Die Tränen des Teufels

Mit seiner Storysammlung Todesreigen hat Jeffery Deaver mich von seinen Qualitäten als Krimi- und Thrillerautor überzeugt. Mit den ersten drei Lincoln-Rhyme-Romanen, angefangen mit Der Knochenjäger, hat er mich begeistert. Also musste natürlich weiterer Lesestoff aus seiner Feder her. Diesmal hab ich nach einem Roman gegriffen, der für sich alleine steht und keiner Reihe zugeordnet werden kann. In Die Tränen des Teufels taucht der querschnittsgelähmte Spurenexperte Rhyme dennoch auf, allerdings nur in einer Nebenrolle via Telefon.

Die Tränen des TeufelsEx-FBI-Agent Parker Kincaid ist Spezialist für Dokumentenüberprüfung. Nach seiner Scheidung ist er seinen Kindern zuliebe, für die er das Sorgerecht hat, aus dem Polizeidienst ausgeschieden und arbeitet nur noch für zivile Kunden, denen er Expertisen über die Echtheit von Schriftstücken ausstellt. Doch seine Vergangenheit holt ihn gleich zweifach ein. An Silvester eröffnet ihm seine Exfrau, dass sie künftig das Sorgerecht für die Kinder haben will, obwohl sie sich in der Vergangenheit mehr um sich selbst und ihren neuen Partner gekümmert hat als um Sohn und Tochter. Fast gleichzeitig bitten das FBI und die Polizei von Washington D.C. Kincaid um Hilfe. Ein skrupelloses Erpresserduo hat mehr als zwanzig Menschen erschossen und droht, alle vier Stunden weitere Unschuldige zu töten, falls die Stadt nicht zwanzig Millionen Dollar zahlt. In höchster Not willigt der Bürgermeister ein, doch kurz vor der Geldübergabe kommt einer der Erpresser bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Damit verschlimmert sich die Lage, denn der Schütze ist noch unterwegs und wird seinen Tötungsauftrag erst beenden, wenn er von seinem Partner zurückgepfiffen wird. Um auf die Spur des Killers zu kommen, untersucht Parker Kincaid das Erpresserschreiben. Er wird schnell viel tiefer in den Fall hineingezogen, als ihm lieb ist. Und die Zeit läuft, das nächste Attentat steht kurz bevor.

Deaver versteht es, Charaktere zu erschaffen, zu denen man als Leser in kürzester Zeit eine Verbindung aufbauen kann, trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer Schwächen. Wo andere Autoren viele Kapitel brauchen, um ihre Figuren zu charakterisieren, gelingt ihm das auf wenigen Seiten, wodurch die eigentliche Story nicht ausgebremst, sondern vorangetrieben wird. Seine realitätsnahe und dennoch nie langweilige Beschreibung der Ermittlungsarbeit im Detail kombiniert er mit einem Spannungsaufbau, der immer wieder Zwischen-Höhepunkte bietet. Somit fällt es mir als Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen – und so mag ich es. Außerdem wartet er eigentlich immer mit überraschenden Wendungen auf, die absolut unvorhersehbar sind, selbst dann noch, wenn man denkt (oder hofft), alles wäre ausgestanden. Obwohl ich das aus den vorherigen Büchern wusste, hat er mich auch diesmal wieder kalt erwischt – Chapeau, Mr Deaver!

Seit vielen Jahren wird Jeffery Deaver zur Top-Riege der Thrillerautoren gezählt. Nach einer Storysammlung und vier Romanen kann ich das absolut nachvollziehen. Mein SUB wird also neu bestückt.

6 Antworten zu “Die Tränen des Teufels

  1. Deaver schreibt super 😍

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich nähere mich bei »Der Knochenjäger« der Zielgeraden — sehr spannend und gut geschrieben!

    Gefällt 1 Person

  3. „Die Tränen des Teufels“ steht in meinen Top-3 der Thriller. Gemeinsam mit „@E.R.O.S.“ von Greg Iles und „Der Schacht“ von Joseph R. Garber. Allein die Einführung ist genial. Die Konstellation, etwas aufhalten zu müssen, von dem man rein gar nichts kennt, außer eben einer Teufelsträne … ich sollte das Buch dringend noch einmal lesen!

    Gefällt 1 Person

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