Christmasland & Doctor Sleep

Vater & Sohn sozusagen im Doppelpack – Doctor Sleep von Stephen King und Christmasland von Joe Hill(strom King) erschienen kurz hintereinander, und so hab ich sie auch gelesen. Zunächst den Roman des Sohnemanns, weil der bei Heyne etwas früher herauskam. Und um es gleich vorwegzunehmen: Joe Hill hatte bei mir die Nase in doppelter Hinsicht vorn, denn ich fand seinen Roman besser als den seines Vaters – lesenswert sind sie beide.

ChristmaslandGanz ehrlich: Wenn über Christmasland der Name Stephen King auf dem Cover stehen würde, hätte ich das dem Verlag vermutlich abgekauft. Sicher gibt es Feinheiten, die beide Autoren unterscheiden, aber eine Verwandtschaft ist ihnen nicht nur vom Gesicht abzulesen. Die Story um ein übersinnlich begabtes Mädchen, das Dinge wiederfinden und einen Kindesentführer aufspüren kann, könnte auch vom Herrn Papa stammen. Ebenso die Entwicklung der Figuren. Etwas ausschweifender als nötig kann (oder mag) auch Joe Hill schreiben, wobei ich hoffe, dass er diese Unart seines Vaters nicht perfektioniert. In punkto Leerlauf habe ich an seinem Roman weniger herumzumäkeln, trotzdem hätte der Roman in leicht kürzerer Form für meinen Geschmack noch fesselnder sein können. Und mit einem anderen, packenderen Schluss hätte er bei mir einen noch bleibenderen Eindruck hinterlassen (irgendwie konnte ich mich mit dem Ende nicht so recht anfreunden). Aber all das ist Jammern auf hohem Niveau: Christmasland hat mir besser gefallen als Hills Teufelszeug und war für mich über weite Strecken ein Pageturner.

Doctor SleepBei Doctor Sleep war möglicherweise meine Erwartungshaltung höher (und vielleicht zu hoch?) – schließlich war der Roman ja als Fortsetzung zu Shining angekündigt, und das wiederum war einer meiner ersten King-Romane überhaupt. Zudem einer meiner Favoriten aus seiner Feder. Aus dem kleinen Danny Torrance wird im Lauf der ersten Hälfte des neuen Romans der erwachsene Dan, der wie sein Vater mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat und die Dämonen, die ihn von Kindheit an verfolgen, nicht loszuwerden scheint. Allerdings hat mich seine Entwicklung nicht so berührt, wie ich es selbst angesichts der King’schen Alkoholismus-Aufarbeitung gedacht hätte. Diese Passage fand ich letztlich zu lang, zumal mir die Figur der ebenfalls übersinnlich begabten Abra besser gefallen hat. Dan und Abra finden zusammen und kämpfen gemeinsam gegen eine Art Sekte, die sich „Der Wahre Knoten“ nennt. Eine Gruppe, die auf mich über weite Strecken zu bieder und nicht wirklich bedrohlich gewirkt hat – jedenfalls nicht bedrohlich in dem Ausmaß, wie es der Spannung gutgetan hätte. So ist es Kings Erzähltalent zu verdanken, dass der Roman trotz einiger zu lang geratener Passagen überwiegend zu unterhalten und teilweise zu fesseln vermag. Auch hier ist der Schluss zwar keine Enttäuschung, aber leider nicht das Sahnehäubchen mit Kirsche obendrauf, das ich mir gewünscht hätte. Unterm Strich bleibt ein ordentlicher bis guter Roman, der mir besser gefallen hat als Kings für meinen Geschmack viel zu lang bzw. dick geratener Ziegelstein Der Anschlag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s