Hellraiser

Zum dritten oder vierten Mal hab ich jetzt den Kurzroman Hellraiser gelesen; immer wieder mit Genuss, denn wie schrieb Clive Barker einst so schön? Keine Wonne kommt der des Grauens gleich (womit er recht treffend beschreibt, wieso Menschen sich freiwillig in Geisterbahnen begeben oder Gruselfilme ansehen). Neben den Büchern des Blutes und Spiel des Verderbens (The Damnation Game) hat Barker mit The Hellbound Heart, wie der Kurzroman im Original heißt, seinen Ruhm begründet und seinen Namen mit dem Meißel und mit Blut in den Annalen des Horrorgenres verewigt. Dass seine späteren Bücher nicht immer an diese Frühwerke anknüpfen konnten (zumindest nach meiner bescheidenen Meinung), nehmen nichts von seiner Klasse. Als ich die ersten Books of Blood in die Finger bekam, war ich von Barkers Stil, seiner Erzählkunst und von der Wucht seiner Bilder, die er im Kopf des Lesers erzeugt, schlichtweg begeistert.

HellraiserThe Hellbound Heart, das 1986 in der Horror-Anthologie Night Visions 3 (Herausgeber kein geringerer als George R. R. Martin) erstveröffentlicht wurde, hab ich sogar in zweifacher Ausfertigung im Regal stehen: die Heyne-Taschenbuchausgabe, die unter dem Titel Das Tor zur Hölle erschien, und Hellraiser von der Edition Phantasia. Gelesen hab ich letzte Woche die EP-Ausgabe, weil sie von Joachim Körber fluffig übersetzt und ungekürzt veröffentlicht wurde, außerdem mit Illustrationen von Meister Barker himself garniert – überhaupt sind die Ausgaben der Edition Phantasia für Büchernarren und –sammler wie mich genau das, was man in Händen halten und auf einem hervorstechenden Regalplatz sehen möchte.

Lebemann Frank Cotton kauft auf einem orientalischen Basar ein seltsames, mit Ornamenten verziertes Kästchen, das ein Tor zu einer anderen Welt öffnet. Dazu muss man nur den Mechanismus betätigen, der den Würfel in eine andere Form bringt. Frank wird in die Dimension der grausamen Zenobiten gezogen, verliert seine Körperlichkeit und wird zu einer Existenz zwischen den Welten verdammt. Sein Bruder Rory und dessen Frau Julia ziehen daraufhin in das verwaiste Haus. Frank sieht seine Chance gekommen, wieder in einen Körper zu schlüpfen und die Dimension der Zenobiten zu verlassen. Dafür braucht er Blut, und das soll Julia ihm verschaffen, mit der er vor der Hochzeit eine Affäre hatte. Sie war ihm damals verfallen und beginnt, Männer ins Haus zu locken, wenn Rory nicht da ist. Männer, die als Blutopfer dienen. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Hellraiser DVDClive Barker hat seinen Kurzroman 1987 selbst verfilmt und damit eine Filmserie gestartet, die acht Fortsetzungen nach sich zog. Die ersten beiden Teile hab ich in einer schönen Aufmachung von Kinowelt mit bebildertem Booklet. Hellraiser erschien 2011 erstmals ungeschnitten in Deutschland, weshalb einige Szenen im Originalton mit Untertiteln zu sehen sind. Zumindest den ersten Film darf man getrost als Kult bezeichnen, auch wenn die Meinungen zu der Filmserie insgesamt auseinandergehen. Hellraiser lebt von der Atmosphäre und den Effekten, schauspielerische Meisterleistungen darf man allerdings nicht erwarten. Trotzdem gehört er in jede gut sortierte DVD-Sammlung – wenn man dem Genre nicht abgeneigt ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s