Das Ding aus einer anderen Welt

Astounding SF August 1938John W. Campbell veröffentlichte unter dem Pseudonym Don A. Stuart seine SF-Horror-Novelle Who Goes There? im Jahr 1938 in ASTOUNDING SCIENCE-FICTION (das es unter dem Namen ANALOG übrigens immer noch gibt!), als er selbst der Herausgeber dieses amerikanischen Magazins war. Wer sich für alte Pulp Magazine interessiert, kann kostenfrei die August-Ausgabe 1938 als PDF herunterladen. Seitdem wurde die Novelle mehrfach verfilmt und sicherlich unzählige Male in Anthologien abgedruckt. Beim Festa Verlag erschien sie jetzt auch in einer eigenständigen Buchausgabe, allerdings zusammen mit dem Horrorroman Parasite Deep – Parasiten aus der Tiefsee von Shane McKenzie als Wendebuch, da die Novelle nur etwa 100 Seiten lang ist.

Das DingIn einer Antarktis-Forschungsstation sehen sich die knapp 40 Crewmitglieder mit einem Fund konfrontiert, der vermutlich Jahrmillionen im ewigen Eis gelegen hat: Ein Wesen aus einer anderen Welt taut in der Station langsam aus dem Eisblock auf, in dem es geborgen wurde, bevor das Raumschiff, dem es entstammt, bei der Bergungsaktion zerstört wurde. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, ob von dem Alien nicht eine zu große Verseuchungsgefahr ausgeht, wenn es aus dem Eis befreit wird – wer weiß schon, was es aus seiner fremden Welt auf die Erde eingeschleppt hat? Dennoch wird es aufgetaut, denn es bietet natürlich auch die einmalige Gelegenheit, ein extraterrestrisches Lebewesen zu untersuchen, von dem die leitenden Wissenschaftler glauben, dass es tot ist und alle Keime längst abgestorben sein müssen. Dass dem nicht so ist, kann man sich denken – und so kommt es, wie es kommen musste: Das Ding aus einer anderen Welt befreit sich und befällt fortan die Schlittenhunde und auch die Crewmitglieder. Es kann die Gestalt seiner Opfer nachahmen, wodurch niemand in der Forschungsstation mehr sicher sein kann, ob sein Gegenüber noch ein Mensch ist.

Das Ding FilmErstmals wurde die Novelle 1954 von Howard Hawks und Christian Nyby unter dem Titel The Thing verfilmt. Damals jedoch nicht besonders werksgetreu, man orientierte sich nur an der Grundidee. Wesentlich näher an Campbells Geschichte blieb John Carpenter, der sich 1982 an eine Neuverfilmung wagte, die längst Kultstatus genießt (wie viele andere Carpenter-Streifen auch). Kurt Russell spielte die Hauptrolle, und Rob Bottin sorgte für die Tricktechnik, mit der das sich immer wieder verwandelnde Alien auf der Leinwand endlich auch storygerecht dargestellt werden konnte. Den Soundtrack steuerte Ennio Morricone bei, allerdings ergänzt durch einige Tracks von Carpenter himself, der in jüngster Vergangenheit auf einer Live-Tour die selbstkomponierte Musik aus seinen Filmen präsentiert hat. Ich hab den Film schon zigmal gesehen und kann ihn immer wieder anschauen.

Kein Witz: Gemäß einer Tradition sehen sich die Crewmitglieder der realen Südpol-Station gemeinsam beide Filmversionen von The Thing an dem Tag an, an dem das letzte Flugzeug vor dem Winter die Station verlässt. Makaber, makaber.

Das Ding Parasite DeepDer Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich den anderen Roman des Wendebuchs, Parasite Deep, nur quergelesen habe. Wer einen kurzen, derb-deftigen B-Movie-Horror-Roman im FSK-18-Format lesen möchte, in dem kaputte, permanent fluchende Typen von Meeresungeheuern gefressen werden, kann ja mal reinlesen. Ich mag zwar viele B-Movies, aber hier fehlt mir das gewisse Etwas, das einigen von diesen Filmen zum Kultstatus verholfen hat. Trotzdem lohnt sich das Buch: Who Goes There? ist ein großer Klassiker und Meilenstein der Science Fiction.

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