Machos und Macheten & Das Dixie-Desaster

Hap Collins und Leonard Pine hauen, stechen und schießen sich inzwischen durch eine ganze Reihe von Büchern des texanischen Schriftstellers Joe R. Lansdale. Damit dürften sie seine bekanntesten Romanfiguren sein und darüber hinaus prägend für seinen Stil. Angefangen hat alles 1990 mit Wilder Winter (Savage Season), im Original ist zuletzt 2013 der Kurzroman Dead Aim erschienen, wenn die englischsprachige Wikipediaseite auf dem aktuellen Stand ist. Die deutschen Übersetzungen kamen bei verschiedenen Verlagen heraus, allerdings gibt es da noch Lücken. Seit einigen Jahren hat der Berliner Golkonda Verlag Lansdale im Programm und nimmt sich auch der Hap-&-Leonard-Reihe an, angefangen bei einer durchgesehenen Neuausgabe von Wilder Winter. Letztes Jahr erschien mit Machos und Macheten (Captains Outrageous) der sechste Roman, im Frühjahr 2015 der siebte: Das Dixie-Desaster (Vanilla Ride).

Der weiße, heterosexuelle Kriegsdienstverweigerer Hap, der als Ich-Erzähler fungiert, und der schwarze, schwule Vietnamveteran Leonard kennen sich schon sein Ewigkeiten. Als Duo gehen sie durch dick und dünn. Gemeinsam ist ihnen die große Klappe und das Talent, Faustkämpfe, Messerstechereien und Schießereien so zu gestalten, dass sie am Leben und die anderen auf der Strecke bleiben. Außerdem hassen sie Ungerechtigkeiten und nehmen für ihre Freunde so manches auf sich – oder das Gesetz in die eigene Hand, wenn sie es für erforderlich halten. Da verwundert es nicht, dass die beiden den Ärger anziehen wie ein Misthaufen die Fliegen. Die Reihe erfreut sich großer Beliebtheit und dient als Vorlage für eine TV-Serie, die im kommenden Jahr ausgestrahlt werden soll.

Machos und MachetenMachos und Macheten dreht sich genau um das, was der deutsche Titel verheißt. Hap und Leonard haben nichts Gescheites gelernt, also müssen sie sich in einer Geflügelschlachterei verdingen, um Kohle zu verdienen. Wie es der Zufall so will, rettet Hap der Tochter des Inhabers das Leben. Darauf zeigt sich der Boss extrem dankbar und schenkt Hap einen Riesenbatzen Geld. Da er solche Reichtümer nicht gewohnt ist, weiß Hap nichts rechtes damit anzufangen. Zusammen mit Kumpel Leonard verfällt er auf die Schnapsidee, dass ein Urlaub doch mal was ganz anderes wäre als der übliche Scheiß. Und wenn schon, dann richtig: Eine Kreuzfahrt in die Karibik soll es sein. Natürlich verläuft diese anders als geplant. Die beiden Urlaubsamateure landen an der mexikanischen Küste, wo sie mit Ganoven aneinandergeraten. Ein macheteschwingender Fischer hilft ihnen, und Hap verguckt sich in dessen hübsche Tochter. Damit nimmt der Ärger erst richtig Fahrt auf, denn die Familie des Fischers hat es mit Gangstern zu tun, denen mit einer Machete nicht beizukommen ist. Hap und Leonard müssen alle Register ziehen und schweres Geschütz auffahren, um mit halbwegs heiler Haut aus der Sache rauszukommen.

Das Dixie-DesasterIn Das Dixie-Desaster geht es nicht weniger turbulent zu. Hap und Leonard erweisen einem alten Freund, dem Ex-Cop Marvin, einen Gefallen, indem sie seine drogensüchtige Enkelin aus einer Gang herausholen, in der sich das Naivchen mit dem Boss eingelassen hat. Dummerweise sind diese Dealer Handlanger der Dixie-Mafia, einer Vereinigung von kriminellen Bikern und weißen Rassisten, die weder zimperlich noch gewillt sind, sich ans Bein pinkeln zu lassen. Da Hap und Leonard die Dealer nicht nur vermöbeln, sondern auch ihren Drogenvorrat ins Klo spülen, sinnt die Mafia auf Rache. Mit den gedemütigten Ganoven werden die beiden Freunde noch fertig, als diese ihnen ein paar Kugeln auf den Pelz brennen wollen, doch die Dixie-Mafia schickt daraufhin schwerere Killerkaliber. Außerdem kommt das FBI ins Spiel und setzt Hap und Leonard unter Druck. Die zwei sind wieder einmal in einen riesengoßen Haufen Sch… getreten und müssen versuchen, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf herauszuziehen.

Hap und Leonard sind insofern ein wenig in die Jahre gekommen, als vor allem Hap in den neueren Romanen häufiger darüber nachdenkt, ob dieses Leben nicht zwangsläufig in eine Sackgasse oder eine Holzkiste führt. Trotzdem kann er nicht aus seiner Haut – gut für die Fans, denn mal ehrlich: Wer würde Haps und Leonards Abenteuer als Couch-Potato oder im Rentner-Resort schon lesen wollen?

In beiden Romanen taucht mit Jim Bob eine Figur auf, die bereits in Lansdales 1989 erschienenem Roman Die Kälte im Juli eine wichtige Rolle spielt. Schon damals hatte der Detektiv mit den unorthodoxen Methoden die Art von Sprüchen drauf, die Lansdale im Lauf der Zeit zum Markenzeichen der Hap-&-Leonard-Geschichten gemacht hat. Ein weiteres Markenzeichen ist die Feststellung: Leichen pflastern ihren Weg. Für zartbesaitete sind die Romane also eher nichts, aber wer flotten Sprüchen, fliegenden Fäusten und rauchenden Colts etwas abgewinnen kann, liegt hier goldrichtig. Die Paperbacks mit Klappenbroschur sind, wie beim Golkonda Verlag üblich, aufwändig gestaltete Kleinode für jede Büchersammlung.

5 Antworten zu “Machos und Macheten & Das Dixie-Desaster

  1. Da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen … :D

    Gleichmal auf die Einkaufsliste setzen. Und danke für den tollen, neugierig machenden Text.

    Herzliche Grüße
    Der Salva

    Gefällt 1 Person

  2. Dem kann ich nur zustimmen. Die Bücher des Golkonda Verlags sind für Taschenbücher sehr hochwertig und liebevoll gestaltet.
    Bisher kenne ich nur einen der Hap & Leonard-Romane, die anderen Bücher der Reihe werde ich mir auch noch zulegen.
    Mir gefallen vor allem die Dialoge, der Sarkasmus, die Charaktere.
    Ich bin gespannt auf die TV-Adaption.

    Gefällt 1 Person

    • Für Golkonda-Bücher kann ich bald ein eigenes Regal einrichten. :-D
      In Sachen Gestaltung kommt da kein anderer Verlag ran, soweit ich es bisher gesehen habe.

      Lansdales Stil ist klasse – den krieg ich auch dann nicht über, wenn ich mehrere Romane in kurzem Abstand lese. Bei manch anderem Autor muss ich immer mal eine Pause dazwischen lassen.

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