Es war einmal in Amerika

Am letzten Wochenende hab ich endlich wieder mal Es war einmal in Amerika angeschaut, einen meiner Lieblingsfilme. Es war der letzte große Film, den Meisterregisseur Sergio Leone inszeniert hat – und hier darf man im wahrsten Sinne des Wortes von einer Inszenierung sprechen. Er arbeitete mehr als zehn Jahre an dem Projekt, das den Abschluss der Amerika-Trilogie (nach Spiel mir das Lied vom Tod und Todesmeldodie) bildet. Nach den Dreharbeiten hatte Leone über acht Stunden Material, das er zu einer Kinofassung schneiden musste.

Es war einmal in AmerikaDer Film war kommerziell kein Erfolg, was teilweise auf die Spieldauer von 220 Minuten und die nicht-chronologische Erzählweise zurückgeführt wird. Fürs US-Kinopublikum wurde der Film radikal um 80 Minuten gekürzt, was ihm dort allerdings auch keinen Erfolg bescherte. Wer die Langfassung kennt, wird verstehen, warum die Kurzversion nicht funktioniert. Der Film ist ein Epos über Freundschaft, Liebe, Loyalität und Verrat. Er lebt nicht nur von der Story, sondern auch von der Erzählstruktur, von den Bildern und den Leistungen der Schauspieler. Und natürlich von Ennio Morricones genialer Filmmusik, die zum Teil schon vor den Dreharbeiten komponiert wurde, damit Leone bestimmte Szenen auf die Musik abstimmen konnte. Neben Spiel mir das Lied vom Tod ist das für mich der Film, bei dem der Soundtrack den größten Einfluss auf den Gesamteindruck hat. Ich höre ihn übrigens immer wieder mal beim Schreiben, weil die Musik eine ganz bestimmte, eher melancholisch geprägte Stimmung transportiert.

Die Handlung setzt bei Schlüsselszenen ein, deren Zusammenhänge der Zuschauer erst nach und nach versteht. Es dauert eine halbe Stunde, bis Leone zum Anfang der Geschichte zurückgeht, der um 1920 spielt, um den Werdegang der Protagonisten zu schildern. Die anderen Erzählebenen decken 1933 und 1968 ab. Im New York der frühen Zwanzigerjahre treffen sich die Protagonisten Noodles und Max zum ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt sind sie etwa fünfzehn Jahre alt. Mit den zwei Jahre jüngeren Cockeye und Patsy sowie dem Knirps Dominic zieht Noodles in einem jüdischen Viertel um die Häuser und raubt Betrunkene aus. Als der ehrgeizige Max sich der Bande anschließt, streben sie bald nach Größerem und machen dem jugendlichen Gangsterboss des Viertels das Revier streitig. Dieser erschießt den kleinen Dominik, woraufhin Noodles ihm auflauert und ihn ersticht. Zwölf Jahre später wird Noodles aus dem Knast entlassen und von Max persönlich dort abgeholt. Max, Cockeye und Patsy haben inzwischen eine Organisation aufgebaut, die während der Prohibition viel Geld mit Alkoholschmuggel gemacht hat. Noodles nimmt seinen alten Platz in der Gang ein, doch es ist nicht mehr so wie früher. Die kriminellen Geschäfte werden immer brutaler und gefährlicher, und es gibt noch mächtigere Akteure in diesem Spiel, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Die Freundschaft der vier wird auf eine harte Probe gestellt.

Es war einmal in Amerika Sergio Leone

Neben Leones Bildersprache und der Musik tragen die Schauspieler den Film, allen voran Robert De Niro (Noodles), James Woods (Max) und Elisabeth McGovern (die Noodles’ große Liebe Deborah spielt). Die Akteure können alleine mit ihren Augen und dem Mienenspiel eine Geschichte erzählen. Auch mit der Auswahl der Kinderdarsteller bewies Leone ein glückliches Händchen. So kam ein Gesamtkunstwerk heraus, das den Vergleich mit Meilensteinen des Gangsterfilms wie Der Pate, Scarface, Good Fellas, Heat oder Departed nicht zu scheuen braucht. Für mich ist Es war einmal in Amerika ein Meisterwerk.

3 Antworten zu “Es war einmal in Amerika

  1. Dem kann ich nur zustimmen. Hab den Film selbst erst vor zwei Tagen zum ersten Mal gesehen und bin begeistert. Es dauert eine Weile, bis man inhaltlich mitkommt, finde ich, lohnt sich aber. Da passt einfach alles. Schauspieler, Musik, Inhalt, Ausstattung. Am besten gefallen mir die Szenen mit den Kinderdarstellern. Film und Soundtrack ein Meisterwerk.

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  2. Hoho, den MUSS ich mir unbedingt ansehen! Danke für den Tipp!

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  3. Super Film, ich liebe ganz besonders die Szene am Ende in der De Niro’s Charakter im opium den liegt und im Rausch des Vergessens gluecklich beseelt an die Decke guckt.

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