Bloß weg hier!

Bloss weg hierFrank Böhmert ist Autor und Übersetzer. Derzeit lese ich Cherie Priests Boneshaker, den er ins Deutsche übertragen hat – dadurch bin ich draufgekommen, dass ich hier noch meinen Senf zu seinem Roman Bloß weg hier! abgeben könnte, den ich im Winter gelesen habe. Böhmert ist nämlich nicht nur ein guter Übersetzer, sondern auch ein guter Autor, der auf 140 Seiten mehr zu sagen hat als manch anderer auf 500.

Für Geschichten, die aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen erzählt werden, hatte ich schon immer ein Faible – gern auch mit phantastischem Einschlag wie etwa bei Stephen King oder Dan Simmons, aber das muss nicht sein. Der 1962 geborene Böhmert hat seinen vor zwei Jahren erschienen Roman im realen Berlin des Jahres 1973 angesiedelt. Er lässt den Leser durch die Augen seines elfjährigen Protagonisten (und Alter Ego?) Olli in eine Zeit zurückblicken, in der Klapp- und Bonanzaräder in waren und es autofreie Sonntage gab, mit denen man der Ölkrise begegnen wollte. Wie elfjährige Jungs eben so sind, hat Olli ’ne Menge Unsinn im Kopf und bringt sich dadurch immer wieder in Schwierigkeiten. Im Grunewald stößt er auf den gleichaltrigen Bernd, der sich verlaufen hat. Nach anfänglichen Reibereien schweißen diverse Abenteuer, die sie zu bestehen haben, die beiden zusammen. Olli beschließt, seinen neuen Freund auf dem langen Heimweg quer durch die Stadt zu begleiten.

Für heutige Leser gerät ihr Trip zur vergnüglich-unterhaltsamen Nostalgiereise, man muss die Siebziger und autobefreite Straßen jedoch nicht aus eigener Erfahrung kennen, um seinen Spaß beim Lesen zu haben. Frank Böhmert verbindet die Rückschau mit den letztlich fast zeitlosen Problemen des Erwachsenwerdens und roadmoviemäßigen Episoden, die mal spannend und mal amüsant, aber nie langweilig daherkommen.

Der Roman ist im Berliner Golkonda Verlag erschienen und sieht schon nach Siebzigerjahre aus, wenn man sich nur das Cover anschaut – nicht nur wegen der Jahreszahl. Die gesamte Gestaltung des Büchleins lässt diese Zeit lebendig werden (wir hatten früher Tapeten mit ähnlichen Mustern, die waren zum Teil giftgrün …). Und wenn man erst mal ein paar Seiten gelesen hat, ist man mittendrin. Gerne mehr davon!

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