Wiederentdeckt: Blumen für Algernon

Blumen für AlgernonIm letzten Blogeintrag hab ich Blumen für Algernon von Daniel Keyes als mein Lieblingsbuch bezeichnet. Ein ganz bestimmtes Lieblingsbuch, das alle anderen weit überragt, hab ich eigentlich nicht. Wenn ich darüber nachdenke, welche Bücher mir ausnehmend gut gefallen haben, wird die Liste lang und länger (es gibt erfreulicherweise viele, die aus dem guten Durchschnitt deutlich herausragen). Ich hab meine Aussage vor allem daran festgemacht, dass Blumen für Algernon das einzige Nicht-Jugendbuch ist, das ich bisher dreimal gelesen habe (zuletzt in diesem Frühjahr). Es hat nach dem ersten Lesen vielleicht den bleibendsten Eindruck von allen Büchern hinterlassen, insofern nimmt es bei mir eine besondere Stellung ein.

Charlie Gordons Intelligenz ist in den Kinderschuhen steckengeblieben. Durch ein wissenschaftliches Experiment wird sein IQ drastisch erhöht. Jetzt sieht er die Welt mit ganz anderen Augen, versteht plötzlich Dinge und Zusammenhänge und kann sie nicht mehr kindlich-naiv und unproblematisch betrachten wie vorher. Seine Intelligenz ist nicht nur Segen, sondern auch Fluch; vor allem, weil er nicht die Zeit hatte, um zu lernen, richtig damit umzugehen. Und dann muss er auch noch mitansehen, wie es der Maus Algernon, an der das Experiment vor dem Versuch am Menschen ausprobiert wurde, zusehends schlechter geht und sie ihre neu gewonnene Intelligenz wieder verliert. Charlies Weg scheint vorgezeichnet.

CharlyDie Geschichte selbst berührt einen schon tief im Innersten (wie ich es sonst wohl nur bei Mein linker Fuß von Christy Brown erlebt habe, und das ist keine frei erfundene Geschichte), doch wie Daniel Keyes sie stilistisch umgesetzt hat – an Charlies Tagebucheinträgen kann man seine rasante Entwicklung hautnah miterleben – ist schlichtweg grandios. Zunächst war Blumen für Algernon lediglich eine Shortstory, die 1959 im MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION veröffentlicht wurde und sowohl den Hugo- als auch den Nebula-Award gewann. Keyes baute sie in den Folgejahren zum Roman aus, der schließlich nach längerer Verlagssuche (die zunächst angegangenen Verlage wollten unbedingt ein Happy End – ein Problem, das Keyes bereits vor der Veröffntlichung der Shortstory hatte) im Jahre 1966 – meinem Geburtsjahr – erschien und ebenfalls mit dem Nebula ausgezeichnet wurde. Die erste Verfilmung folgte kurz darauf. In der Reihe Heyne SF & Fantasy kam der Roman 1970 unter dem Titel Charly heraus, Klett-Cotta veröffentlichte ihn 2006 in einer schönen Hardcoverausgabe neu.

Die Frage am Ende der Wells-Verfilmung von Die Zeitmaschine, welche Bücher man auf eine Reise in die ferne Zukunft mitnehmen würde, wenn man sich für drei Titel entscheiden müsste, könnte ich nur sehr schwer beantworten. Blumen für Algernon käme auf jeden Fall in die engere Auswahl.

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