@E.R.O.S.

Den Thriller @E.R.O.S. von Greg Iles hat mir ein Autorenkollege empfohlen – der Tipp hat mitten ins Schwarze getroffen. Zwar ist für meine Begriffe das erste Drittel etwas ausführlich und somit zu lang geraten, aber der Rest entschädigt dafür mit Hochspannung.

@E.R.O.S.Harper Cole arbeitet als Systemoperator für den Online-Dienst EROS, der seinen Kunden die Möglichkeit bietet, anonym zu chatten und dabei prickelnde Stunden zu erleben. Als einige weibliche Kunden nicht mehr im Chat auftauchen und stattdessen ermordet aufgefunden werden, gehört Cole plötzlich zum Kreis der Verdächtigen, da er einer der wenigen ist, die an die Kundendaten herankommen. Und Cole bedrücken noch mehr Sorgen: Er hat eine uneheliche Tochter – ausgerechnet von der Schwester seiner Frau Drewe. Zwar war seine Beziehung zu Erin kurz und zeitlich vor seiner und auch vor Erins Hochzeit, dennoch hängt ein Damoklesschwert über der gesamten Familie, die gut betucht und öffentlich bekannt ist.

Cole wird tiefer in die Mordermittlungen hineingezogen, als ihm lieb sein kann. Bald ist klar, dass der Täter seine Opfer gezielt im EROS-Chat aussucht und einen perfiden Plan verfolgt. Als ein FBI-Psychologe sich als Kundin ausgibt, um dem Mörder eine Falle zu stellen, kommt es zur Katastrophe. Der Mörder ist technisch versiert und entgeht der Falle. Aus Rache tötet er die Frau des Psychologen. Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Harper Cole und ein EROS-Operatorkollege versuchen nun auf eigene Faust, den Täter zu identifizieren und dingfest zu machen. Aber dieser Psychopath ist mit allen Wassern gewaschen.

Man merkt dem Thriller an, dass er in den 1990ern entstanden ist, als das Internet und Chat-Rooms noch nicht zum Alltag der breiten Masse gehörten und Daten noch auf Disketten gespeichert wurden. Aus heutiger Sicht ist also die Technik, die hinter dem Ganzen steckt, nicht mehr so prickelnd. Insofern schleppt sich das erste Drittel ein wenig dahin. Aber dann zieht der Autor die Spannungskurve hoch und lässt sie nicht mehr absacken. Als Leser ist man immer hautnah am Ich-Erzähler Cole dran, der auch familiär ein Drama erlebt. Greg Iles gelingt es sogar, die Spannung immer weiter zu steigern – bis zum furiosen Finale. Die flüssig zu lesende Übersetzung stammt von Uwe Anton. Der Roman ist bei Bastei Lübbe erschienen, wird immer wieder neu aufgelegt und ist wirklich zu empfehlen.

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