Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack

Hodder_Springheeled-Jack.inddMark Hodder ist mit Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack ein bemerkenswerter Debütroman gelungen. Ähnlichen Lesespaß hatte ich zuletzt mit Jasper Ffordes Thursday-Next-Reihe oder Chris Woodings Piratenschmökern: sehr unterhaltsames Abenteuergarn gewürzt mit Steampunk-Elementen und schrägen Gimmicks wie etwa sprechenden, nachrichtenübertragenden Sittichen, denen man das Fluchen nicht abgewöhnen kann. Der Autor bedient sich dabei realer historischer Persönlichkeiten aus dem viktorianischen Zeitalter, die er allerdings in einer Alternativwelt agieren lässt, in der Queen Victoria einem Attentat zum Opfer gefallen ist. Die Menschen bewegen sich neben der traditionellen Art zu Pferde auch mit motorgetriebenen Fahrrädern und primitiven Einmannhubschraubern fort. Nicht nur die technische Entwicklung schreitet in dieser alternativen Zeitlinie voran, Wissenschaftler greifen überdies in die Erbanlagen ein und haben dadurch effektivere Nutztiere geschaffen, aber auch Hybridwesen, die Angst und Schrecken verbreiten, denn die Eugeniker beschränken sich nicht auf Zuchtversuche mit Tieren …

Der Afrikaforscher und Abenteurer Richard Francis Burton (den übrigens bereits Philip José Farmer in seinem Flusswelt-Zyklus zur Hauptfigur gemacht hat) erhält von der Regierung einen Sonderstatus als Ermittler und soll die Untaten des Spring Heeled Jack aufklären. Diese hochgewachsene, auf Stelzen laufende mysteriöse Gestalt taucht in England immer wieder auf und treibt ihr Unwesen. Sie überfällt junge Frauen und scheint auch beim Attentat auf die Queen ihre Finger im Spiel gehabt zu haben. Bald keimt in Burton der Verdacht auf, es handele sich bei diesem Jack nicht nur um eine einzige Person, und als Leser beginnt man zu ahnen, was hinter dem Auftauchen dieser auch im realen England des 19. Jahrhunderts beschriebenen Figur steckt.

Gelegentlich übertreibt Hodder ein wenig, zum Beispiel, wenn er Flugunerfahrene nach kurzer Einweisung unfallfrei mit den Rotorstühlen fliegen lässt (wer schon mal versucht hat, einen Modellhubschrauber zu steuern, weiß was ich meine). Oder auch gegen Ende, wenn die Verwicklungen in der Story etwas überhandnehmen und der Handlungsstrang mit der Suche nach dem Mädchen arg breitgewalzt wird. Aber angesichts der knallbunten, erfrischend unterhaltsamen Geschichte verzeihe ich ihm das gern. Seine Figuren haben ihre mitunter schrulligen Eigenheiten, die man auch aus anderen zeitgenössischen viktorianischen Geschichten kennt. Diese Eigenheiten machen den Roman neben der spannenden Story so lesenswert. Der Autor verwebt geschickt Realität und Fiktion zu einem Netz aus Irrungen und Wirrungen, das Lust auf die beiden Nachfolgeromane Der wundersame Fall des Uhrwerkmanns und Auf der Suche nach dem Auge von Naga macht. Bastei Lübbe präsentiert die Bücher in einer hübschen Aufmachung mit Klappenbroschur und kleinen Kapitelvignetten – da schlägt auch mein Herz als Büchersammler höher.

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