Der Pate

Der Pate I bis III (1972, 1974, 1990) gehört wohl zum Besten, was je zum Thema Mafia über die Leinwand geflimmert ist. Francis Ford Coppola hat aus Mario Puzos Romanvorlage ein zusammengenommen neunstündiges Epos über Gangster, Familienbande, Verrat und Mord gemacht, das seinesgleichen sucht. Ich hab mir kürzlich die restaurierten Fassungen in einer DVD-Box gegönnt, die leider einen dicken Wermutstropfen beinhaltet: Die Filme wurden neu synchronisiert, mit Ausnahme von Al Pacino und Diane Keaton haben alle Hauptakteure neue Sprecher erhalten. Wenn man die Originalsnychronisation kennt und gewohnt ist, erscheinen die neuen Stimmen erst mal wie Fremdkörper. Glücklicherweise hab ich die alten DVDs von Teil I und II noch und werde sie auch behalten.

Der Pate Coppola RestorationDie Trilogie spannt einen weiten Bogen von 1901 bis 1978 und schildert Aufstieg und Fall der Mafiafamilie Corleone. Zunächst ist Don Vito (Marlon Brando) als Pate (im Original heißt es Godfather) ihr Oberhaupt, später sein Sohn Michael (Al Pacino). In Rückblenden erzählt Coppola, der die Drehbücher zusammen mit Puzo verfasst hat, wie der junge Vito Andolini aus Corleone der sizilianischen Mafia entkommt und später (der junge Erwachsene wird von Robert De Niro verkörpert) Blutrache übt, um danach seinen Familienclan in New York aufzubauen. Nach seinem Tod entwickelt sich Michael zu einem echten Godfather, dessen Wort Gesetz ist. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn – und kriegt dies mit aller Härte zu spüren. Erst in den Siebzigerjahren versucht er, von diesem Weg wegzukommen und seine Geschäfte in die legale Welt zu verlagern. Er bemüht sich sogar um Versöhnung – etwas, das in seinen wilden Jahren undenkbar gewesen wäre. Doch wer sich der Mafia verschrieben hat, kommt dort so leicht nicht wieder raus, denn diese Organisation ist gnadenlos.

Sehr sehenswert sind auch die beiden Making-of-DVDs, in denen die abenteuerliche Entstehungsgeschichte der Mafia-Saga und ihr enormer Erfolg thematisiert wird. Wie Coppola den Regiestuhl übernahm und die Besetzung zustande kam, ist für sich allein gesehen schon ein spannender Krimi. Sogar die Mafia war im Spiel, die zunächst die Romanverfilmung verhindern wollte und später applaudierte, weil die Filme ihr Lebensgefühl teilweise wohl recht gut wiederspiegeln. Dies wurde den Filmen immer wieder auch vorgeworfen, wobei ich sie nicht als Verherrlichung mafiöser Gangsterstrukturen ansehe – die allermeisten Filmgangster enden auf eine Art und Weise, die absolut nichts Glorreiches an sich hat. Allerdings gelingt es Coppola, den Zuschauer in den Bann zu ziehen, obwohl nahezu alle Hauptfiguren Schwerverbrecher sind und Mord als legitime Geschäftspraktik ansehen. Es gibt eigentlich keine Identifikationsfiguren, trotzdem verfolgt man gespannt und durchaus fasziniert, was aus den Protagonisten wird.

Die Pate-Trilogie wurde ungefähr dreißigmal (!) für den Oscar nominiert und gewann neun, darunter die Auszeichnung als Bester Film für Teil I und II. Auch wenn dies allein noch nichts über die Qualität aussagt, darf man getrost von einem Meisterwerk sprechen.

4 Antworten zu “Der Pate

  1. Ich habs immer wegen Al Pacino geguckt :-)

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  2. Hab glaub ich mal den Anfang von Teil 3 gesehen. Mehr Mafia brauch ich nicht. Sind bestimmt tolle Filme, aber hier hab ich Mut zur Lücke.

    Gefällt 1 Person

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