Passagier 23

Laut Info auf der Backcover-Innenseite ist Sebastian Fitzek der erfolgreichste Autor von Psychothrillern in Deutschland. Angesichts der unglaublichen 1.114 Bewertungen für Passagier 23 und 1.341 Bewertungen für seinen Debüt-Roman Die Therapie auf Amazon (Stephen-King- oder Andreas-Eschbach-Romane kommen dort beispielsweis auf 100 bis 600) glaubt man das sofort, zumal auch andere Bücher von ihm eine ähnlich breite Resonanz aufweisen.

Passagier 23Polizeipsychologe Martin Schwartz geht bei seiner Arbeit extreme Risiken ein, seit er vor einigen Jahren bei einer Kreuzfahrt auf der Sultan of the Seas seine Familie verloren hat. Mutmaßlich hat seine Frau den gemeinsamen Sohn mit Chloroform betäubt und über Bord geworfen, anschließend ist sie selbst hinterhergesprungen. Als sich Schwartz nun die Chance bietet, auf dem Schiff nachzuforschen, was damals tatsächlich geschehen ist, nimmt er diese Gelegenheit ohne Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit wahr. Er findet heraus, dass jedes Jahr weltweit etliche Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen spurlos verschwinden – angeblich alle durch Selbstmord, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Denn auf diesen Schiffen, auf denen es keine Polizei und oftmals nur unterbesetzte Sicherheitsdienste gibt, werden genauso Straftaten verübt wie überall woanders auch, aber die Reedereien vertuschen sie lieber, als ihre Schiffe in Verruf geraten zu lassen. Schwartz kommt dem zwielichtigen Reeder der Sultan und seinem nicht minder zwielichtigen Kapitän auf die Spur – doch diese bieten ihm eine Zusammenarbeit an. Wenn er ihnen hilft, aktuelle Fälle von verschwundenen und einem auf mysteriöse Weise wieder aufgetauchten Passagier zu lösen, findet er vielleicht auch heraus, wer seine Familie auf dem Gewissen hat.

Fitzek schreibt rasant, das konnte ich schon bei anderen Thrillern von ihm feststellen. Beinahe jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, und er wechselt die Schauplätze und Erzählperspektive so schnell, dass man sich konzentrieren muss, um nicht den Überblick zu verlieren. Dadurch macht er seine Bücher zu Pageturnern, die man kaum aus der Hand legen kann. Die Figuren in Passagier 23 sind keine blassen 08/15-Typen und bieten viel Reibungsfläche. Die alte Dame, die als Dauergast auf der Sultan mitfährt und Schwartz an Bord lotst, erscheint allerdings ziemlich überkandidelt und nervig. Einige unpassende Metaphern (z.B. „eine Blase so voll wie die U-Bahn nach einem Hertha-Spiel“) sollte man als Leser auch verschmerzen können, dann bietet der Roman spannende Thrillerunterhaltung, die immer wieder mit überraschenden Wendungen gewürzt wird.

4 Antworten zu “Passagier 23

  1. Okay nicht „Splitter“ 😊

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  2. Ich kenne nur »Noah« von ihm, das war ok, aber zum Teil schon sehr weit hergeholt. Dennoch kann ich mir vorstellen, dem »Passagier 23« eine Chance zu geben. Gerade höre ich voller Begeisterung »Der Totgeglaubte« — da war deine Empfehlung ein wirklicher Volltreffer! Vielen Dank! 👍🏻

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    • Freut mich, dass dir „Der Totgeglaubte“ gefällt! :-)
      Mit Fitzeks Romanen ist das so eine Sache: Es ist immer eine Gratwanderung zum „weit hergeholt“, denn er setzt gern immer noch eins und nochmal eins drauf, und da besteht natürlich diese Gefahr. Man muss sich darauf einlassen können.

      Gefällt 1 Person

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