Live-Story (2)

Weiter geht’s mit der Story für Halloween 2013.

Die Namen hab ich inzwischen geändert. Bei Halloween dachte ich zuerst an einen amerikanischen Schauplatz – aber warum eigentlich? Halloween wird längst auch hierzulande gefeiert (oder sollte man sagen begangen?), außerdem hab ich die Zeiten, in denen ich meine Geschichten fast automatisch in den USA habe spielen lassen (und somit Autorenvorbildern wie King oder Bradbury nachgeeifert habe) schon lange hinter mir gelassen. Zudem kann ich ja die durchaus unterschiedlichen Auffassungen über dieses Heidenfest (direkt vor Allerheiligen!!) in die Geschichte einfließen lassen.

Was die Namensgebung betrifft: Sowohl die Vor- als auch die Nachnamen wähle ich aus dem Bauch heraus aus. Und falls mir mal nichts Griffiges einfällt, dann hilft Googeln weiter – bei solchen Listen hat man dann allerdings auch die Qual der Wahl. Die Namen, die ich für die Halloween-Geschichte ausgewählt habe, werden sowohl im deutschen als auch im englischen Sprachraum verwendet, also bleibt die Option offen, den Schauplatz wieder zu ändern, ohne die Namen nochmal auszutauschen, falls mir danach ist.

Hier also nun der geänderte Anfang plus der Textteil, den ich heute geschrieben habe (bislang sind es 4 Standardseiten):

Livestory2013

Vorfreude ist die schönste Freude. Solange sie währt. Für Hannah verpuffte sie in dem Augenblick, in dem ihr dieser süßliche Duft in die Nase stieg.

»Der Kürbis stinkt!«, rief sie aus. Damit traf der jüngste Spross der Familie Brenner den Nagel auf den Kopf: Das Innenleben dieses Kürbisses roch tatsächlich eigenartig. Irgendwie faulig, obwohl das Fleisch und die Kerne tadellos aussahen.

»Na ja«, entgegnete ihr Vater, »so ein Kürbis müffelt halt ein bisschen streng. Ich würde nicht sagen, dass er stinkt

»Letztes Jahr haben die Kürbisse aber anders gestunken!«, widersprach Hannah.

»Das ist die Hirnmasse dieses Kürbismannes«, warf ihr großer Bruder ein. »Wenn man dir die Rübe abhacken und deinen Kopf ein paar Tage liegen lassen würde, dann würde dein Gehirn auch stinken.«

»Falls da überhaupt eins drin ist«, ergänzte Dennis und tippte Hannah mit dem Zeigefinger an die Schläfe.

»Frank! Dennis!« Frau Brenner warf den beiden strafende Blicke zu. »Müsst ihr eure Schwester immer ärgern? Ihr macht Hannah Angst!«

»Aber es ist doch Halloween, da gehört das dazu.« Frank zuckte die Achseln.

»Ja, und dann kann sie wieder die halbe Nacht nicht schlafen! Sie ist erst acht Jahre alt. Ihr verderbt ihr den ganzen Spaß an Halloween.«

»Ich hab keine Angst!«, protestierte Hannah und kräuselte die Stirn. »Ich bin ein Geist, und ich erschrecke die anderen!«

»Erst heute Abend, Spatz.« Herr Brenner zwinkerte ihr zu.

»Aber nicht zu lange«, sagte Frank. »Heute ist Samstag, und ich will noch auf Geralds Party.«

»Aber nicht zu lange«, warnte Frau Brenner, »du bist erst siebzehn. Um Mitternacht bist du zu Hause.«

»Och Mann!«, maulte Frank und schaute seinen Vater an. »Du hast versprochen, dass ich bis zwei wegbleiben darf, wenn ich Dennis und Hannah auf ihrer Gespenstertour begleite. Rolf und Christoph können wegbleiben, so lange sie wollen. Bei so ’ner Party geht’s doch um elf erst richtig los!«

»Stimmt das?«, fragte Frau Brenner mit einem prüfenden Seitenblick. »Hast du ihm Ausgang bis zwei gegeben, obwohl wir was anderes ausgemacht hatten?«

»Ja«, räumte Herr Brenner ein. »Frank wird im Frühjahr volljährig, wir können ihn nicht mehr anbinden wie Dennis.«

»Ich bin auch zu alt fürs Anbinden«, sagte Dennis.

»Steinalt, du Ärmster, ich weiß«, seufzte Frau Brenner. »Mit deinen gerade mal elf Jahren …«

»Was ist denn das?«, fragte Hannah dazwischen und lenkte die Blicke wieder auf den Kürbis.

Aus dem Loch, wo Frau Brenner mit dem Löffel das Fleisch herausgepuhlt hatte, kroch eine Made. Oder irgendein Viech, das einer Made ähnlich sah. Es besaß einen orangefarbenen Körper und wäre gar nicht aufgefallen, wenn es nicht den Kopf aus dem Kürbis herausgesteckt hätte. Fast erschien es so, als würde es sich umschauen und die Familie, die um den Küchentisch herum saß, mit seinem Blick studieren.

Niemand sagte etwas. Dennis und Frankl standen die Münder offen. Frau Brenner schluckte und sah erst ihren Mann, dann die beiden noch unversehrten Riesenkürbisse an, die neben dem lagen, von dem Herr Brenner den Deckel abgeschnitten hatte.

»Wo hast du denn die Kürbisse gekauft?«, fragte sie mit angewidertem Gesichtsausdruck.

»Auf … auf dem Markt«, antwortete Herr Brenner, »von einem fahrenden Händler. Er hatte die beste Auswahl, außerdem hat er als einziger keine Wucherpreise verlangt.«

»Wieso nicht beim Bauern?«

»Der wollte zehn Euro für seine mickrigen, verschrumpelten Dinger!«

Frau Brenner funkelte ihren Mann an. »Die sind wenigstens im Bioanbau gewachsen, ohne die ganze Chemie und diesen Sch…« Im letzten Moment vermied sie das Wort, das sie Dennis und Frank immer verbot.

»He!«, rief Dennis. »Das Vieh kriecht da raus!«

Tatsächlich war die Made über den Schalenrand geschlüpft und kroch jetzt seitlich herunter. Sie war ungefähr vier Zentimeter lang und bewegte sich blitzschnell. Ehe die Brenners reagieren konnten, rutschte das Biest von der Tischkante auf Franks Schoß. Er sprang erschrocken auf und warf dabei den Stuhl um.

Hannah stieß einen spitzen Schrei aus, während Frank über seine Jeans strich und nach der Made suchte.

»Wo ist es hin?«, fragte Frau Brenner.

»Keine Ahnung!«, stieß Frank aus und wischte übers eine Hüfte und das Gesäß. »Scheint weg zu sein.«

»Dann sucht es! Ich will kein Ungeziefer in meiner Küche haben.« Mit einem stechenden Blick forderte sie ihren Mann auf: »Und du nimmst die Kürbisse und schmeißt sie draußen in die Tonne!«

Herr Brenner hob abwehrend die Hände. »Ist ja schon gut. Für eine Halloweendeko sind wir sowieso recht spät dran. Die ganze Arbeit nur für einen Abend – ist vielleicht ein bisschen übertrieben.«

»Übertrieben?«, giftete Frau Brenner ihn an. »Es ging mir nicht um die Arbeit, sondern darum, dass wir als Familie etwas gemeinsam machen, kapierst du das nicht?«

»Schon gut!«, entgegnete er und zügelte im nächsten Moment sein Temperament. »Verzeih, war nicht so gemeint. Nächstes Jahr kümmere ich mich früher um die Kürbisse und kaufe sie bei Bauer Leibold, versprochen.«

Hannah war es schließlich, die die Situation entspannte. »Darf ich jetzt dann wenigstens mein Gespensterkostüm anziehen?«

Livestory2013

Als die Dämmerung über Hormsthal hereinbrach, kam Leben in die Neubausiedlung. Hier wohnten überwiegend jüngere Familien, die dem Halloweenfest im Gegensatz du den Alteingesessenen etwas abgewinnen konnten. In den Vorgärten – mit Ausnahme dem der Brenners – standen Dekokürbisse in allen Größen, und aus manchen leuchtete eine unheilvoll flackernde Kerze.

© Christian Weis

Livestory2013

So, das war’s für den Vormittag – jetzt warten erst mal andere Arbeiten …

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