Quo vadis, Buchmarkt?

Zurzeit lese ich den SF-Krimi Drohnenland von Tom Hillenbrand. Der deutsche Autor und Wirtschaftsjournalist hat auf seiner Homepage „zehn steile Thesen zum Buchmarkt“ aufgestellt, die einem als Bücherfan zu denken geben (können).

Zum Beispiel prognostiziert er gleich als allererstes ein weitgehendes Aussterben der Buchläden innerhalb der nächsten 20 Jahre mit einer einhergehenden kompletten Verlagerung der Beratung ins Internet. Als Beispiel dient ihm das fast völlige Verschwinden von Plattenläden. Da ich zwar tausende Vinylplatten besitze, aber schon lange keine neuen mehr gekauft habe, wüsste ich adhoc gar nicht, wo ich hier in der Nähe noch Schallplatten käuflich erwerben könnte. Die Plattenläden, in denen ich früher eingekauft habe, gibt es wohl tatsächlich alle nicht mehr. Aber kann man Buchläden wirklich 1:1 mit Plattenläden vergleichen? Nicht ganz, wenn Hillenbrands 5. (nicht besonders gewagte) These stimmt, dass die Ausstattung von Printbüchern edler wird. Gerade die edleren Bücher will ich als Büchernarr ja vielleicht vor dem Kauf mal anfassen, reingucken und –schnuppern, also such ich danach vielleicht eher im Laden als im Internet, oder? Hm, nicht unbedingt, wenn ich es mir so überlege, denn ich habe auch in der Vergangenheit die Aufmachung von Büchern (z.B. vom Golkonda Verlag) teilweise im Internet begutachtet und dann dort bestellt, oft beim Verlag direkt. Also – adieu Buchladen? Keine wirklich schöne Vorstellung, denn die Atmosphäre in einem Buchladen erreiche ich beim Internetkauf nicht einmal annähernd, und diese besondere Atmosphäre, umgeben von hohen Regalen und hunderten oder tausenden Büchern, macht einen Teil des Reizes der Bücherwelten für mich aus.

Hillenbrands These 2 (alle Bereiche des Buchmarktes werden digital) ist keine Nostradamus-Weissagung, sondern schlicht und einfach logisch. Reine Printpublikationen werden jedenfalls immer seltener werden, zumindest als digitale Alternative werden die allermeisten Verlage ihre Bücher auch anbieten.

These 8 ist schon längst Realität: Die Zahl der veröffentlichten Bücher ist durch digitales Self-Publishing deutlich gestiegen, der Buchmarkt ist dadurch noch unübersichtlicher als vorher. Womit wir wieder bei der Beratung wären, die viele Buchhändler sicherlich mit viel Herzblut und Leidenschaft betreiben, die sie aber in großer Bandbreite immer weniger abdecken können, vor allem im digitalen Bereich. Mancher hat sich ja schon spezialisiert, und vielleicht bietet das eine bessere Überlebenschance als der Bücher-Supermarkt (der wie die gute alte Tankstelle längst ein viel breiteres Sortiment anbietet, um überleben zu können), den man im Internet (nicht nur bei Amazon) einfacher und bequemer als in der nächsten Stadt findet.

Auch These 10 ist inzwischen keine Zukunftsprognose mehr: Lübbe Digital zum Beispiel bietet seit einiger Zeit englische Übersetzungen deutschsprachiger Romane als eBook an. Hierfür braucht es also keinen englischen oder amerikanischen Verlag mehr, die eh kaum an Übersetzungen interessiert sind. Allerdings fehlen ohne ausländischen Verlage gewisse Vertriebswege, was sich logischerweise auf den Verkauf auswirkt. Umsetzbar ist These 10 also schon längst, und für deutsche Autoren, die im Regelfall nicht ins Englische übersetzt werden, bieten sich zusätzliche Absatzmärkte, auch wenn dort vermutlich keine großen Verkaufserfolge erzielt werden können.

Tja, die Weiterentwicklung des Buchmarktes zu beobachten wird spannend bleiben, so man sich denn dafür interessiert. Was besser und was schlechter werden wird, hängt auch vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters ab. Und natürlich gilt, wie immer, die alte Weisheit: Voraussagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

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