Drive-In

Drive-InDass Joe R. Lansdale zu meinen Lieblingsautoren gehört, hab ich hier schon mehrfach erwähnt. In den letzten Jahren hab ich mir Zug um Zug viele seiner älteren Werke besorgt und zuletzt seinen B-Movie-Roman Drive-In gelesen, der 1997 bei Pulp Master erschienen ist. Als B-Movie mit Blut und Popcorn, made in Texas hat er ihn selbst bezeichnet, und genau das ist er auch. Lansdale spendiert hier eine rasante Achterbahnfahrt für Freunde von abgedrehten Pulpstorys.

Ein paar texanische Jungs verbringen ihre Wochenendnächte gern im Orbit, einem riesigen Autokino mit sechs Leinwänden, Gastronomieeinrichtungen und Platz für bis zu 4000 Autos. Eines Freitagabends stürzt eine kometenhafte Erscheinung die Jungs und alle anderen Besucher ins Chaos. Plötzlich ist das Kinoareal von der Außenwelt abgeschnitten, ringsum wabert eine undurchdringliche, dunkle Masse. Es gibt keine Verbindung zum Rest der Welt. Nach dem ersten Schock ergeben sich die meisten Besucher in ihr Schicksal, schauen weiter Filme an und essen Popcorn, um sich irgendwie zu beschäftigen. Man wartet auf Hilfe von außen. Als diese aber nicht kommt und absehbar wird, dass die Vorräte zur Neige gehen, werden viele nervös, manche ausfallend. Und das ist erst der Anfang.

Lansdale schildert das Abdriften der Leute in den Wahnsinn mal mit einem Augenzwinkern und mal so, dass man als Leser schlucken muss. Die Situation wird immer absurder, und wenn man sich überlegt, was Menschen – bzw. Texaner – so alles im Kofferraum ihrer Autos, Pick-ups usw. mitschleppen, kann man sich vorstellen, was Motorradrocker und Waffennarren anrichten, wenn alle Hemmungen und Schranken fallen und das Chaos gierig um sich greift. Zum Ende hin wird das Ganze immer kurioser, frei nach dem Motto: Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Bei all dem muss man sich immer vor Augen halten, dass dies eine Hommage an B-Movie-Kinos und letztlich ein B-Movie in Prosa ist – und was für eins! Wer die abgedrehten Geschichten aus Stephen Kings frühen Storysammlungen wie etwa Nachtschicht oder Filme wie From Dusk Till Dawn mag, kann auch hieran seine helle Freude haben, zumal sich die Übersetzung von Dietmar Dath sehr fluffig liest.

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