Der Analyst

Den Namen Drew Chapman darf man sich getrost merken. Der amerikanische Drehbuchautor, der abwechselnd in Los Angeles und Seattle lebt, hat mit seinem Roman-Debüt Der Analyst gleich einen Volltreffer gelandet. Der Cyber-Techno-Thriller ist so erfolgreich, dass Chapman wohl weitere mit den beiden Hauptfiguren folgen lässt.

Der AnalystGarrett Reilly ist ein junger Wertpapieranalyst bei einer Wall-Street-Firma. Er verhält sich seinen Mitmenschen gegenüber gern wie ein Arschloch und geht keiner Kneipenschlägerei aus dem Weg. Also nicht unbedingt der Typ, der zum Romanhelden taugt – wäre er nicht auch ein Genie in der Mustererkennung. Seine besondere Begabung befähigt ihn, schneller als seine Kollegen zu erkennen, wenn sich irgendwo in der Finanzwelt etwas tut, das sich näher anzuschauen lohnt. So stellt er als Erster fest, dass die Chinesen eine Art Cyberkrieg gegen die USA gestartet haben, indem sie gezielt die amerikanische Wirtschaft attackieren. Sein Chef gibt diese Information an die Behörden weiter, und kurz darauf kommt eine Lawine ins Rollen, die nicht mehr zu stoppen ist.

Garrett wird wider Willen von Alexis Truffant, einer Abwehrspezialistin der US-Army, für eine Sondereinheit rekrutiert. Eigentlich hasst er das Militär, seit sein Bruder in Afghanistan ums Leben kam. Doch Alexis wickelt ihn um den Finger, was beide auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle bringt – und mitten hinein in ein tödliches Spiel, an dem sowohl die amerikanische als auch die chinesische Regierung und weitere brandgefährliche Akteure beteiligt sind. Es droht nichts weniger als der Dritte Weltkrieg.

Chapman bringt viel Recherche in seinen Roman ein, ohne ihn mit technischen Details zu überfrachten. Für mich als Laien war es faszinierend zu lesen, wie gewisse Mechanismen in der Welt der Finanzen und der Datentechnik funktionieren. Und wie man beides gezielt manipulieren kann – und somit auch die Öffentlichkeit. In Zeiten von YouTube, Facebook und Konsorten lassen sich auf diese Weise sogar Revolutionen und Kriege anzetteln. Ein wahrlich erschreckender Gedanke.

Wie realistisch das derzeit alles ist, kann ich schlecht beurteilen, der SF-Anteil erscheint mir aber sehr gering. Außerdem ist es schließlich keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein hochspannender Thriller. Chapman jagt seine Hauptfiguren in den Untergrund und buchstäblich durch die Hölle, nicht einmal Folter bleibt ihnen erspart. Gelegentlich springt er dabei vielleicht etwas zu oft hin und her und verweilt an Stellen, wo man als Leser gerade nicht verweilen möchte, trotzdem ist ihm ein atemberaubender Pageturner gelungen. Absolute Leseempfehlung!

4 Antworten zu “Der Analyst

  1. TheFallenAngel

    hm, damit steht deine meinung über das buch ja in genauem gegensatz zu meiner … sollte mir das irgendwie zu denken geben? immerhin bist du autor und solltest ahnung haben …
    immerhin hab ich das buch ausgelesen und nicht abgebrochen, wie ich das bei büchern, die mir partout nicht gefallen, schon mal mache *g
    schon der protagonist war mir durchweg unsympathisch und dann türmten sich für mich halt wieder die klischees nur so aufeinander, einschließlich der folterszene(n) … nun ja. ich habe jedenfalls keine lust auf die angedrohten fortsetzungen *g

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    • Wieso sollte es dir zu denken geben? Die Geschmäcker sind glücklicherweise noch nicht geeinheitsbreinormiert. :-D
      Klar ist der Protagonist unsympathisch, aber Hannibal Lecter ist ja auch kein Sympathieträger. ;-) (Es sei denn, mann wünschte sich, Lecter verspeise vielleicht mal ein paar Politiker oder Extremisten … aber lassen wir das lieber, es könnte ausarten. :-D )
      Die Folterszene hat für mich wenig klischeehaftes, sie ist vielmehr eine logische, sehr realitätsnahe Folge des Vorangegangenen – die CIA tut in solchen Fällen, die ihre „nationale Sicherheit“ gefährden, erwiesenermaßen genau das und Schlimmeres. Da fand ich die dickliche Gamerin und die ungewaschenen IT-Freaks viel klischeehafter, wobei selbst das wohl schlichtweg einen Teil der Realität wiederspiegelt.
      Och, alles in allem fand ich den Roman spannend, und wenn ein Autor mich trotz des Arschloch-Protagonisten packen kann, heißt das schon was.

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