Sherlock Holmes und die Legende von Greystoke

Sherlock Holmes GreystokePhilip José Farmer war mir bisher vor allem durch seinen Flusswelt-Zyklus bekannt, einer SF-Abenteuergeschichte, in der Menschen aus unterschiedlichen Epochen zur selben Zeit in einer seltsamen Welt entlang eines Flusses wiedererweckt werden (wer die fünf Romane noch nicht kennt: sie wurden bei Piper nebst einiger Novellen vor wenigen Jahren neu aufgelegt – unbedingt lesen!). Farmer scheint für solche Stoffe und Genremixturen ein Händchen gehabt zu haben (er verstarb 2009). In Sherlock Holmes und die Legende von Greystoke hat er den Meisterdetektiv und Tarzan zusammengeführt und den Kurzroman aus Sicht von Dr. Watson verfasst, wobei er den Stil von Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle einerseits imitiert, andererseits seinem Hang zu Übertreibungen und humorigen Einlagen freien Lauf gelassen hat. Dem Atlantis Verlag ist es zu verdanken, dass die spritzig geschriebene Geschichte nun auf Deutsch erschienen ist. Die Covergestaltung hat wieder einmal Timo Kümmel übernommen.

Holmes und Watson reisen 1916 im Auftrag der britischen Regierung nach Afrika, um den legendenumwobenen Lord Greystoke aufzustöbern. Dabei wird ihr Flugzeug in einen Luftkampf mit deutschen Jagdmaschinen verstrickt, den sie nur mit Müh und Not (und sterbensluftkrank) überleben. Auf abenteuerlichen Umwegen gelangen sie per Luftschiff schließlich ins Herz Afrikas und decken dort auf, was es tatsächlich mit dem Affenmenschen und seiner adeligen Abstammung auf sich hat.

Einen gewissen Trashfaktor muss man akzeptieren können (oder gut finden), um den Kurzroman zu genießen. Farmer würdigt mit seiner Pastiche das Werk von Sir Arthur Conan Doyle und Edgar Rice Burroughs; gleichzeitig geht er mit ihren bzw. „seinen“ Helden ziemlich respektlos um und zeigt Facetten und Hintergründe, die aus den legendären Figuren Menschen aus Fleisch und Blut machen. Wann begegnet man schon mal einem luftkranken Sherlock Holmes, der sich die Innereien aus dem Leib und seinem Partner Dr. Watson direkt auf den englischen Tweedanzug kotzt? Gelegentlich schrammt Farmer nur knapp am Slapstick vorbei, aber alles in allem passt diese Mischung aus Detektiv- und Abenteuergeschichte. Wer seinen Spaß an den beiden Sherlock-Holmes-Filmen mit Robert Downey jr. hatte, dürfte auch mit diesem Kurzroman richtig liegen. Nette, unterhaltsame Lektüre für zwischendurch (vor allem, wenn’s über 30 Grad heiß ist).

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