Der Kinderdieb

Hinter dem Künstlernamen BROM verbirgt sich Gerald Brom, ein US-amerikanischer Illustrator und Autor. Als Konzeptartist arbeitete er an Filmen wie Sleepy Hollow, Van Helsing und Galaxy Quest oder Computerspielen wie Dungeons & Dragons und Diablo II mit. Sein Name wird aber wohl vor allem mit dem Roman Der Kinderdieb verbunden, den er nicht nur verfasst, sondern auch illustriert hat – zumindest ist BROM mir bisher nur in diesem Zusammenhang aufgefallen.

Der KinderdiebPeter Pan einmal ganz anders – das war der Ansatz, den BROM verfolgte, als er seinen Roman schrieb. Heraus kam eine Fantasy-Horror-Variante der Kinderbuchfigur von James Matthew Barrie. Dieser Peter nimmt sich ausgerissener oder obdachloser Kinder an und bringt sie nach Avalon, wo sie in den Clan der Teufel aufgenommen werden, wenn sie sich bewähren. Die Parallelwelt Avalon, die vor New York auf einer für Menschen durch Magie nicht sichtbaren Insel liegt, wird von Elfen und Feenwesen, von Trollen und mutierten Menschen bevölkert, die sich untereinander bekämpfen und dem jeweils anderen den mystischen Lebensraum streitig machen. Peter fungiert einerseits quasi als Nachwuchsscout, andererseits als Lehrmeister für den Clan der Teufel. Hierbei handelt es sich keineswegs um einen Kindergarten, denn die Teufel werden vor allem in der Kampfkunst unterrichtet – mit Kurzschwert und Speer können sie meisterlich umgehen, und sie benutzen die Waffen nicht, um sich die schmutzigen Fingernägel zu säubern … So scheinen die Horrorelemente immer wieder durch; die magisch aufgeladene Umgebung hat aus einigen Bewohnern Avalons Psychopathen gemacht, und Blut fließt nicht zu knapp.

In den Passagen, in denen es um das Kampftraining der Teufel und ihre Rituale geht, hat mich Der Kinderdieb an Das große Spiel von Orson Scott Card und Herr der Fliegen von William Golding erinnert. Andere Passagen sind märchenhaft-fantasylastig, Magie spielt in vielen Belangen eine wichtige Rolle. Da ich kein ausgesprochener Fantasyfan bin, haben mit die Szenen im Camp des Teufelsclans besser gefallen als die fantasybetonten Romankapitel. Alles in allem ist die Mischung aber sowohl für Fantasy- als auch für Horrorfans lesenswert – nur sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, dass dies beileibe kein Kinderbuch ist und immer wieder drastische Szenen eingestreut sind.

Jedem Kapitel ist eine Illustration vorangestellt, außerdem gibt es in der Buchmitte Farbtafeln mit allen Hauptfiguren. BROM hat alles selbst gezeichnet und seinem Buch damit eine augenschmaustolle Gestaltung verpasst. Die Übersetzung von Jakob Schmidt liest sich sehr gut, er hat die Mischung aus fantasy-märchenhaft und realistisch geprägter Sprache toll hinbekommen: Genau dieser Mix aus verklärter, kindergeschichtenmäßiger Peter-Pan-Story und drastischer, realistischer Kinderentführungsgeschichte macht den Reiz des Romans aus.

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