Was dürfen Bücher kosten?

Angeregt durch zwei Blog-Artikel, die ich kürzlich gelesen habe – bei literaturfrey und translate or die – und aufgrund der Überlegungen, die wir zum Preis der BIOM-ALPHA-Sammelbände angestellt haben, habe ich mir Gedanken über die Preise von Büchern gemacht.

Bei mir ist es so, dass ich nicht in erster Linie auf den Preis schaue und mir das glücklicherweise auch leisten kann und mag. Dafür feiere ich selten Kauforgien und versuche, meine Buchkäufe zu dosieren, was auch meinem begrenzten Regal-Platz zugutekommt. Bücher, die ich nicht unbedingt im Regal stehen haben muss, erwerbe ich gern als eBook, was meistens Geld spart – teilweise sogar eine ganze Menge.

Ich bin bekennender Büchernarr. Mir kommt es nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Aufmachung. Und wenn Letztere besonders schön gestaltet ist, zahle ich für ein Buch gern etwas mehr. Ich habe einige Sonderausgaben gekauft, etwa von der Edition Phantasia oder zuletzt den Lansdale-Storyband von Festa, die auch schon mal über 30 oder 40 Euro kosten dürfen, wenn mich ein Buch wirklich interessiert. Nicht, dass ich unbedingt so viel zahlen möchte, aber wenn es mir ein Buch wert erscheint, dann zahle ich den Preis eben. Ein gutes Essen kostet mit Vor- und Nachspeise und Getränken auch so viel, und ganz ehrlich: Von dem Buch habe ich mehr und länger etwas.

Es kommt also immer darauf an. Beispielsweise sind 16,90 Euro für die Golkonda-Paperbacks nicht billig, aber ich nehme den Preis für die toll aufgemachten Bücher in Kauf. Es ist mir in diesem Fall 2 bis 4 Euro mehr als üblich wert, und ich zahle diesen „Obolus“ auch als Honorierung für die gute Arbeit, die der Verlag leistet. Wenn ein Buch nicht so schön aufgemacht ist, sollte es jedoch entsprechend weniger kosten. 15 Euro für einen schlicht gehaltenen Paperback-Ziegelstein mit Großdruck erscheint mir gelegentlich als zu viel – es sei denn, der Autor und das Buch haben es mir wirklich angetan, dann zögere ich nicht lange.

Bei teureren Büchern überlege ich allerdings im Regelfall sehr genau, ob ich sie tatsächlich haben will / muss und habe mich schon richtig über aufgeblähte, dicke Paperbacks mit riesengroßer Schrift geärgert, die man auch günstiger hätte anbieten können (wobei ich mit schlechter werdenden Augen allzu kleine Schrift auch nicht mag). Ein Euro rauf oder runter ist für mich nicht ganz entscheidend, zumal ich manchmal ein Buch auch einfach aus dem Bauch heraus kaufe (und gelegentlich bleibt es dann ungelesen im SUB liegen …), trotzdem möchte ich mein Bücherbudget nicht über Gebühr strapazieren. Bisher hab ich es, glaub ich, immer im Rahmen gehalten. Na ja, meistens jedenfalls.

Hardcover kaufe ich, wenn ich aufs Taschenbuch nicht warten will. Gelegentlich auch einfach, weil ich halt ein Büchernarr bin und Hardcover besser in der Hand liegen (bei Taschenbüchern muss ich immer darauf achten, beim Lesen den Buchrücken nicht zu knicken, weil das ein Sakrileg ist …) bzw. sich schön im Wohnzimmerregal machen (dort stehen mittlerweile fast nur noch Hardcover).

Grundsätzlich muss jeder für sich selber entscheiden, was er für ein Buch auszugeben bereit ist. Da ich als Leser und Autor beide Seiten der Medaille kenne und natürlich froh bin, wenn Leistung entsprechend honoriert wird, bin ich bei Büchern, die ich grundsätzlich als wertvolles Gut erachte – wertvoller beispielsweise als Schmuck, auf den ich verzichten kann – gerne bereit, auch mal tiefer in die Tasche zu greifen. Unter der Voraussetzung, dass es mir ein Buch wert erscheint.

Wie seht ihr das?

23 Antworten zu “Was dürfen Bücher kosten?

  1. Ich seh das ähnlich – spezielle Ausgaben dürfen gern etwas mehr kosten, ansonsten kaufe ich in den letzten 2, 3 Jahren vermehrt E-Books, um die Regale nicht unnötig zu belasten. Bei Büchern, die ich liebe, folgt dann unweigerlich auch das Printbuch. Bevozugt Hardcover, weil die sich gut im Wohnzimmerregal machen und so wunderschöne Cover haben. An mir können Autoren echt was verdienen ;-)

    Was ich völlig unverständlich finde, ist, wenn Leute ein E-Book kaufen, lesen und gegen Kostenersatzzurückgeben. Ich rede hier nicht von „versehentlich geklickt“ oder „hab ich abgebrochen“, sondern von Menschen, die für eine konsumierte Ware nichts bezahlen wollen, indem sie die Rückgabe ausnutzen. Im Restaurant kämen sie nie auf die Idee, ihr Essen nicht bezahlen zu wollen, ihren Steuerberater entlohnen sie auch brav, aber E-Books dürfen nichts kosten, weil es keine angreifbare Ware ist?
    Ich hatte da ein paar spannende Diskussionen in letzter Zeit, die auf die Meinung hinausliefen „wenn ich für Luxus nichts zahlen muss, werde ich auch nichts zahlen, Autoren sind selbst schuld, wenn sie E-Books machen, und ich werde das System ausnutzen, wo ich nur kann“. Lässt mich nur mit einem traurigen Kopfschütteln zurück.

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    • Ich hab auch schon Printbücher nachgekauft, wenn mir ein eBook gut gefallen hat – meine Bücherregale sind für mich so etwas wie Schatzkammern, und da gehören Schätze nun mal hin. :-D

      Diese „System-ausnutzen-wo-es-nur-geht“-Mentalität finde ich auch zum Kotzen. Letztlich sägen diese Leute sich oftmals indirekt selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen – ohne es kapieren.

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  2. Ich mag geknickte Buchrücken und weitere Anzeichen dafür, dass das Buch fleißig gelesen wurde. Solange sich die Seiten dabei nicht lösen.

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  3. Ich bin inzwischen in dem Alter angekommen, in dem ich mir ab einem gewissen Preis überlege, ob ich etwas unbedingt haben muss, oder nicht. Als ich vor einigen Jahren eine Sonderausgabe der Edda mit Kunstdrucken darin entdeckt hatte, kam mir der Preis von 560 NOK (so um die 50 Euro) moderat vor, und ich das Buch gekauft. Wie der Verfasser des Artikels mag ich die Bücher vom Golkonda Verlag schon von der Aufmachung her, und habe keine Probleme damit, den Preis zu zahlen, der verlangt wird.
    Ob Taschenbücher einen Knick im Rücken haben, ist mir gleichgültig. Hauptsache, die Seiten fallen nicht raus.
    Einer meiner persönlichsten Schätze ist eine Taschenbuchausgabe von Pirsigs „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“, das mal in einem Liebeskrieg als Wurfgeschoss herhalten musste und anschließend mit gelb-grünem Isolierband geflickt wurde. Es ist aus den späten 80ern, und man kann es immer noch lesen.
    Hardcover-Ausgaben kaufe ich mir, wenn sie im Angebot sind, und wenn in meinem Umkreis eine Bibliothek ihre Bestände für richtig kleines Geld entsorgt, habe ich gewöhnlich ein paar Kilo zu tragen.
    Es ist vorgekommen, dass ich etwas als Ebook angelesen habe, um dann auf Taschenbuch umzusteigen. Ein Buch im Regal ist ja nicht nur der Text. Jedes Mal, wenn man es anschaut, erinnert man sich an das Erlebnis, das man an einer Geschichte hatte. In diesem Sinne finde ich Ebooks zwar praktisch (und platzsparend!), aber auch irgendwie nichtssagend und profan – aber eben manchmal auch unwiderstehlich preisgünstig im Verhältnis zum Papierbuch, vor allem angesichts der Tatsache, dass mir die Bücher immer noch zugeschickt werden müssen, und ich nicht in der EU lebe.
    Und dann gibt es immer wieder den Moment, wo ich etwas einfach haben ´muss´. Comic-Sammelbände wie den „Incal“ oder die „Technoväter“. Da ist es mir dann vollkommen egal, wie hoch der Preis ist, ich will die Bücher einfach nur in die Arme schließen können.
    Und ich mag die Stapel noch ungelesener Schätze im Haus. Die sind irgendwie viel realer als die Ebooks auf dem Kindle.

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    • Gedruckte Bücher sind tatsächlich weit mehr als der enthaltene Text – das macht auch für mich den Hauptunterschied zum eBook aus, das eher ein Gebrauchsmedium ist. Ähnlich verhält es sich mit Vinylplatten im Vergleich zu MP3-Dateien: So eine Platte kann man anfassen, sie hat ein Cover und eine Schutzhülle, und wenn ein Kratzer drin ist, ist das zwar ärgerlich, aber evtl. auch mit einer Erinnerung verbunden, wie der Kratzer in die Platte gekommen ist. Allein schon die Cover im Regal wecken – wie beim Buch – gewisse Erinnerungen und Assoziationen zum Inhalt. Eine Liste mit Musikdateien – oder eBooks – ist eben nur eine Liste mit Dateien, mehr nicht.

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  4. Das ist ein schöner Beitrag und ich kann vieles von dem unterschreiben, was du sagst. Ich kaufe meine Bücher zwar auch gebraucht oder als Mängelexemplar, aber wenn ich ein neues Buch haben will, investiere ich gern auch ins Hardcover, wenn es ein schönes Buch ist (Kindler hat sich für die Trilogie von Palma da viel Mühe gegeben) und es kann mir mittlerweile manchmal sogar passieren, dass ich mich ärgere, weil ein Taschenbuch für meine Begriffe zu günstig ist.

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    • Ärgern weil zu günstig – das ging mir bisher nur bei eBooks so, weil Gedrucktes doch seinen Preis hat. eBooks werden teilweise verschleudert, das haben Bücher – auch elektronische – nicht verdient. Gerade diese 0,99-Euro-Romane – das hat irgendwie was vom 1-Euro-Laden, wobei ich gegen solche Läden nichts Grundsätzliches habe, aber für einen Roman von mehreren hundert Seiten ist das kein angemessener Preis.

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  5. Gestern habe ich mir ein Ebook gekauft, das sich von der Leseprobe her sehr gut anließ, für 0,99. Umfang etwa 260 Seiten. Das Tb sollte 9,99 kosten. Da habe ich Lust, der Autorin eine Mail zu schicken und sie darum zu bitten, sich nicht so billig zu verkaufen, und auch das Ebook als ihr geistiges Erzeugnis bitte ernst zu nehmen. Manchmal habe ich den Eindruck, da herrscht derzeit total Wildwest. Spler verramschen ihre Bücher für einen Appel und ein Ei, Verlage verkaufen Tb und Ebook zum gleichen Preis … Die teuersten Ebooks, die ich mir bisher geleistet habe, lagen bei fast 18 Euro (Rothfuss` „Königsmörder“-Chronik). Geht auch, solange das Ebook gut gemacht ist. Wohingegen ich letztens ein Ebook von Gaiman für 10 Euro gekauft hatte (von Heyne!), bei dem das Cover fehlte, und ein anderes Verlagsbuch, das offensichtlich eingescannt worden war, und massenweise Einlesefehler in Form falscher Buchstaben und sinnloser Kursivschrift enthielt.
    Generell basteln wir wohl noch alle an der neuen digitalen Buchzeit.

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    • Schlecht gemachte eBooks mit massiver Fehlerquote sind letztlich eine Frechheit gegenüber dem Kunden. Wenn beim Einscannen sowas rauskommt und ungeprüft – oder in Kenntnis der Fehler – verkauft wird, schadet das dem Verlag und dem Medium eBook allgemein. Sowas ist ärgerlich – unabhängig vom Verkaufspreis.

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      • Du sagst es. Besonders bei Verlagsbüchern, die immer auf ihren Unkosten herumreiten, die sie bei der Erstellung von Büchern haben. Ein Zeichen dafür, dass da entweder niemand wirklich Ahnung hat, oder sie es immer noch nicht ernst nehmen.
        Bei SPlern bin ich tatsächlich etwas nachsichtiger, was ev. Fehler angeht, solange die Geschichte an sich gut ist.

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  6. Also ich nickte hier und da und sehe es ganz ganz ähnlich. Wobei ich immer schaue, ob ich ein Buch auch gebraucht irgendwo erstehen kann. Außer es sind Neuerscheinungen und die Autoren liegen mir am Herzen. Die Ausgaben einiger meiner Lieblingsblogger zum Beispiel. Da freu ich mich dann total eine Erstausgabe zu haben. Ach und ein Buch hab ich mir wirklich gekauft, für wirklich 40 Euro. Das ist der erste Fotoband von Oliver Rath. Das steht hier als Deko ganz vorne und wehe da wagt es nur irgendwer ein Eselsohr oder auch nur einen Niesfleck dem Buch zu nahe kommen zu lassen :D
    Ansonsten finde ich Eselsohren übrigens ebenso charmant. Oder ein Kaffeefleck ist ebenfalls kein Problem. Das Bücher wandern und just einer ebenfalls ähnliche Emotionen bei diesem und jenem Buch hatte, oder vielleicht auch völlig andere. Das sind spannende Gedanken. Und hey, neulich las ich ein Buch von 1000 Seiten. Dieses Buch fuhr mit mir nach Berlin. Es ist Zug gefahren. Sehr oft Ubahn. Es teilte mit mir Bett und Sofa. Nach zwei Rotwein, einen Fleck. Zug zurück. Dann Straßenbahn in Bremen. Es durfte mit Picknicken. Am Wasser. … Das geht nicht ohne Spuren. Und das ist irgenwie auch schön so :)
    Liebe Grüße zu dir !

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    • Ja, fast kommt es einem so vor, als wären Bücher Lebewesen. Auf jeden Fall sind sie treue Begleiter, die einem sogar widersprechen können. :-D Nicht im Gespräch, aber der eigenen Meinung.
      Bildbände dürfen auch etwas teurer sein, vor allem, wenn sie auf qualitativ hochwertigem Papier und farbig gedruckt sind. Wobei es da auch große Unterschiede gibt.
      Beste Grüße zurück!

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  7. Grundsätzlich ist es sehr wichtig, dass man für gute und schöne Bücher zu zahlen bereit ist: Davon lebt ihre Herstellung. Andererseits geht das ganz schön ins Geld und deshalb lande ich immer wieder im Antiquariat, wo ich dann auch wieder mag, wenn in den Büchern alte Widmungen drinstehen oder Fotos rausfallen – auch eine Wertsteigerung. Büchermarkttechnisch ist das natürlich verheerend.
    Wie mein Antiquar sagte: Der Buchhandel lebt nicht den Büchern, die gelesen, sondern denen, die verkauft werden. Früher hatte er eine angesehene Buchhandlung. Leider war ich damals noch nicht in soliden Arbeitsverhältnissen und ich konnte mir dort echt nichts leisten.

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  8. Ich handhabe es ähnlich wie Du. Gute Bücher dürfen ihren Preis haben. Taschenbücher knicke ich nicht und wenn es geht, hole ich mir lieber eine schöne gebundene Ausgabe.
    eBooks mag ich nicht. Letztlich sind das Textdateien und keine Bücher.
    Und Biomalpha dürfte demnächst bei mir eintrudeln. Zum Glück habt ihr das doch noch in echt gedruckt. ;)

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