Asche und Phönix

Seit ich das erste Buch von Kai Meyer gelesen habe (Das zweite Gesicht, ein lupenreiner Horrorroman), bin ich auf der Suche nach weiteren Werken von ihm, die für mich interessant sein könnten. Meyer wird oft als Fantasyautor bezeichnet, was er selbst nach eigener Aussage gar nicht so sieht. Vielmehr schreibt er Phantastik jenseits von Zwergen, Orks, Starks und Lannisters mit mehr oder weniger ausgeprägten Anleihen beim Horrorgenre. Da er viele Trilogien bzw. Reihen verfasst hat, beschränkt sich meine Auswahl zunächst auf einige wenige Einzelromane. Davon hab ich über die Feiertage als ersten Asche und Phönix gelesen.

Asche und PhoenixObwohl das Buch beim Carlsen Verlag erschienen ist und seine Protagonisten (auch) auf ein jugendliches Publikum abzielen, würde ich es nicht als Jugendbuch bezeichnen, dafür hat es zu viel von Clive Barker. In einigen Passagen fühlte ich mich an Barkers Spiel des Verderbens erinnert, und das im besten Sinne. Meyer schreibt zwar nicht ganz so drastisch wie gelegentlich Barker, aber er verwendet auch keine Weichzeichner und beschönigt nichts. Wenn etwa ein Rudel scharfer Wachhunde jemanden zerfleischt, dann tröpfelt das Blut nicht, es fließt literweise über den Boden. Diese Szenen beherrschen den Roman allerdings nicht, prägend sind vielmehr diejenigen, in denen Wesen agieren, die nur äußerlich wie Menschen aussehen, mit anderen Menschen jedoch so umspringen wie unsereins mit einer Kakerlake oder einem Grashalm. Und dann ist da natürlich noch die Liebesgeschichte zwischen Ash und Parker (Asche und Phönix – Parker ist Jungschauspieler und verkörpert eine Figur namens Phoenix in einer Fantasy-Filmreihe). Die beiden lernen sich kennen, als Parker die Herumtreiberin Ash in seinem Hotelzimmer beim Klauen erwischt. Bei seiner Flucht vor der Fan- und Reportermeute begleitet sie ihn und wird dadurch in einen wahrgewordenen Albtraum hineingezogen.

Der Roman persifliert überdies den Hype um die Twilight- und Harry-Potter-Verfilmungen bzw. um deren Hauptdarsteller. Parker hat dieses hysterische, hirnlose Fangekreische, die verlogene Scheinwelt der roten Teppiche und Spotlights und die nervenden Paparazzi satt, und beim Lesen spürt man, wie viel Spaß es Kai Meyer wohl bereitet hat, diese Szenen zu schreiben. Allerdings muss Parker auch anerkennen, dass diese Scheinwelt ihre Vorzüge besitzt und ihm sogar hilft, einen Gegner zu bekämpfen, dem man mit normalen Waffen nicht beikommen kann.

Auch wenn mir Das zweite Gesicht noch etwas besser gefallen hat, war Asche und Phönix ein interessanter und spannender Schmöker im besten Wortsinn. Positiv anzumerken ist ebenso, dass es das schön gestaltete Hardcover für einen Preis zusammen mit dem eBook gab – sehr löbliche Aktion! Denn obwohl ich bekennender Printbuchfan bin, hab ich tatsächlich den Großteil des Romans auf meinem eBook-Reader gelesen, weil das Ding klein, leicht und handlich ist. Inzwischen hab ich mich erstaunlich gut mit dem Reader angefreundet – hätte ich vor ein oder zwei Jahren nicht gedacht, ehrlich.

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