Wiederentdeckt: Angel Heart

Nach Der weiße Hai jetzt Angel Heart – Buch und DVD lagen schon länger auf meinem Wieder-mal-lesen-(und-schauen)-Stapel. Die Verfilmung hab ich erstmals gesehen, als sie 1987 ins Kino kam. Der Roman von William Hjortsberg aus dem Jahr 1978 (Falling Angel) folgte erst 2006, als er vom Area Verlag in der Übersetzung von Angelika Felenda neu aufgelegt wurde. In den letzten Tagen hab ich das Buch nochmal gelesen.

Angel HeartDie Geschichte spielt im Jahr 1959 in New York. Privatdetektiv Harry Angel hält sich mit Scheidungs- und Versicherungsbetrugsfällen über Wasser. Als er durch Anwalt Winesap einen Suchauftrag des zwielichtigen Louis Cyphre zugeschustert bekommt, ahnt er noch nicht, auf was er sich da einlässt. Er soll herausfinden, ob der ehemalige Schnulzensänger Johnny Favorite noch lebt, der im 2. Weltkrieg sein Gedächtnis verloren hat und damals in ein Sanatorium eingeliefert wurde. Cyphre möchte alte Schulden eintreiben. Nahezu jeder, den Angel über Favorite befragt, stirbt kurz darauf einen gewaltsamen Tod: ein früherer Arzt Favorites, ein Musiker, eine Wahrsagerin … Angel stöbert Favorites hübsche Tochter auf, die ihn fasziniert: Sie ist eine Mambo und zelebriert Voodoo-Rituale. Bis Angel merkt, wie tief er in den Machenschaften von Voodoo-Priestern und Teufelsanbetern herumgestochert hat, ist es zu spät für ihn, um sich noch aus dem Fall zurückzuziehen, zumal er selbst unter Mordverdacht gerät.

Der US-amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor William Hjortsberg feierte mit Falling Angel seinen größten Erfolg. Das liegt sicher an der Verfilmung mit Mickey Rourke, Robert DeNiro und Charlotte Rampling, aber auch am Setting und der Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht: Ende der Fünfziger herrschten noch andere Moralvorstellungen als heute, doch Angel kriegt es mit Leuten zu tun, die sich darum nicht scheren. Hjortsberg dreht die Spirale der Gewalt immer weiter, und als Leser ahnt man etwas früher als Harry Angel, wie tief er in diesen Strudel hineingezogen wird. Beim Lesen kannte ich das Ende bereits aus dem Kino, dennoch empfand ich die Entwicklung der Geschichte und den gesamten Hintergrund auch beim Wiederlesen als spannend.

Angel Heart DVDVerfilmt wurde der Roman im Jahr 1987 von Alan Parker, der unter anderem auch bei 12 Uhr nachts – Midnight Express, Pink Floyd – The Wall, Birdy und Mississippi Burning Regie führte. Hjortsberg arbeitete am Drehbuch von Parker mit, bekam dafür im Filmvorspann allerdings keinen Credit. Die Handlung wurde ins Jahr 1955 verlegt, möglicherweise um Mickey Rourke nicht zu alt erscheinen zu lassen, da Harry Angel 1918 geboren wurde. Der Film fängt die Atmosphäre des Buches gut ein – inklusive der blutigen Morde. Allerdings sind viele Dialoge verkürzt dargestellt, wodurch manche Zusammenhänge nicht so ganz klar oder vereinfacht werden und vor allem der Voodoo- und Teufelsanbeter-Hintergrund nicht so zur Geltung kommt wie im Buch. Trotzdem ist Parker ein guter Horrorfilm gelungen, der gekonnt mit den Elementen des Hardboiled Detective und des Film noir spielt.

2 Antworten zu “Wiederentdeckt: Angel Heart

  1. Ich habe den Film auch schon mehrfach gesehen. Mickey Rourke war da noch ziemlich gut drauf, später hat das ja wohl heftig nachgelassen… Aber beim ersten Ansehen ist die Auflösung fantastisch gelungen!

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  2. Wiedermal ein schöner Hinweis – das Buch kommt auf meine Leseliste. Den Film fand ich damals absolut faszinierend und sehr unverständlich: wirklich kapiert hab‘ ich’s nit :-) Umso mehr freue ich mich auf die Lektüre.
    Meinen Dank!

    Gefällt 1 Person

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