Kaisertag & Wechselwelten

Da mir Oliver Henkels Die Zeitmaschine Karls des Großen ausgesprochen gut gefallen hat, hab ich mir auch seinen Roman Kaisertag und die Storysammlung Wechselwelten besorgt, alle erschienen im Atlantis Verlag. Und allesamt Alternativweltgeschichten, Henkels bevorzugte Spielwiese – auf der er sich erkennbar wohlfühlt, wie ich resümieren kann, nachdem ich nun endlich auch die Kurzgeschichten gelesen habe.

KaisertagKaisertag spielt in einer Zeit, in der Luftschiffe den Himmel beherrschten – schon allein das war für mich ein Kaufanreiz. Dass diese Luftschiffe auch 1988 noch fliegen, ist dem Umstand zu verdanken, dass in Henkels Roman der Erste Weltkrieg ausgefallen ist und das deutsche Kaiserreich von Wilhelm V. nach althergebrachter Manier regiert wird. Privatdetektiv Friedrich Prieß soll aufklären, ob der Selbstmord eines Offiziers nicht doch ein Mord war und gerät dabei in eine Verschwörung, die ihm seine Arbeit bald über den Kopf wachsen lässt. Oliver Henkel gelingt es auch hier – wie bei Karl dem Großen – die alternative Zeitlinie so lebendig zu gestalten, dass man irgendwann vergisst, darüber nachzudenken, wie das denn früher wirklich war. Als Leser ist man irgendwann in dieser Zeitlinie mittendrin und verfolgt die spannende Geschichte, die mit allem gespickt ist, was eine kurzweilige Abenteuergeschichte braucht.

WechselweltenWechselwelten beinhaltet acht Erzählungen, in der historische Figuren von Pontius Pilatus über Christoph Kolumbus, Abraham Lincoln, Adolf Hitler, Josef Goebbels bis zu Erich Mielke in parallele Zeitstränge geworfen werden und sich dort zurechtfinden müssen. Die Storys variieren in der Länge zwischen zwei und vierzig Seiten, und so unterschiedlich lesen sie sich auch: Von der Vignette über die kurze Pointengeschichte bis hin zur Novelle ist alles vertreten, was man als Story- und Alternativweltfan erwartet. Dass bei den Kurzgeschichten – anders als beim Kaisertag – die alternative Zeitlinie nur grob skizziert werden kann, versteht sich von selbst, trotzdem schafft Henkel es immer wieder, den Leser schnell mit ihr vertraut zu machen, zumal jeder eine gewisse Vorstellung von den Protagonisten und ihrem realen Hintergrund hat.

Alle drei Bücher kann ich jedem empfehlen, der Spaß an Was-wäre-wenn-Szenarien und Abenteuergeschichten hat. Die epische Breite von Die Zeitmaschine Karls des Großen weisen die anderen beiden zwar nicht auf, aber dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch.

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