Der Knochenjäger

Die Verfilmung von Der Knochenjäger hab ich damals im Kino und später noch mehrmals auf DVD gesehen. Auf die Idee, mir endlich auch mal den Roman von Jeffery Deaver zu besorgen, bin ich allerdings erst gekommen, nachdem ich seine Storysammlung Todesreigen gelesen hatte. Die wiederum gilbte davor mehrere Jahre in einem meiner zahlreichen SUBS vor sich hin.

Der KnochenjägerWie in den Kurzgeschichten versteht Deaver es auch im Roman, Spannung aufzubauen und immer weiter zu steigern. Sein Personal, das er nach dem Knochenjäger fahnden lässt, ist neben Hannibal Lecter und Clarice Starling eines der ungewöhnlichsten und interessantesten Ermittler-Duos, das mir bisher untergekommen ist: Der ehemalige Spurensicherungsexperte der New Yorker Polizei Lincoln Rhyme ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt. Er kann nur den Kopf und einen Finger bewegen und will eigentlich seinem Leben ein Ende setzen. Und die junge Polizistin Amelia Sachs hat mit Tatortarbeit eigentlich gar nichts am Hut, vielmehr möchte sie vom Streifendienst in die Öffentlichkeitsabteilung wechseln. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt … Als ein Serienmörder in New York sein Unwesen treibt, ist Sachs zufällig als Erste am Tatort und macht dort vieles richtig, obwohl sie es nicht gelernt hat. Rhyme erkennt ihr Talent und dirigiert sie von seinem Krankenbett aus gegen die Widerstände von Ex-Kollegen und ihren eigenen Unwillen von Tatort zu Tatort. Gemeinsam kommen sie dem Killer näher, als ihnen lieb sein kann.

Deaver setzt sein Ermittlergespann gehörig unter Zeitdruck und bringt das ungleiche Paar mit raffinierten Einfällen und Winkelzügen dem Mörder Schritt für Schritt auf die Spur. In der Zusammenarbeit wachsen beide buchstäblich über sich hinaus und überwinden selbst die schwierigsten Hürden, ohne jedoch wie Superhelden zu agieren. Rhymes Gespür und seine Methoden bringen dem Leser dabei die Forensik so nahe, als würde man sein Lehrbuch lesen – allerdings niemals auf trockene oder langatmige Art und Weise, sondern stets höchst interessant aufbereitet. Das Konzept war so erfolgreich, dass Deaver bislang zehn Folgeromane mit Lincoln Rhyme und Amelia Sachs veröffentlichen konnte.

Der Knochenjäger DVDPhillip Noyces Verfilmung aus dem Jahr 1999 hält sich nicht immer an die Vorlage, über weite Strecken stimmen Drehbuch und Roman jedoch überein. Ein wesentlicher Unterschied fällt bei der Besetzung auf: Im Roman ist Rhyme ein Weißer, im Film verkörpert Denzel Washington den Experten für Forensik. Allerdings stellt das kein Problem dar – es sei denn, man liest den Roman, nachdem man den Film gesehen hat … Beim Schmökern hatte ich ständig Washington vor Augen, wie auch Angelina Jolie, die der im Roman geschilderten Sachs bis auf die Haarfarbe deutlich näher kommt. Man sollte sich davon jedoch nicht beirren lassen: Insgesamt bietet der Film eine gute Umsetzung eines sehr guten Romans, die allerdings nicht an die Adaption von Thomas Harris’ Das Schweigen der Lämmer herankommt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s