Black*Out, Hide*Out & Time*Out

BlackoutAndreas Eschbach hat fast ebenso viele Jugend- wie Erwachsenenromane veröffentlicht, allesamt im Würzburger Arena Verlag. Das Marsprojekt mit seinen fünf Romanen kenne ich bisher noch nicht. Bei der Out-Trilogie, bestehend aus Black*Out, Hide*Out und Time*Out, hab ich das Lesen jetzt mit dem letzten Buch abgeschlossen und fühle mich gut unterhalten. Jugendromane schieb ich immer mal wieder in mein Leseprogramm ein – Voraussetzung dafür ist nur, dass es keine reinen Herz-Schmerz-Geschichten sind. Von Harry Potter hab ich beispielsweise alle Bücher gelesen, bei Thomas Thiemeyers Chroniken der Weltensucher fehlt mir nur noch der letzte Band.

In der Trilogie um Christopher Kidd, dessen Spitzname Computer Kid schon grob verrät, worum es geht, behandelt Eschbach einige negative Seiten der modernen computerdominierten Informationsgesellschaft. Dabei ist seine Schreckensvision von einer Kohärenz, also einer permanent vernetzten und dadurch gleichgeschalteten Gemeinschaft von Menschen, die keine Individualität mehr besitzen, von manchen Auswüchsen unserer modernen Zeit gar nicht so weit weg. HideoutDer Leser begleitet Christopher und eine Handvoll Widerstandsleistender über drei Romane hinweg bei ihrem Kampf gegen die immer größer werdende Zahl von Upgradern, also von Menschen, die mittels eines Chips im Kopf der Kohärenz einverleibt wurden und seitdem alles dafür tun, die gesamte Menschheit zu unterjochen. Dabei werden jugendspezifische Themen wie erste Liebe, Schwärmereien und Eifersüchtelein nicht ausgespart, aber die gehören nun mal dazu, wenn man jugendliche Leser (und die sind zum Großteil weiblich) ansprechen möchte. Eschbach steigt tiefer in technische Details ein, als ich es hier erwartet hätte, aber wer PC, Handy oder Smartphone nutzt, wird keine Probleme haben, der Geschichte zu folgen – und in der vorrangigen Zielgruppe dürfte es mittlerweile eine krasse Minderheit sein, die nicht mit diesem Technik-Know-how aufwächst.

Manchmal hab ich mich zwischendurch gefragt, ob es der Kohärenz nicht zu leicht fällt, sich Menschen massenhaft einzuverleiben. Denn die Möglichkeit, permanent mit anderen in Kontakt zu stehen birgt auch die Gefahr, die eigene Privatsphäre völlig aufzugeben – und wer kann das schon ernsthaft wollen? Aber da darf ich mich Berufsskeptiker wohl nicht zum Maßstab nehmen, denn viele nutzen neue Technologien, ohne auch nur eine Sekunde lang über deren mögliche negative Seiten nachzudenken.Timeout Wäre es nicht schön, wenn man ohne Handy oder Laptop mobil miteinander kommunizieren könnte, einfach durch chipgesteuerte Gedankenübertragung? In der Fußgängerzone laufen ja heute schon mehr Leute mit dem Handy am Ohr herum als solche, die mit ihrem Begleiter sprechen. Außerdem bräuchte man dann keine teuren Geräte mehr, die nach ein oder zwei Jahren schon wieder technisch überholt oder designtechnisch out wären – feine Sache! Würden sich nicht viele Menschen bedenkenlos in ein solches Netz freiwillig einklinken und gar nicht merken, dass sie in der Falle sitzen? Doch, vermutlich schon – schließlich will man ja nicht von gestern sein und darf keinen Trend verpassen. Über Datenspuren, die man im Internet hinterlässt, über permanente Überwachung durch Amazon, Google oder NSA macht sich ja auch kaum einer Gedanken; oder vielleicht besser: kaum einer kann oder will absehen, wozu das führen kann. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man öffentliche Debatten über Daten-Spähaffären und fleischlose Kantinengerichte miteinander vergleicht (Staatlich verordneter Datenstriptease? Null problemo! Fleischloser Wochentag in der Kantine? Teufelswerk! – ich bin Fleischesser, wohlgemerkt).

Die Kritik an gewissen Entwicklungen ist in den drei Büchern nicht zu übersehen. Wer damit Probleme hat, wird sich beim Lesen vermutlich daran stoßen. Ansonsten aber kann man getrost zugreifen, denn Andreas Eschbach versteht es, seine Themen in spannende Romane zu verpacken. Und etwas für die eigene körperliche Ertüchtigung tut man dabei auch noch – die Hardcover sind nämlich mit Ziegelsteinen oder Hanteln durchaus vergleichbar (gewichtsmäßig, meine ich).

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