The Revenant

Nach der Überarbeitung meiner Steampunk-Alternativwelt-Western-Story und der Deadwood-Dick-Lektüre kam mir dieser Film gerade recht, der für einigen Diskussionsstoff gesorgt hat: The Revenant – Der Rückkehrer brachte Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio den langersehnten Oscar ein, ebenso dem mexikanischen Regisseur Alejandro G. Iñárritu, außerdem den Kamera-Oscar für Emmanuel Lubezki und neun weitere Nominierungen. Bei den Golden Globes hat der Western ebenfalls abgeräumt: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller. Und bei den British Academy Film Awards: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Kamera, Bester Ton. Und so weiter und so fort.

Der TotgeglaubteThe Revenant basiert auf dem gleichnamigen Roman (auf Deutsch Der Totgeglaubte, erschienen bei Malik) von Michael Punke, der sich wiederum auf Überlieferungen und Legenden gestützt hat, die es über den historischen Pelztierjäger Hugh Glass gibt. Er überlebte Anfang des neunzehnten Jahrhunderts – laut mehreren Quellen – in den Rocky Mountains eine Grizzlyattacke und wurde von seinen Trapperkollegen schwerverletzt zurückgelassen. Nach sechs Wochen andauerndem Martyrium erreichte er Fort Kiowa, die nächste dauerhaft bewohnte Siedlung. Etwa zehn Jahre später starb er bei einem Kampf gegen Arikaree-Indianer. Was Wahrheit und was Mythos ist, lässt sich heute schwer feststellen – auf jeden Fall reizt mich das Buch, wie damals auch Butcher’s Crossing.

The RevenantLeonardo DiCaprio spielt diesen Hugh Glass, der im Film verwitwet ist und im Jahr 1823 nach dem Kampf mit dem Grizzly auch noch seinen Sohn verliert, den er zusammen mit seiner ermordeten Pawnee-Frau hatte. Als Glass schwerverletzt daniederliegt, tötet Trapperkollege John Fitzgerald (ausgezeichnet von Tom Hardy verkörpert) den Jungen vor den Augen seines Vaters, der nichts dagegen tun kann. Fitzgerald belügt den anderen Trapper, der bei dem Verletzten zurückgeblieben ist und lässt Glass zum Sterben liegen. Doch der Gedanke an Rache hält Hugh Glass am Leben. Mit gebrochenem Fuß kämpft er sich durch die Wildnis, erhält Hilfe von einem Pawnee-Krieger, gerät wiederholt mit den Arikaree aneinander und schafft es letztlich bis nach Fort Kiowa, wo er seine Trapperkameraden trifft, die ihn totgeglaubt haben. Unter ihnen ist auch John Fitzgerald. Bevor Glass ihn erwischt, flieht Fitzgerald in die Wildnis. Glass und der Anführer der Pelztierjäger folgen ihm durch Eis und Schnee, um ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Allein schon für seine physische Leistung hat DiCaprio sich den Oscar redlich erarbeitet. Er schwamm im kanadischen Winter durch eiskalte, reißende Flüsse und ging während der Dreharbeiten auch sonst an seine Grenzen. Mad-Max-Darsteller Tom Hardy hätte den Oscar für die beste Nebenrolle wohl auch verdient, für ihn reichte es aber nur zur Nominierung.

Der Film ist harter, blutiger Tobak, keine Frage. Das wird schon nach ein paar Minuten klar, als Arikarees das provisorische Lager der Pelztierjäger angreifen und etwa dreißig von ihnen umbringen, bevor das überlebende Dutzend entfliehen kann. Noch realistischer kann man ein solches Gemetzel kaum darstellen. Und den Kampf gegen den Grizzly muss man gesehen haben – anschaulich beschreiben kann man das gar nicht. Mit zweieinhalb Stunden ist The Revenant vielleicht etwas zu lang geraten, aber keineswegs langatmig. Unterm Strich ein intensives, beeindruckendes und nachwirkendes Filmerlebnis, für das man allerdings gewappnet sein sollte.

Ich glaub, als Kontrastprogramm muss ich mir mal wieder Der mit dem Wolf tanzt anschauen, der zwar auch um Authentizität bemüht ist, aber weniger durch harten Realismus beeindruckt, sondern vielmehr durch die epische Erzählweise. Zurzeit läuft der Soundtrack von John Barry als Hintergrundberieselung fürs Schreiben bei mir eh rauf und runter.

7 Antworten zu “The Revenant

  1. Wird wohl nach Titanic der zweite große Leo-Film sein, den ich mir spare. So sehr ich Leo mag, so sehr öden mich Western-Storys an. Was für einen Trekkie merkwürdig ist. Aber mir ging es beim Lesen wieder so: Och neee. Langweilig.

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  2. Für Western, Southern-Gothic oder Country-Noir bin ich immer zu haben. Deshalb wartet „Der Totgeglaubte“ auch noch auf mich im Regal. Hatte mir eigentlich vorgenommen, das Buch zu lesen, bevor ich mir den Film gönne. Mal sehen, ob das bei dem turmhohen SUB zeitlich hinhaut.

    Und danke auf den Hinweis mit John Barry. Den muss ich doch gleich mal auf meinen Wunschzettel … :-D

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  3. Cathrin Rubin

    Ich glaube, genau dieses „den Oscar erarbeitet haben“ stört mich an dem Film. Es ist so offensichtlich, dass DiCaprio nur deshalb diesen Film gemacht hat. Aber sehenswert ist er natürlich trotzdem. Muss ich auch noch nachholen ;-)

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