Penny Dreadful

Während seit einiger Zeit Remakes und Fortsetzungen von Publikumserfolgen sowie Aufgüsse in 3D das Kino zu beherrschen scheinen, entwickeln Miniserien immer mehr ihr Innovationspotential fürs filmische Storytelling. Längst haben Produzenten erkannt, dass man in diesem Sektor, wenn man es richtig macht und entsprechend Geld in die Hand nimmt, komplexere Geschichten erzählen kann, die das Publikum begeistern und binden. Längst agieren Schauspieler, die man früher nur auf der Leinwand sah, auch in diversen Serien, die mit herkömmlichen, billig produzierten und schnell abgedrehten TV-Serien und Daily Soaps nichts gemeinsam haben. Um ein Beispiel zu nennen: Ein realitätsnaher Film über den Zweiten Weltkrieg wie Der Soldat James Ryan, Spielbergs Meisterwerk und ein Meilenstein der Kinogeschichte, lässt sich auf die althergebrachte, familientaugliche Art und für herkömmliche Produktionskosten nicht adäquat für den Bildschirm umsetzen, aber mit den Miniserien Band of Brothers und The Pacific haben HBO und Spielberg bewiesen, dass man den Vergleich zur großen Leinwand nicht zu scheuen braucht. In zehn Folgen zu je ungefähr 50 Minuten lässt sich nicht nur ein kleiner Ausschnitt eines Ereignisses erzählen, man kann das Ereignis komplett und in vielen Facetten abbilden. Außerdem muss das Publikum nicht ein Jahr warten, bis die Geschichte weitererzählt wird, wie es etwa beim Herrn der Ringe der Fall war.

Penny Dreadful 1Ein Penny Dreadful ist das viktorianische Pendant zu unserem Groschenroman – und es ist der Titel einer amerikanisch-britischen Fernsehserie von Showtime, die es in sich hat. Produzent und Drehbuchautor John Logan hat dafür nahezu alles aufgeboten, was in der viktorianischen Schauerliteratur bzw. Gothic Fiction Rang und Namen hat: Victor Frankenstein samt Kreaturen, Dorian Gray, Dracula, van Helsing und Mina Murray sowie deren Vater, der versucht, seine Tochter den Klauen der Vampire zu entreißen. Hinzu gesellen sich eine vom Teufel Besessene, ein amerikanischer Kunstschütze mit dunklem Geheimnis und noch einige mehr.

Im Jahr 1891 ist Sir Malcolm Murray (gespielt von Ex-James-Bond Timothy Dalton) auf der Suche nach seiner Tochter Mina, die er in den Fängen von Vampiren vermutet. Dabei hilft ihm Vanessa Ives (Eva Green), eine Freundin von Mina. Sie heuern den amerikanischen Kunstschützen Ethan Chandler (Josh Hartnett) an, der gerade in London mit einer Wildwest-Show gastiert. Außerdem hilft ihnen Victor Frankenstein mit seinen medizinischen Kenntnissen. Nach und nach erfährt der Zuschauer in den acht Episoden der 1. Staffel, dass alle ein mehr oder weniger dunkles Geheimnis mit sich herumschleppen. Vanessa Ives ist von einem Dämon besessen. Frankenstein wird von der von ihm zum Leben erweckten Kreatur erpresst, er soll eine Gefährtin erschaffen. Und Chandler läuft im Grunde vor sich selbst weg – oder vor dem, was in ihm schlummert. Später kreuzen Dorian Gray und Abraham van Helsing die Wege der Vampirjäger, und nicht alle überleben das dunkle Ränkespiel, das sich entwickelt.

Die Miniserie wurde mit großem Aufwand inszeniert und ist sowohl optisch als auch von den Schauspielerleistungen her sehenswert. Eva Green stellt als Besessene alles in den Schatten, was etwa Linda Blair in Der Exorzist geboten hat. Aber auch die anderen gehen in ihren Rollen auf, und ihr Spiel trägt die Serie, die inhaltlich nichts bahnbrechend Neues gegenüber dem bietet, was man von Frankenstein, Dorian Gray und all den anderen aus den klassischen Werken der Gothic Novel kennt. Trotzdem ist das Ganze spannend, denn gerade die Geheimnisse hinter den Protagonisten und ihr Zusammenwirken machen neben der tollen Atmosphäre den Reiz von Penny Dreadful aus. Vergleiche zu Game of Thrones sind hinsichtlich der Machart, des Looks, des Aufwands und der Schauspielerleistungen durchaus angebracht. Ob sie standhalten, muss die 2. Staffel zeigen, die schon aufs Anschauen wartet. Allerdings scheint die Serie nicht den Erfolg gebracht zu haben, den man sich davon erhofft hat, denn die 3. Staffel bildet wohl den Abschluss, wie zu lesen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s