeder Infizierte ist eine tickende Zeitbombe, und einer nach dem anderen mutiert zum Zombie. Letztlich bleibt die Flucht übers Dach, doch dicke Rauchwolken, die über die Stadt ziehen, unterstreichen das, was sich die Überlebenden nach Ausfall der Radio- und Fernsehprogramme sowie der Handynetze bereits gedacht haben.

In der Machart erinnert der in blassen Farben und recht düster gehaltene Film an 28 Days Later und Stadt der Blinden, mehr vielleicht noch an REC, denn die Inszenierung ist kammerspielartig, woraus der Film auch seine Intensität bezieht. Splatterszenen braucht Rammbock nicht, um den Zuschauer zu schocken und zu fesseln. Es gibt nur wenige Szenen, in denen tatsächlich Blut fließt. Die Schauspieler waren mir bisher alle unbekannt – im Prinzip sind die Protagonisten 08/15-Normalos wie du und ich, mit Alltagsproblemen und -streitereien, die mit der Situation zunächst hoffnungslos überfordert sind und sich dann zusammenraufen, um so lange wie möglich durchzuhalten. Wenn der Film wieder mal gesendet wird – anschauen lohnt sich!

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