Robocalypse & Das Implantat

Bei Droemer/Knaur wurden mittlerweile zwei SF-Romane von Daniel H. Wilson veröffentlicht: Robocalypse und Das Implantat. Ich hab den zweiten zuerst gelesen und mir anschließend den ersten gleich noch dazu gegönnt. Gute Reihenfolge, muss ich feststellen, denn ob ich mir den zweiten nach dem ersten auch gekauft hätte, weiß ich nicht.

RobocalypseIn Robocalypse geht es um nicht weniger als das Überleben der Menschheit. Eine künstliche Intelligenz lässt Roboter auf ihre Erbauer los – und da Computer- bzw. Robotersysteme den Alltag bestimmen, droht die Gefahr überall. In vielen kurzen Episoden, die teilweise zusammenhängen, schildert Wilson den Krieg zwischen Menschen und Maschinen über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Manche Begebenheiten sind durchaus packend, andere weniger. Leider nutzt sich die Aneinanderreihung von Szenen bzw. Pseudointerviews und das örtliche wie zeitliche Hin- und Herspringen relativ schnell ab. Der Roman wirft einen Blick auf bestimmte Schlüsselerlebnisse, verweilt jedoch nicht bei den Protagonisten, sondern schildert im nächsten Kapitel etwas ganz anderes. Zwischen den einzelnen Episoden liegen jeweils Zeiträume von einem oder mehreren Monaten. Darüber hinaus werden die Episoden von verschiedenen Ich-Erzählern geschildert, was zum besseren Verständnis eine knappgefasste Einführung zu jedem Kapitel sowie einen kurzen Ausblick auf die weiteren, nicht im Detail aufgeführten Ereignisse erfordert. Zwar ergibt sich so ein Gesamtbild der weltweiten Vorkommnisse, aber auf mich hat das Ganze weitgehend wie collagenhaftes Stückwerk gewirkt und konnte mich nicht durchgehend fesseln, obwohl ich Episodenromanen und Kurzgeschichten durchaus vieles abgewinnen kann. Setting, Storyverlauf und etliche Details sind interessant, keine Frage, die Erzählstruktur dagegen ist so gar nicht nach meinem Geschmack.

Das ImplantatDeutlich besser gefallen hat mir Das Implantat, in dem es um eine ähnliche Auseinandersetzung geht: Diesmal nicht Mensch gegen Maschine, sondern Mensch gegen Maschinen-Mensch. Träger von Hirnimplantaten werden aufgrund ihrer Vorteile gegenüber Nicht-Implantatträgern erst gesellschaftlich geächtet und dann juristisch entrechtet. Weil sie per Gesetz nicht mehr als Menschen angesehen werden, spricht man ihnen auch gleich sämtliche Menschenrechte ab. Von diesem Zeitpunkt an läuft jeder Amp, wie die Implantatträger genannt werden, Gefahr, wie eine Sache behandelt zu werden. Und noch schlimmer: Amp-Kritiker formieren sich zu einen Anti-Amp-Bewegung, die immer radikalere Maßnahmen fordert. Als Leser erlebt man hautnah, wie der Lehrer und Implantatträger Owen zwischen die Fronten gerät, denn Wilson hat den Roman in der 1. Person Präsens verfasst (wie auch Robocalypse, aber in Das Implantat gibt es durchgängig nur einen Erzähler) – eine Zeitform, die ich nicht unbedingt bevorzuge, die hier aber recht gut passt. Garniert hat der Autor die Geschichte mit fiktiven Zeitungsausschnitten, Flugblättern und dergleichen, die den ganzen Irrsinn Schritt für Schritt dokumentieren.

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