Die letzten Tage der Ewigkeit

Die letzten Tage der EwigkeitWenn man die Nominierungslisten der SF-Genrepreise für die beste deutschsprachige Kurzgeschichte durchsieht, taucht sein Name regelmäßig auf. Und nicht nur das, Michael K. Iwoleit wurde mit dem Deutschen Science Fiction Preis und dem Kurd Laßwitz Preis auch mehrfach ausgezeichnet. 2012 erschien im Wurdack Verlag mit Die letzten Tage der Ewigkeit eine Auswahl seiner besten Erzählungen. Bekannt geworden ist MKI nicht nur als Autor, sondern auch als Übersetzer und Mitherausgeber des SF-Magazins NOVA.

In den letzten Monaten hab ich die Storys nach und nach (wieder)gelesen, angefangen mit Zur Feier meines Todes, der einzigen Neuveröffentlichung der Sammlung. Die anderen Geschichten sind im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte in verschiedenen Anthologien und Magazinen erschienen. Zur Feier meines Todes wurde kürzlich mit dem Deutschen Science Fiction Preis als beste Kurzgeschichte prämiert (wobei es für meinen Geschmack mit geschätzt über 100 Standardmanuskriptseiten eher ein Kurzroman ist, aber beim DSFP gibt es nur die Kategorien Kurzgeschichte und Roman, die jeweils mit 1000 Euro dotiert sind). Glückwunsch zum 1. Platz!

Iwoleits Erzählungen zeichnen sich durch einen ausgefeilten Stil und eine immer wieder beeindruckende Detailfülle in seinen Zukunftsentwürfen aus, die dadurch sehr plastisch und miterlebbar werden. Das gilt auch für Zur Feier meines Todes, wo der Leser in Person des Protagonisten Ask auf den Spuren des steinalten Gavril wandelt, der nahezu alle technischen und medizinischen Möglichkeiten seiner Zeit genutzt hat, um sein Leben zu verlängern und seine Körperfunktionen zu optimieren. Dass er dabei mehr und mehr das verloren hat, was er eigentlich konservieren wollte, nämlich sein Menschsein, ist ihm erst sehr spät aufgegangen. Die Überwindung von Barrieren in Technik und Medizin sowie die Aufhebung zeitlicher Beschränkungen finden immer wieder Eingang in Iwoleits Geschichten – mit all ihren Auswirkungen, positive wie negative. Dabei entwirft er ein plausibles Abbild einer möglichen Zukunft, die im Falle von Zur Feier meines Todes in weiter Ferne liegt oder sich bei Ich fürchte kein Unglück, einer erweiterten Fassung seiner in NOVA erschienen preisgekrönten Novelle, fast unmittelbar unserer Gegenwart anschließt. Es lohnt sich allemal, sich auf diese Zukunftsentwürfe einzulassen – je nach Sichtweise des Betrachters können sie erschrecken oder auch ermutigen. Auf jeden Fall haben sie das Zeug dazu, den Leser in Erstaunen zu versetzen. SF at it’s best also.

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