In der Haut des Wolfes

In der Haut des WolfesDem phänomenalen Erfolg der Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer und der TV-Adaption Game of Thrones ist es wohl zu verdanken, dass weitere Werke von George R. R. Martin (wieder)veröffentlicht werden. Sogar Kurzgeschichten, die ansonsten von den größeren Verlagen überwiegend links liegen gelassen werden, finden den Weg zwischen zwei Buchdeckel; so etwa seine Haviland-Tuv-Erzählungen oder die von ihm herausgegebenen Wild-Card-Storys. Sein Werwolf-Kurzroman The Skin Trade von 1989, der damals mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet wurde, ist unter dem Titel In der Haut des Wolfes kürzlich im Festa Verlag als Hardcover erschienen. Ohne Martins anderweitige Erfolge wäre eine deutschsprachige Einzelveröffentlichung einer ungefähr 130 Seiten langen Erzählung in dieser Form wohl kaum möglich (Ausnahmen bestätigen die Regel). Anders im angloamerikanischen Raum, wo z.B. Subterranean Press regelmäßig derartige Print-Sondereditionen herausbringt. Die Festa-Ausgabe wurde mit einem Nachwort von Christian Endres und zahlreichen Innenillustrationen von Tim Würz garniert, der auch das Titelcover gestaltet hat.

Martins Werwolfgeschichte ist keine von diesen romantisch-verklärten, die in den letzten Jahren in Mode gekommen sind. Sie ist eher mit dem Klasseroman Wolfen von Whitley Strieber vergleichbar. Martin mixt Elemente von Hardboiled-Detektiv- und Horrorstory zu einem spannenden und originellen Cocktail. Zu Beginn nimmt er sich Zeit, um dem Leser seine Protagonisten vorzustellen (ein Vorzug des Kurzromans gegenüber der Kurzgeschichte), um dann Spannung und Tempo allmählich anzuziehen und bis zum furiosen Finale zu steigern. Vom Inhalt möchte ich gar nichts verraten, weil die Geschichte auch davon lebt, dass man beim Lesen miträtselt. Und obwohl man von Anfang an gewissen Ahnungen hat, die teilweise auch bestätigt werden, wartet Martin immer wieder mit Wendungen auf, die ich jedenfalls nicht vorhergesehen habe. Martin hätte daraus sicherlich auch einen 400- oder 500-Seiten-Roman machen können, ist aber glücklicherweise nicht der Versuchung erlegen, die Story wegen der besseren Verkäuflichkeit unnötig aufzublähen (ein Vorteil des Kurzromans gegenüber dem dicken Wälzer).

Für mich ist das Buch – nicht zuletzt aufgrund der Übersetzung von Joachim Körber – eine runde Sache, auch wenn mich das Covermotiv nicht hundertprozentig anspricht (die Innenillus gefallen mir besser). Ich freue mich immer, wenn ich auf Novellen oder Kurzromane dieser Qualität stoße, denn diese mittellangen Geschichten stellen für mich eine Erzählform dar, die zu Unrecht ein Nischendasein fristet.

NACHTRAG:
Grad hab ich auf imdb.com gesehen, dass der Kurzroman 2015 verfilmt werden soll:

The Skin Trade

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s