Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger

Life of PiBei der diesjährigen Oscarverleihung war Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger einer der Abräumer: 11 mal nominiert, 4 Oscars gewonnen (unter anderem Regisseur Ang Lee). Als bester Film wurde er aber nicht ausgezeichnet, sondern Argo. Nichts gegen Argo; Ben Affleck hat gute Arbeit geleistet und einen sehenswerten Film abgeliefert. Aber hätte Argo nicht die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran und die Befreiung einiger Botschaftsangehöriger zum Thema und somit nicht den dicken Patriotismusbonus auf der Habenseite, dann hätte eine Nominierung allemal ausgereicht und Life of Pi wäre ein noch würdigerer Gewinner gewesen. Sei’s drum.

Gestern hab ich mir Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger auf DVD angesehen und war rundweg begeistert. Da überlegt man angesichts von Remakewellen, Storyklonen und Filmserien mit x Fortsetzungen, ob denn nun schon alle Geschichten erzählt sind und man bestenfalls mit Variationen in den Wiederholungen rechnen kann, und dann wird man auf eindrucksvolle Weise eines Besseren belehrt. Hurrrra!

Der Inder Piscine verpasst sich selbst den Namen Pi – wer möchte schon Schwimmbad (auf Französisch) heißen und von seinen Mitschülern Pisser genannt werden? Als der Zoo, den sein Vater als Direktor führt, schließen muss, wandert die gesamte Familie inklusive aller Tiere, die in Übersee verkauft werden sollen, nach Kanada aus. Dort kommen sie aber nicht an, denn das Frachtschiff gerät in einen schlimmen Sturm und sinkt. Pi überlebt als Einziger in einem Rettungsboot – zusammen mit einem Zebra, einem Orang-Utan und einer Hyäne. Die Hyäne tötet das Zebra und den Orang-Utan und will auch über Pi herfallen, doch da springt plötzlich Richard Parker unter der Schutzplane hervor und macht der Hyäne den Garaus. Richard Parker ist kein Mensch, sondern ein ausgewachsener bengalischer Tiger. Der Hauptteil des Films behandelt nun, wie Pi und die Raubkatze auf dem Meer im Rettungsboot treiben. Der Tiger ist weder zahm noch dressiert. Pi muss alle Tricks und Kniffe aufwenden, die ihm einfallen, um nicht von Richard Parker gefressen zu werden und ihm irgendwie beizubringen, dass sie nur gemeinsam überleben können. Klingt hanebüchen oder vielleicht gar langweilig? Weit gefehlt! Wie Ang Lee diesen Überlebenskampf umgesetzt hat, ist schlichtweg genial. Der Begriff Großes Kino wird ja mitunter etwas inflationär eingesetzt – hier trifft er mitten ins Schwarze wie einst Robin Hood, der den Pfeil gespalten hat. Die zwei Stunden vergehen viel zu schnell, und am Schluss erwartet den Zuschauer dann noch eine faustdicke Überraschung.

Der preisgekrönte Bestseller-Roman des Kanadiers Yann Martel von 2001 galt als schwer oder gar unverfilmbar, doch Ang Lee hat das – auch dank CGI – exzellent gemeistert. Er hat die Geschichte sehr anrührend erzählt und optisch grandios umgesetzt, in manchen Szenen erinnert die Farbenpracht fast an Avatar. Ich ärgere mich nur, dass ich mir den Film nicht auf der Riesenleinwand im Kino angesehen habe, denn wenn man den zum Teil überschwänglichen Kritiken glauben kann (beispielsweise bei stern.de oder spiegel.de), dann bietet Life of Pi die bislang beste Umsetzung eines Films in 3D, die dem Kinopublikum jemals geboten wurde. Wie dem auch sei: Unbedingt anschauen, notfalls auch auf DVD! Für mich neben The Dark Knight und Inception der beste Film der letzten Jahre.

Hat zufällig jemand den Film gesehen und den Roman gelesen? Lohnt es sich, das Buch noch zu lesen, nachdem man die Verfilmung gesehen hat?

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