Print versus Neue Medien

Dass ich mich vom eBook-Skeptiker zum eBook-Nutzer gewandelt habe, hab ich hier im Blog ja schon mehrfach thematisiert. Inzwischen lese ich tatsächlich regelmäßig auf meinem Reader, wenngleich ich mir die Bücher, die mich a) interessieren und die ich b) gern in meine Sammlung einreihen möchte, nach wie vor lieber als Printversion kaufe. Was lese ich dann als eBook? Zunächst mal natürlich Sachen, die ausschließlich digital erhältlich sind, aber auch vieles, von dem ich nicht von vornherein weiß, ob es etwas für meine Regale ist oder das ich zwar antesten, aber nicht unbedingt sammeltechnisch konservieren möchte. Es gibt natürlich noch ganz andere Aspekte beim Thema Print oder Digital.

Bei einer Autofahrt heute Nachmittag hab ich eine Sendung über die Medientage München gehört, die sich unter anderem mit Print versus Neue Medien beschäftigt hat. Neben neuen Möglichkeiten und Erfordernissen wurden auch Gefahren angesprochen.

Dass die Auflagen von Printmagazinen und Zeitungen rückläufig sind, ist kein Geheimnis. Welche Folgen dies bereits hat oder künftig haben könnte, nicht nur für Druckmaschinenhersteller oder Druckereien, ist nur teilweise offensichtlich. Ganz unabhängig davon, wie man zu „modernen“ Medien steht – es stellt sich schon die Frage, ob all die neuen technischen Möglichkeiten die Nachrichtenwelt von heute und morgen qualitativ weiterbringen oder zumindest auf dem Level halten, der bisher erreicht wurde.

Dazu nur ein Beispiel: Ich lese nach wie vor regelmäßig „meine“ Tageszeitung, die wochentags jeden Morgen zuverlässig vor der Tür liegt, und ich hab noch kein digitales Angebot entdeckt, das mir diese Tageszeitung adäquat ersetzen könnte. Ich will sie ja gar nicht wirklich ersetzen, schaue mich aber trotzdem gelegentlich rein interessehalber nach Alternativen um. Ein digitales Nachrichtenangebot, das mir am Frühstückstisch einen raschen Überblick über das Weltgeschehen, nationale Politik-, Wirtschafts- und Sportnews und lokale Neuigkeiten (letztere sind für mich aus mehreren Gründen ebenso wichtig wie das andere) verschafft, und zwar so, wie es die großformatige Tageszeitung bietet, hab ich bisher nicht gefunden. Dabei ist mir auch das Format wichtig, denn in der Zeitung kann ich durch Blättern und Überschriften- bzw. Bilderüberfliegen sowie Querlesen in relativ kurzer Zeit herausfiltern, was für mich wichtig und interessant ist oder sein könnte. Bei digitalen Nachrichtenportalen geht das nicht so einfach, weil sie oftmals zu verschachtelt sind, und mit den Lokalnachrichten ist es dort gleich ganz essig. Selbst das Internetangebot meiner Tageszeitung bietet weder die Übersichtlichkeit noch die Fülle an Informationen im schnellen Überblick.

Ein anderer Aspekt ist die Neigung digitaler (Nachrichten)Medien, den Leser mit Vorschlägen in eine bestimmte Richtung zu lenken, was im Printbereich teilweise natürlich auch geschieht, aber in deutlich abgeschwächter Form – schon mangels technischer Möglichkeiten. Bei digitalen Medien fühle ich mich oftmals bevormundet. Wenn ich dort lese: „Das könnte Sie auch interessieren“, muss ich mich gelegentlich beherrschen, nicht laut mit „Nein!“ zu antworten. Vorschläge mögen ja gewisse Vorteile haben und den Horizont erweitern, aber manipulieren lasse ich mich halt nicht so gern. Wenn ich daran denke, dass immer mehr Zeitgenossen – vor allem jüngere, aber nicht nur die – sich aus Bequemlichkeit oder Naivität digital mehr oder weniger fremdsteuern lassen und womöglich gar eine Wahl-Entscheidung so treffen, dann graust es mir, ehrlich. Fehlt nur noch die Kopplung Hirn-Smartphone – wobei, wenn ich es mir so überlege …

Das alles soll natürlich nicht heißen, dass ich meinen eBook-Reader jetzt gleich nach Veröffentlichen des Blogeintrags in den Müll werfe. Ganz im Gegenteil. Wenn man sich bewusst macht, was dieses oder jenes Medium bietet und mit einem macht (oder zu machen versucht), kann man ja hier und dort Vorteile daraus ziehen. Nur sollte man mündig bleiben und das auch tun.

Unterm Strich hoffe ich, dass meine Print-Zeitung mir noch möglichst lange in der Form erhalten bleibt, die mir derzeit alternativlos erscheint.

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