Wiederentdeckt

Jeder, der gerne liest, hat wohl an bestimmte Bücher aus seiner Kindheit eine ganz besondere Erinnerung. Vor allem an jene Lieblingsbücher, die man immer wieder verschlungen hat. Bei mir waren das unter anderem die Jules-Verne-Klassiker Reise zum Mittelpunkt der Erde und 20.000 Meilen unter dem Meer, außerdem Die Schatzinsel und Robin Hood, also vor allem Abenteuerstoffe, teils mit phantastischem Einschlag. Zu all diesen Büchern hatte ich vorher Verfilmungen gesehen; im Alter von acht bis zehn oder zwölf waren es in erster Linie Filme, die mich beeindruckten. Vermutlich hab ich deshalb diese Bücher auch von meinen Eltern geschenkt bekommen (nachträglich nochmal besten Dank dafür!!) – eben weil mir die Verfilmungen so gut gefallen hatten. Ein Buch, das meines Wissens nicht verfilmt wurde, nahm damals aber eine Sonderstellung ein. Es dürfte wohl mein meistgelesenes Buch überhaupt sein: Verschwörung in der Blockhütte von Edmund Sabott.

Verschwörung in der BlockhütteEs ist ein typisches Jugendbuch, speziell für Jungen ab zehn Jahren geschrieben (zumindest steht es so im Roman vorne drin). Meine Hardcoverausgabe aus dem Hannoveraner Neue-Jugendschriften-Verlag stammt von 1975. Tja, das waren noch Zeiten, als man von Internet und Handys noch nicht einmal träumte (oder höchstens in SF-Romanen). Man konnte sich schon von-und-zu schreiben, wenn man ein Telefon und einen Farbfernseher im Haus hatte. Abenteuerstoffe haben mich, wie eingangs erwähnt, in diesem Alter am meisten interessiert, und Abenteuer bietet Verschwörung in der Blockhütte reichlich. Eine Gruppe Jugendlicher verbringt die Sommerferien bei Verwandten in einem kleinen Städtchen und darf in dieser Zeit in einer Blockhütte am See wohnen. Unter den ortsansässigen Jugendlichen gibt es Reibereien, die vor allem dem Chef und seiner Bande zu verdanken sind, die einen Geheimbund gegründet haben und Totenkopfabzeichen tragen. Nachrichten verbreiten sie in Geheimschrift mittels toter Briefkästen. Das alles fand ich damals ziemlich aufregend, zumal ich von Geheimcodes und Dechiffrierung bis dato keine Ahnung hatte.

Das Buch ist eines der wenigen aus dieser Zeit, das äußerlich noch recht gut erhalten ist, obwohl ich es innerhalb weniger Jahre mindestens drei oder viermal gelesen habe – entgegen meiner sonstigen damaligen Gepflogenheiten hab ich wohl auf dieses Juwel, das zahlreiche Illustrationen beinhaltet, besonders achtgegeben. Als ich vor einigen Tagen anfing, ein wenig darin herumzuschmökern, bin ich doch tatsächlich hängengeblieben und hab es nun, nach über 30 Jahren, erneut gelesen. Ich konnte die Faszination recht schnell wieder nachempfinden, die es damals auf mich ausgeübt hat. Tja, wie gesagt, das waren noch Zeiten …

Hm, wiederzuentdecken gibt es in meinen Regalen so einiges … Seit Jahren pflücke ich immer wieder Bücher heraus und lege sie auf einen meiner Lesestapel, um sie irgendwann wieder einzusortieren, weil ich so viele neue Bücher herumliegen habe, denen ich dann doch den Vorzug gebe. Mehrfach gelesen habe ich im Erwachsenenalter nur sehr wenige Bücher. Es und Shining von Stephen King, Sommer der Nacht von Dan Simmons und Unschuld und Unheil von Robert R. McCammon sind da beispielsweise darunter, auch Simmons’ Hyperion und Blattys Der Exorzist. Und natürlich Blumen für Algernon von Daniel Keyes, das ich bisher dreimal gelesen habe und das ich wohl als meinen Lieblingsroman unter den Erwachsenenbüchern bezeichnen kann.

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