Kraft des Bösen

Ohne es nachgemessen zu haben, dürfte Dan Simmons der Autor sein, dessen Bücher nach denen von Stephen King die meisten Regalmeter bei mir einnehmen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Simmons gern etwas epischer zu Werke geht. Sein zweiter, 1989 veröffentlichter Roman Kraft des Bösen (Carrion Comfort) belegt mit knapp 1200 Seiten in der deutschen Übersetzung einen Spitzenplatz in der Ziegelsteinwertung, wenn man bei Hyperion und Endymion jeweils die Einzelromane betrachtet. Ich hab ihn jetzt zum zweiten Mal gelesen, nachdem er schon länger auf meinem Wieder-Mal-Lesen-SUB darauf gewartet hat. Übersetzt wurde der Roman von Joachim Körber – wie übrigens viele von Simmons’ früheren Werken, inklusive Hyperion, Endymion, Song of Kali, Kinder der Nacht und Sommer der Nacht.

Kraft des BösenDas Epos von den „Gedankenvampiren“ spinnt einen Bogen von SS-Vernichtungslagern in Europa zu den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts in den USA. Diese Gedankenvampire sind Menschen, die mit ihrer Geisteskraft andere Menschen beeinflussen und zu willenlosen Werkzeugen machen können. Sie übernehmen den Körper des anderen, um ihn zu missbrauchen – wozu auch immer. Als in Charleston mehrere Menschen unter mysteriösen Umständen getötet werden, kommt Sheriff Gentry auf die Spur einiger „Benützer“, die ein Spiel daraus gemacht haben, sich im Gebrauch ihrer Macht gegenseitig zu überbieten. Die Tochter eines der Ermordeten und ein jüdischer Psychiater, der bereits als Jugendlicher im Konzentrationslager Sobibor einem Gedankenvampir begegnet ist, suchen ebenfalls nach den Tätern. Die drei tun sich zusammen, ohne zu ahnen, worauf sie sich da einlassen. Denn sowohl das FBI als auch der israelische Geheimdienst und andere dubiose Gruppierungen sind an diesem mörderischen Spiel beteiligt, in dem die Gedankenvampire immer rücksichtsloser vorgehen. Ob bloße Fäuste, Messer, Sicheln, Schusswaffen, Sprengstoff, Feuer oder Fahrzeuge bis hin zum Bus – sie setzen alles ein, was sich dazu eignet, ihre Gegner zu töten. Sie agieren gnadenlos und hinterlassen eine Blutspur, wenn sie Menschen wie Schachfiguren in ihrem perfiden Spiel tödliche Züge machen lassen.

Bei einem Umfang von 1200 Seiten schleicht sich fast automatisch die eine oder andere Länge ein, hier vor allem im ersten Drittel. Aber als alle Akteure vorgestellt und im Spiel sind, zieht Simmons sämtliche Register, die seine Mischung aus Horrorthriller und Krimi zu einem Pageturner machen. Er vermischt dabei fiktive Personen und Ereignisse mit realen (etwa den Attentaten auf Kennedy und Reagan) und präsentiert somit eine packende Geschichte, deren übernatürliche Elemente mehr und mehr wie Realität erscheinen – eine sehr erschreckende Realität.

Eine Antwort zu “Kraft des Bösen

  1. MUSS ich lesen. Kommt sofort auf die Liste!

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