Nichts Böses

Nichts BösesMedusenblut heißt der kleine, aber feine Verlag von Boris Koch, von dem ich inzwischen etliche Bücher im Regal stehen habe: schön aufgemachte Taschenbücher mit Liebe zum Detail, hauptsächlich mit deutschsprachigen Autoren wie Andreas Gruber, Michael Siefener, Michael Tillmann, Christian von Aster und Boris Koch selbst. Ein weiteres kommt jetzt hinzu: Nichts Böses, ein Storyband des Autors und Übersetzers Jakob Schmidt, dessen Erzählungen bislang in Anthologien und Magazinen verstreut erschienen sind. Zum ersten Mal aufgefallen und dadurch auch im Gedächtnis geblieben ist er mir durch eine Horrorstory in PHANTASTISCH! vor etlichen Jahren. Nichts Böses vereint bis auf eine Ausnahme unveröffentlichte Erzählungen, die sich alle mehr oder weniger der Phantastik zuordnen lassen und vielfach Horrorelemente beinhalten, mal dezenter, mal vordergründiger, aber immer stilististisch beeindruckend dargebracht.

Das Phantastische schleicht sich oft mit einer Selbstverständlichkeit in die Geschichten ein, mit einer Lockerheit, die ich im Genre sonst gelegentlich vermisse. Da muss nicht erklärt werden, warum dies oder jenes so ist, es ist einfach so, und es liest sich wie eine Selbstverständlichkeit. So etwa in Stärker als der Tod, in der zu enge Beziehungen Kugelmenschen erschaffen – aus zwei mach eins, aber ganz anders, als man sich dies wünschen kann. Die Geschichten bewegen sich inhaltlich und erzählerisch in einem Bereich, der auf dem Backcover sehr treffend beschrieben ist: Nicht böse – nur hungrig! … Zehn Geschichten von seltsamen, grausamen und entsetzlich lustigen Begebenheiten. Man darf immer wieder Schmunzeln, muss aber auch darauf gefasst sein, dass einem das Lachen im Hals stecken bleiben kann. Mein Favorit ist die eher düster gehaltene Horrorstory Sonnenkinder, die den Leser den Begriff Sonnenhunger mal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten lässt. Und Jakob Schmidt gelingt es sogar, die von mir eher ungeliebte Präsens-Ich-Erzählung so auszufabulieren, dass ich Spaß daran haben kann, etwa in Der gute Hund, in der er eine Schreckensvision von einer Großstadt zeichnet, in der Raubtiere (diesmal nichtmenschliche) das Regiment übernommen haben.

Ein empfehlenswerter Storyband, den auch die gelungenen Illustrationen von Vincristine zu einer Bereicherung für jede Büchersammlung machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s