Todesfrist

Andreas Gruber hat seine ersten Kurzgeschichten in Fanzines wie NOCTURNO und SOLAR-X veröffentlicht, bald darauf kamen Storysammlungen bei verschiedenen Kleinverlagen heraus. Neben Horror- und Science-Fiction-Erzählungen erschien damals auch ein Band mit Detektivgeschichten um den jüdischen Ermittler Jakob Rubinstein. Krimi- und Thrillerplots haben es Gruber wohl schon immer angetan. Sein erster Roman Der Judas-Schrein, der in der Horror-Fangemeinde heute noch zurecht bejubelt wird, bot eine Mischung aus lovecraft’scher Phantastik und Krimi, die beiden ebenfalls im Festa Verlag erschienen Romane um den Privatermittler Peter Hogart waren dann bereits lupenreine Psychothriller. Über verschiedene Anthologien verstreut erschienen in den letzten Jahren immer wieder Horrorstorys und 2011 auch eine neue Storysammlung bei Shayol, aber für den Romansektor scheint sich Andreas Gruber auf Thriller und Krimi festgelegt zu haben.

TodesfristNach Rachesommer ist Todesfrist der zweite Roman, der zunächst im Hardcover beim Bertelsmann-Club und später bei Goldmann als Taschenbuch herauskam. Und dieser zweite ist das, was man gemeinhin einen Pageturner nennt. Nicht, weil er das Serienmördergenre neu erfindet, sondern weil Gruber eine stimmige und gleichzeitig packende Geschichte erzählt und ein Protagonistenensemble zusammengestellt hat, das unterschiedlicher kaum sein kann und gerade deswegen nie Langeweile aufkommen lässt. Für mich als Laien wirkt alles, von der Polizeiarbeit bis hin zur Psychotherapie, sehr gut recherchiert. Auf Unglaubwürdigkeiten oder Ungereimtheiten, die einem schon mal die Thrillerspannung vermiesen können, bin ich nicht gestoßen.

Das Muster für die Morde findet sich relativ schnell: Die Taten sind dem Kinderbuch Struwwelpeter nachempfunden – wer das Buch kennt, kann sich ausmalen, dass durchaus harter Tobak auf den Leser zukommt. Gruber überzieht jedoch nicht, wobei es einige Szenen gibt, die einen schon mal schlucken lassen. Eine Polizistin ist von dem Fall hautnah betroffen, überdies erhält die Ermittlungsarbeit durch den Zeitdruck, den der Mörder in Form von Rätseln vorgibt, zusätzliche Brisanz. Ein hinzugezogener BKA-Analytiker erweist sich als arrogantes Ekel, das später zeigen kann, dass es durchaus auch Feingefühl besitzt. Seine Erfahrungen sind jedenfalls Gold wert, als sich die Ermittlungen zu einer Schnitzeljagd durch verschiedene Großstädte in Deutschland und Österreich ausweiten. Den Showdown treibt Gruber dann im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze.

Auf dem Buchrücken ist von einem „faszinierenden, hochspannenden Thriller“ die Rede. Man kennt ja die Coversprüche, die man nicht unbedingt immer ernst nehmen darf – hier passt es.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s