Eiskalt erwischt & Bitterkalt

Der Festa Verlag hat seinen Sparten Horror und Thriller eine weitere hinzugefügt, in der angloamerikanische Krimis erscheinen: Festa Crime. Entdeckt hab ich das, als der Name Dan Simmons in irgendeiner Neuerscheinungsliste auftauchte. Simmons ist einer meiner Lieblingsautoren: Terror, Drood und Hyperion gehören zu meinen All-Time-Favourites. Also war die Freude groß, denn seine Joe-Kurtz-Thriller Hardcase, Hardfreeze und Hard as Nails sind im Original bereits vor ungefähr zehn Jahren erschienen, und ich dachte schon, sie teilen das Schicksal seines Indianerromans Black Hills, der 2010 herauskam und bislang ebenfalls nicht ins Deutsche übersetzt wurde (weiß zufällig jemand, ob sich das in naher Zukunft ändern wird?). Auf den Namen Joe Kurtz stieß ich das erste Mal, als ich die Hap&Leonard-Romane eines anderen Lieblingsautors (Joe R. Lansdale) gelesen hatte und nach Vergleichbarem suchte. Nun, gewisse Unterschiede gibt es bei beiden Krimi-Reihen schon, aber eins haben sie gemeinsam: Die Romane sind rasant, kurz und knackig geschrieben. Die ersten beiden Kurtz-Thriller hab ich inzwischen gelesen, der dritte ist für diesen Monat angekündigt.

Eiskalt erwischtIm ersten Roman Eiskalt erwischt lernen wir den Protagonisten kennen: Gleich zu Beginn bringt Joe Kurtz den Mörder seiner Ex-Partnerin gnadenlos um. Diese fünf Seiten sind symptomatisch, denn Kurtz fackelt nicht lange, wenn er es für nötig erachtet (möglicherweise ist das der Grund, warum bisher noch kein deutschsprachiger Verlag die Romane veröffentlicht hat). Nach zwölf Jahren Knast, in dem er einem Nachwuchsmafioso gelegentlich den Rücken freigehalten hat, eröffnet er mit einer alten Freundin ein Detektivbüro und darf für die Familie des Mafia-Sprößlings gleich einen Auftrag übernehmen – schließlich braucht er Geld, um zu leben. Außerdem um das Büro auszustatten und seiner alten Freundin irgendwann auch mal ein Gehalt zahlen zu können. Er gerät in eine Intrige, die zum Mafiakrieg ausartet. Kurtz steht dabei immer auf einer Seite: seiner eigenen. Schließlich muss er zusehen, seine Haut zu retten und zeigt dabei, dass er Katz-und-Maus-Spiele perfekt beherrscht.

BitterkaltWährend Eiskalt erwischt in sich abgeschlossen wirkt, baut Bitterkalt auf die Geschehnisse des ersten Romans auf; Vorkenntnisse sind hier also hilfreich. Kurtz’ Verstrickungen in den Mafiakrieg setzen sich fort – wer sich einmal mit dem Mob eingelassen hat, wird ihn so schnell nicht wieder los. Daneben kriegt er es mit einem Serienkiller zu tun, der ihm durch seine Wandlungsfähigkeit alles abverlangt. Joe Kurtz bringt dabei sogar seine Freunde in Lebensgefahr. Schon bald zeichnet sich ab, dass er selbst wohl auch nicht ungeschoren davonkommen wird – wieder einmal geht es darum, raffinierter und schneller zu sein als die anderen. Bitterkalt verknüpft mehrere Handlungsstränge miteinander und reißt den Leser, der sich auf diese abgründige Welt jenseits des Rechtsstaats einlässt, ebenso mit wie Eiskalt erwischt. Simmons schrammt allerdings öfters an der Glaubwürdigkeitsgrenze entlang, Kommissar Zufall muss gelegentlich helfend eingreifen.

Aus moralischer Sicht ist dieser Joe Kurtz eine äußerst zwielichtige Figur. Von den Mafiosi und Killern, gegen die er antritt, unterscheidet er sich oftmals nur durch den Ansatz, seine eigene „Gerechtigkeit“ durchsetzen zu wollen – ohne Polizei und Gerichte, vor denen seine Gegner weder Angst noch Respekt haben (schließlich stehen einige Staatsdiener auf ihren Lohnlisten …). Materielle Dinge sind Kurtz dabei scheißegal – das ist vielleicht der Hauptunterschied zu den Gangstern. Wie ein Outlaw steht er außerhalb der gesellschaftlichen Normen und lebt in einer mehr oder weniger rechtsfreien Zone, in der er allerdings nur überleben kann, indem er keine Skrupel zeigt. Wenn ihm einer ans Leder will, wird er ins Jenseits befördert, damit er keine zweite Gelegenheit erhält.

Dan Simmons rechtfertigt Kurtz’ Verhalten nicht – er schildert es schonungslos und überlässt seinem Publikum das Urteil über seinen Protagonisten. Dabei wirft er den Leser jeweils sofort mitten ins Geschehen und verzichtet auf Schnörkel und Nebenschauplätze. Dementsprechend sind die ersten beiden Romane auch relativ kurz, jedoch nicht zu kurz geraten. Betrachtet man daneben Simmons’ SF- und Horrorromane, die zum Teil epische Ausmaße annehmen, so beweist er mit den Kurtz-Thrillern seine Vielseitigkeit als Autor.

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