Basar der bösen Träume

Als ich im Kindesalter anfing, selbst Geschichten zu schreiben, ahmte ich verschiedene Vorbilder nach. Sie wechselten relativ häufig, so dass keiner dieser Autoren wirklich bleibende Eindrücke hinterließ. Erst Stephen King brachte mich dazu, mich ernsthafter und dauerhafter mit dem Schreiben zu befassen. Inspirierend und motivierend waren dabei vor allem seine Kurzgeschichten und Novellen in Nachtschicht und Frühling, Sommer, Herbst und Tod. Seitdem habe ich alle seine Storysammlungen gelesen (zumindest meine ich, keine verpasst zu haben, aber bei Kings Output kann man schon mal den Überblick verlieren). Auch wenn ich bei den weiteren Sammlungen (leider) nie mehr diesen WOW!-Effekt wie bei den beiden oben genannten hatte, gab es immer Storys, die das Lesen dieser Bücher lohnenswert machte. So ist es auch dieses Mal: Basar der bösen Träume enthält zwanzig Erzählungen des Meisters. Vom 6-Seiten-Gedicht bis zur 90-Seiten-Novelle ist die große Bandbreite vertreten, die seine neueren Storysammlungen kennzeichnet. Nicht alles war nach meinem Geschmack, zum Beispiel sind seine Gedichte oder Baseball-Geschichten nicht so ganz mein Fall, aber ein Dutzend guter bis sehr guter Erzählungen sind eine Ausbeute, für die sich die Anschaffung und Lektüre des Buches allemal gelohnt hat.

Basar der boesen Traeume von Stephen King

Gleich die erste Novelle Raststätte Mile 81, in der die Besucher einer Interstate-Raststätte ihr blaues Wunder erleben, erinnert an Kings gute alte Zeit, in der er aus einfachen, aber genialen Grundideen spannend-unterhaltsame Geschichten gezaubert hat. Gleiches gilt für Böser kleiner Junge, wo ein zum Tode Verurteilter erzählt, warum er einen kleinen Jungen erschossen hat. In Ur gewährt ein eBook-Reader buchstäblich Einblick in andere Welten, und sein Besitzer kriegt allmählich Muffensausen. In Nachrufe entdeckt ein Autor die Macht des geschriebenen Wortes und gerät dadurch in eine bitterböse Zwickmühle. Dass er auch amüsant-unterhaltsame Geschichten draufhat, beweist King mit Feuerwerksrausch, wo ein paar Hobby-Feuerwerker einen irrsinnigen Wettstreit um das gewaltigste Feuerwerk anzetteln. Letztere Geschichte ist, wie einige andere auch, etwas zu lang geraten, aber das kennt man ja von ihm.

Obwohl 16 Übersetzer tätig waren, lesen sich die Geschichten, als wäre es nur einer gewesen. Das mag an Kings Stil liegen, der sich in all den Jahren kaum verändert hat – zumindest nicht bei den oben erwähnten Erzählungen. Vielleicht wurde auch im Lektorat gelegentlich etwas angeglichen. Jedenfalls ist das Buch insgesamt eine runde Sache, auch wenn ich nicht alle Geschichten zu Ende gelesen habe (bei Storysammlungen und Anthologien ist das bei mir aber meistens so – ein paar „Ausfälle“ kann ich leicht verschmerzen).

5 Antworten zu “Basar der bösen Träume

  1. Ich habe die gesamte Sammlung als Hörbuch angehört – und war begeistert. Irgendwo in meinem Blog muss da noch ein Beitrag sein. Die Grundidee von ‚‚Ur“ fand ich absolut faszinierend, wohingegen ich dem Gedicht nicht viel abgewinnen konnte (bin halt eher der Prosa als der Lyrik verhaftet). Dennoch: Ich stimme dir eindeutig zu, das Buch ist lesens-/hörenswert.

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  2. Ich habe zwar noch nichts von King gelesen, und es interessiert mich eigentlich auch nicht – aber ich finde es immer spannend zu erfahren, wie sich bei anderen das Interesse an Literatur entwickelt hat.

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  3. Das ist mit wenigen Worten nicht zu schaffen. Bei mir hat es mit der Faszination für die Raumfahrt angefangen. Als Kind habe ich jeden Raumflug verfolgt. Ich war zwölf, als die Amis auf dem Mond landeten. Ich habe ich die Gemeindebücherei nach Weltraumabenteuern durchstöbert und bin schließlich bei Perry Rhodan gelandet. Und ich habe natürlich „Raumpatrouille“ gesehen (wobei ich nicht behaupten, bei der Erstausstrahlung 1966 vor dem Fernseher gesessen zu haben, aber bei der ersten Wiederholung 1968 mit Sicherheit). Jetzt komme ich doch glatt ins Plaudern.

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