Halloween-Anthologie: Angel Island

Dieses Jahr keine Halloween-Story von mir, dafür aber ein Tipp, passend zum Fest der Kürbisköpfe. Wenn ein großer Verlag, was inzwischen leider Seltenheitswert besitzt, eine Horror-Anthologie herausbringt, dann muss ich als Kurzgeschichtenfan natürlich zuschlagen.

Angel IslandAngel Island ist kürzlich bei Bastei Lübbe erschienen, herausgegeben von Oliver Schütte und Uwe Voehl. Um es gleich vorwegzunehmen: Für mich ist das eine der besten Horror-Anthos der letzten Jahre. Unter den acht Erzählungen von deutschsprachigen Autoren ist keine einzige, die mir nicht gefallen hat oder die ich gar abgebrochen habe – und das kommt bei Anthologien (egal ob deutschsprachig oder international) sehr selten vor.

Die Geschichten hängen lose zusammen, können aber unabhängig voneinander gelesen werden. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Insel, auf der keine Engel leben, obwohl es ihr Name verheißt. Die Storys beginnen oft gemächlich und schildern die vordergründig durchaus vorhandene Inselidylle, in die allmählich dunkle Schatten schleichen, die immer bedrohlicher werden. Sie leben von der düsteren Atmosphäre, die auf den Leser übergreift, wenn man sich in der richtigen Stimmung auf die Geschichten einlässt. Denn sie passen gerade in diese Jahreszeit, in der dunkle Wolken die kürzer werdenden Tage prägen, lassen sich aber natürlich nicht nur am Halloweenabend lesen.

Herausragend fand ich Prayer’s Rock von Malte S. Sembten, weil die Geschichte einen Sog entwickelt und mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. So etwas kommt heutzutage (leider) nur noch sehr selten vor, weil mich manchmal Kleinigkeiten aus einer Geschichte rauswerfen (wohl eine Autorenkrankheit) und ich dann ein paar Seiten brauche, bis ich wieder drin bin. In Sembtens Story geht es um einen Schriftsteller, der sich in die Einsamkeit der Insel zurückzieht und dort zwar nicht die erhoffte Ruhe und Muße findet, dafür aber etwas anderes, das besser unentdeckt geblieben wäre. Der Plot ist vielleicht nicht ganz taufrisch, aber die Umsetzung ist es allemal. Bemerkenswert fand ich auch Banshees weinen nicht von Grita Graus (ein Pseudonym – es darf gerätselt werden, wer sich dahinter verbirgt). Die Geschichte fällt etwas aus dem Rahmen (was keineswegs negativ zu verstehen ist!), weil sie durch eine schwarzhumorige Prise und eine augenzwinkernde Erzählweise auf andere Art und Weise als die restlichen Erzählungen sehr unterhaltsam ist.

Gerne mehr davon!

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