Der Marsianer

Eins meiner Lieblingsbücher in Kinder- und Jugendzeiten war Arthur Conan Doyles Die vergessene Welt: Erstens, weil die Entdeckung einer prähistorischen Welt für mich damals hochinteressant und absolut faszinierend war; zweitens, weil die Crew um Professor Challenger spannende Abenteuer erlebt; und drittens, weil Doyle den Roman so geschrieben hat, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte.

Der MarsianerÄhnliches kann ich über Andy Weirs Überraschungserfolg Der Marsianer sagen, der beinahe nie den Weg zwischen Buchdeckel gefunden hätte, weil er zunächst von allen Verlagen abgelehnt wurde, an die Weir das Manuskript geschickt hatte. Also ehrlich, wie kann man mit einer Einschätzung nur derart krass danebenliegen? Gut, spätestens seit Harry Potter wissen wir ja, dass dies möglich ist. Vor allem wohl deshalb, weil unverlangt eingesandt Manuskripte häufig gar nicht gelesen werden, dann rutschen Perlen halt durch. Weir veröffentlichte den Roman zunächst also nur auf seiner Webseite und später noch als Selfpublisher für den Kindle. Erst, als er dort die Verkaufscharts stürmte, wurde ein Verlag aufmerksam. Tja, und was soll man sagen? Der Roman wird von Altmeister Ridley Scott mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt und startet Ende November 2015 in den Kinos. Wer Gravity mit Sandra Bullock mochte, darf sich darauf freuen.

Robinson auf dem Mars, sauspannend – so lässt sich der Roman mit wenigen Worten beschreiben. Mark Watney wird bei einer Marsmission ein verheerender Sturm zum Verhängnis. Seine Crew muss überstürzt aufbrechen und lässt den vermeintlich bei einem Unfall ums Leben gekommenen Astronauten und Botaniker zurück. Doch Watney wurde lediglich verletzt und muss fortan allein zusehen, wie er zurechtkommt. Die nächste Marslandung steht erst in vier Jahren an – wie kann man in dieser unwirtlichen, lebensfeindlichen Umgebung mit einer Ausrüstung, die nur für einen kurzen Aufenthalt gedacht war, so lange überleben? Genau davon handelt Der Marsianer.

Große Teile bestehen aus Watneys Logbucheinträgen, teilweise in Form von transkribierten Audiologs. Nun sind Tagebuch-Romane nicht unbedingt das, was ich gerne lese, aber wenn es richtig gut gemacht ist (wie etwa bei Jo Waltons In einer anderen Welt), dann kann gerade diese Erzählform die bestmögliche sein, um einen Stoff umzusetzen. Hier ist es so, zumal Watneys Galgenhumor die Einträge würzt – schon im allerersten Satz: „Ich bin so was von im Arsch.“ Zwischendurch fordert er den Leser seines Logbuchs schon mal auf, bitte nicht zu lachen – an Stellen, wo man wegen eines seiner Missgeschicke gar nicht anders kann als laut zu lachen. Selbst seine Berechnungen, die er immer wieder anstellen muss, um sich Lebensmittelrationen einzuteilen, Vorräte zu strecken oder die Wasseraufbereitung sicherzustellen, geraten nie wirklich langweilig, auch wenn der Autor sie hier und da vielleicht etwas kürzer hätte fassen können. Nicht langweilig wird all das vor allem, weil es (zumindest für den Laien) sehr realistisch rüberkommt und die Faszination auf fesselnde Art und Weise aufrechterhalten wird.

Ich will gar nicht zu viel vom weiteren (hochdramatischen!) Verlauf verraten, nur so viel: Weir hält immer wieder Überraschungen parat, und selbst wenn Watneys Plan fürs Überleben an manchen Stellen wirklich gut und nahezu wasserdicht klingt, kommt es dann doch wieder anders. Die Logbucheintragungen schildern darüber hinaus, wie Watney mit der Einsamkeit, der Hoffnungslosigkeit und dem drohenden Tod umgeht. Wie er sich immer wieder aufrafft und die Verzweiflung überwindet, indem er Probleme so lange angeht, bis er Lösungen findet, und seien sie noch so außergewöhnlich. Ein absolutes Lesehighlight, nicht nur für Science-Fiction-Fans.

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