Spiel des Verderbens

Spiel des VerderbensUnd weiter geht’s im Retro-Modus: Die Lektüre von Kai Meyers Asche und Phönix hat mich draufgebracht, dass es an der Zeit ist, mal wieder Clive Barker aus dem Bücherregal hervorzukramen. Mangels neuer Werke, die mich wirklich interessieren (sollte ich eines der neueren unbedingt gelesen haben?), fiel meine Wahl auf Spiel des Verderbens, einen von Barkers besten Romanen, den ich nun zum dritten Mal gelesen (und somit in meine Wiederentdeckt-Walhalla aufgenommen) habe. Vielleicht ist sein Erstling (erstmals 1985 erschienen) sogar sein bester überhaupt. So etwas hört ein Autor zwar nicht gern, aber seine späteren Romane wie etwa Gyre oder Imagica waren für meinen Geschmack zu ausschweifend erzählt und zu fantasylastig. Spiel des Verderbens ist näher an den Erzählungen aus Barkers Büchern des Blutes dran, in denen er das Böse, Hölle und Verdammnis so beschreibt, wie man es möglicherweise aus Albträumen kennt: ohne Beschönigungen, gelegentlich auch mit surrealen Zügen. Barkers Kunst ist es, seine Geschichten so zu erzählen, dass der Maler und Filmemacher in ihm ebenfalls zur Geltung kommt: Er erzeugt Bilder im Kopf des Lesers, die in ihrer Eindrücklichkeit haften bleiben und ihresgleichen suchen.

Ex-Häftling Marty Strauss verdingt sich als Leibwächter des alternden Multimillionärs Whitehead, der sein Geld nicht nur auf ehrliche Art und Weise verdient hat. Whitehead hat sich mit einigen Getreuen auf seinen abgeschotteten Landsitz zurückgezogen, weil er einen Anschlag auf sein Leben fürchtet – seine Vergangenheit scheint ihn einzuholen. Bald muss Marty erkennen, dass selbst ein Rudel scharfer Wachhunde Whitehead nicht schützen kann, denn die Männer, die hinter ihm her sind, lassen sich weder von Reißzähnen noch durch Kugeln aufhalten. Und der Tod ist nicht das Schlimmste, was von ihnen droht.

Barker nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen, ohne so weit aus- und abzuschweifen wie etwa bei Imagica, von dem ich bisher nie mehr als 150 Seiten geschafft habe. Dabei steigert er zwischendurch immer wieder den Grad des Schreckens und den Horror, den Marty durchleben muss, um seinen Protagonisten wie auch den Leser kurz darauf wieder vom Haken zu lassen – jedoch nicht ohne das finstere Versprechen, dass das dicke Ende noch kommt. Es hat sich auch beim dritten Mal gelohnt, Marty auf seinem Weg zu begleiten und Clive Barkers schriftstellerische Fähigkeiten zu bewundern.

2 Antworten zu “Spiel des Verderbens

  1. Toller Roman. Von dem hab‘ ich die längst vergriffene und zu sündhaften Preisen gesuchte Vorzugsausgabe der Edition Phantasia – auf 300 Exemplare limitiert und von Barker und dem Illustrator signiert. Und im Lauf dieses Jahres kriege ich noch die von Cemetery Dance – auf 598 Exemplare limitiert, von Barker signiert, bereits vor Erscheinen out of print: http://www.cemeterydance.com/page/CDP/PROD/barker01.

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    • Auf die Edition-Phantasia-Ausgabe könnte man glatt neidisch werden … :-D

      Ich hab früher diese Sonderausgaben gescheut, hab dann lieber statt einem teuren Buch mehrere normalpreisige gekauft. Heute reut es mich gelegentlich.

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