Casino Royale & Leben und sterben lassen

Ich hab kürzlich angefangen, Ian Flemings James-Bond-Romane der Reihe nach zu lesen. Bei Cross Cult erscheinen sie dankenswerterweise in ungekürzter Übersetzung mit hübsch aufgemachten, den alten Filmplakaten nachempfundenen Covern – da konnte ich einfach nicht widerstehen. 007-Fan bin ich, seit ich 1977 meinen ersten Bond-Film Der Spion, der mich liebte im Kino gesehen habe. In der Folge hab ich mir damals einige Fleming-Romane gekauft und regelrecht verschlungen, hab sogar versucht, einen eigenen „Bond-Roman“ zu schreiben, was schon allein an der mangelnden Ausdauer kläglich gescheitert ist (im Alter von 11 oder 12 wechseln die Interessen ja ziemlich schnell). Erst sehr viel später hab ich erfahren, dass die dünnen 007-Taschenbüchlein der Scherz-Krimi-Reihe teilweise stark gekürzt waren. Jetzt also bietet sich die Möglichkeit, die Romane in ihren ursprünglichen Versionen inklusive Kapitelüberschriften (die bei Scherz einfach weggelassen wurden) zu lesen. Feine Sache für den Fan und den Büchersammler!

Casino RoyaleFlemings erster 007-Thriller Casino Royale erschien 1953. Die sechzig Jahre, die er auf dem Buckel hat, merkt man ihm natürlich an – schon allein, weil niemand einen PC oder ein Handy benutzt, und natürlich ist der Kalte Krieg sehr viel präsenter als in den späteren, um „Abrüstung“ bemühten Bond-Verfilmungen. Wer den Streifen mit Daniel Craig gesehen hat, kennt die Grundstory um Le Chiffre, Vesper Lynd, CIA-Agent Felix Leiter und das Kartenduell zwischen 007 und Le Chiffre. Auch Bonds Werdegang wird im Film ähnlich geschildert wie im Roman. Der Film wurde allerdings deutlich modernisiert, und aus dem Admiral wurde eine weibliche „M“. Außerdem kamen zusätzliche Handlungsstränge dazu, die für Actionszenen mehr Raum boten als der Roman. Aber im Gegensatz zu vielen neueren 007-Verfilmungen, die kaum mehr als den Titel mit der Originalgeschichte gemeinsam haben, ist Flemings Handschrift hier deutlich erkennbar – auch, was die Charakterisierung Bonds angeht, die Craig für meinen Geschmack ziemlich gut trifft. Flemings Romane schildern Bonds Arbeit als Doppelnull-Agent des MI6 teilweise recht detailliert und drastisch, 007 muss einiges ertragen, selbst Folter – auch das kommt im Film sehr gut rüber. Alles in allem war das ein gelungener Einstieg und hat den Grundstein für eine der erfolgreichsten Romanreihen der Welt gelegt. Vieles, was die späteren Bücher und Filme ausmacht, taucht hier erstmals auf, inklusive des Wodka-Martini-Rezepts (Seite 60 oben) und eines der berühmtesten Dialogsätze der Filmgeschichte: „Mein Name ist Bond, James Bond.“ (Seite 59, ganz unten)

Leben und sterben lassenDie 007-Romane kamen damals im Jahresrhythmus heraus, Leben und sterben lassen folgte 1954. Auch hier erkennt man bei der Verfilmung (in der 1973 erstmals Roger Moore den Secret-Service-Agenten mimte) den Roman deutlich wieder. Mr Big und Solitaire, Felix Leiter und eine ganze Reihe anderer Figuren aus dem Buch tauchen im Film auf. Die Grundstory wurde erneut beibehalten und mit allerlei Gimmicks angereichert, die eine Modernisierung des Stoffes und eine ganze Reihe von Actionszenen ermöglichten. Anders als im Film wird Felix Leiter im Buch übel mitgespielt (sein Schicksal aus dem zweiten 007-Roman erfuhr erst sehr viel später in Lizenz zum Töten seine filmische Umsetzung). Auch in diesem Buch muss Bond körperlich sehr viel ertragen, mehr als im Film. Dem Kinopublikum wollte man einen derart ramponierten Helden, der Hautverpflanzungen und dergleichen nötig hatte, wohl nicht zumuten – vor allem zum schnieken Gentleman-Agenten Moore hätte das nicht so recht gepasst. Übrigens fand ich 1977 Roger Moore als 007 toll bzw. cool, auch noch im besten Moore-Bond In tödlicher Mission, aber im Nachhinein betrachtet verkörpern Connery und Craig den Agenten Ihrer Majestät natürlich weit mehr in Flemings Sinn, als Moore oder die anderen Darsteller dies getan haben.

Noch zehn weitere Romane und zwei Kurzgeschichtensammlungen werden folgen – ich bin gespannt.

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