Gone Girl – Das perfekte Opfer

Sieben, The Game, Fight Club, Panic Room, Zodiac, Verblendung – David Fincher darf man wohl getrost als Meister der düsteren und abgefahrenen Thriller bezeichnen. Neben David Cronenberg und David Lynch (mein Neffe trägt auch diesen Vornamen – ob das ein Omen ist?) hat er dieses Genre mitgeprägt und wandelt durchaus auf Altmeister Hitchcocks Spuren. 2014 hat er dieser Liste mit Gone Girl einen weiteren Film hinzugefügt, der sich nahtlos einreiht.

Gone GirlEr entstand nach dem Bestseller von Gillian Flynn aus dem Jahr 2012, die selbst das Drehbuch verfasste. Ihre Protagonisten Nick und Amy führen nach außen eine mustergültige Ehe und scheinen die Erfolgsleiter hinaufzuklettern. Doch der Schein trügt: Als Amy plötzlich verschwindet und Nick deswegen zur Polizei geht, erfährt der Zuschauer nach und nach, welche Abgründe sich auftun, wenn man bei Familie Dunne hinter sorgfältig verschlossene Türen blickt. Die Entführungstheorie gerät ins Wanken, und bald wird Nick verdächtigt, seine Frau aus dem Weg geräumt zu haben. Amys gut betuchte Eltern, die zunächst mit Nick zusammen öffentliche Aufrufe für eine Suche nach Amy starten, wenden sich von ihm ab. Von da ab bröckelt die Fassade nicht nur, sie stürzt ein und droht nicht nur Nick unter sich zu begraben.

Der Film dauert fast zweieinhalb Stunden. Fincher und Flynn gelingt es, über die gesamte Zeit hinweg die Spannung hochzuhalten. Man weiß lange nicht, was hier Lüge ist und was nicht. Amys Tagebuch, das nach und nach enthüllt wird, bringt den Zuschauer auf eine Spur, aber auch hier rückt immer stärker die Frage in den Vordergrund, ob die Einträge tatsächlich zur Klärung der Angelegenheit beitragen können. Die Psychospielchen werden immer interessanter und fesselnder, je tiefer man in den Fall eintaucht. Auch die Medien, die eine gute Quote einer seriösen und zeitaufwändigen Recherche vorziehen, kriegen ihr Fett weg: Zunächst vorverurteilen sie Nick, doch als er sich zu einem Interview bereiterklärt, wechseln sie plötzlich die Seite und stellen ihn in einem völlig anderen Licht dar. Am Ende hält der wendungsreiche Thriller eine weitere Überraschung bereit, auf die man eigentlich hätte gefasst sein können, ohne es wirklich vorherzusehen. Wenn nichts so ist, wie es zunächst scheint, wird ein David Fincher wohl kaum das Ende präsentieren, das man üblicherweise in solchen Filmen erwartet.

Ben Affleck und Rosamund Pike tragen mit ihrer überzeugenden Darstellung dazu bei, dass die hübsch gestaltete DVD im Schuber einen Ehrenplatz in meiner Sammlung bekommt. Pike brachte die Rolle unter anderem Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe ein, Affleck hätte dies für seine Leistung auch verdient gehabt.

9 Antworten zu “Gone Girl – Das perfekte Opfer

  1. Klingt sehr spannend, allerdings kann ich mir solche Filme nicht zu oft ansehen. »Sieben« war extrem gut gemacht, atmosphärisch dicht und spannend, aber mehr als das eine Mal konnte ich mir den nicht »antun«. »Gone Girl« wird seinen einen Versuch aber auch bekommen.

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  2. Hab kürzlich das Buch gelesen. Fand ich ziemlich krass. Aber gut. Auch gut geschrieben, sehr spannend!

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