Der Totgeglaubte

Nachdem ich die Verfilmung The Revenant – Der Rückkehrer gesehen hatte, musste ich unbedingt auch das Buch lesen. Der historische, auf Tatsachen beruhende Abenteuerroman von Michael Punke erschien auf Deutsch unter dem Titel Der Totgeglaubte bei Malik (gehört zur Piper Verlag GmbH).

Der TotgeglaubteIm Jahr 1823 ist ein Pelztierjägertrupp unter dem Kommando von Captain Henry in den nördlichen US-Territorien unterwegs, als Hugh Glass von einem Grizzly angegriffen wird. Henry lässt zwei Trapper bei dem Schwerverletzten zurück, die ihn begraben sollen, wenn er es nicht überlebt. Doch die beiden bleiben nicht bei ihm, weil sich feindliche Indianer in der Nähe herumtreiben. Glass’ unbändiger Hass auf die beiden, die ihn im Stich gelassen und seiner Waffen beraubt haben, hält ihn am Leben. Es gelingt ihm, allen Widrigkeiten zum Trotz, nach einem wochenlangen Martyrium einen Handelsposten zu erreichen, wo er sich neu ausrüstet, um die beiden Ex-Kameraden zu verfolgen. Mit einer kleinen Trappergruppe fährt er in einem Kanu den Missouri River flussaufwärts, doch wieder schlägt das Schicksal zu: Bei einem Angriff der Arikara werden einige Trapper getötet, Glass entkommt den Indianern und muss sich erneut allein durch die Wildnis kämpfen. Seinen Racheplan gibt er aber auch jetzt nicht auf.

The RevenantDie Verfilmung schildert nur einen Teil des Romans, die gesamte zweite Buchhälfte wird im Film stark verkürzt und verändert dargestellt. Der Roman leistet zudem etwas, das der Film fast völlig ausklammert: Er zeichnet nicht nur das Leben der Hauptfiguren nach, sondern auch ein Bild von der Eroberung bislang unbekannter Territorien durch die Weißen, die ein Netz von Handelsposten aufgebaut und notfalls mit Waffengewalt gegen die Einheimischen verteidigt haben. Die Wagnisse und Entbehrungen, aber auch das raue und teilweise brutale Leben, das die Trapper geführt haben, kommen im Buch deutlicher zur Geltung, ausgeschmückt mit vielen Details, angefangen von der Handhabung und Pflege der Waffen über die Bekleidung und Nahrung bis hin zum Aussehen und zur Ausstattung der primitiven Handelsposten und Forts. Neben dem Aufbau des kommerziellen Pelzhandels ist auch das Zusammenleben mit den Indianern, die teilweise mit den Weißen Handel trieben, und der Kampf gegen die Stämme, die nicht friedlich gesonnen waren, immer wieder Thema.

Über allem steht jedoch das, was Hugh Glass erlebt und durchmacht. Punke schildert dies so haut- und realitätsnah, dass man es als Leser tatsächlich miterleben kann. Wenn der Trapper dem Erfrieren nahe ist, kann einem schon mal das Frösteln kommen, und wenn er sich von Aas zu ernähren versucht, grummelt es einem im Magen. Die Landkarte in der Hardcover-Ausgabe hilft, die Strecken nachzuvollziehen, die Hugh Glass zu bewältigen hat.

Der Totgeglaubte ist ein großartiger, beeindruckender Roman und fast schon eine Art Zeitdokument, auch wenn nur der historische Rahmen und grobe Handlungselemente verbürgt sind.

6 Antworten zu “Der Totgeglaubte

  1. Ach, einen Roman gibt es auch dazu. Sehr interessant. Du erstellst hier wirklich eine sehr schöne Reihe von Besprechungen.

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  2. Wow! Den hole ich mir!

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